Windkraft-Debatte in Gadebusch: Stadtvertreter diskutieren Einwohnerbefragung und finanzielle Aspekte
Windkraft-Debatte in Gadebusch: Einwohnerbefragung geplant

Windkraft-Pläne lösen erneute Diskussionen in Gadebusch aus

Das Thema Windenergie sorgt in der Stadt Gadebusch im Landkreis Nordwestmecklenburg erneut für kontroverse Debatten. Auslöser sind einerseits konkrete Baupläne für sechs neue Windkraftanlagen im Windeignungsgebiet Gadebusch-Süd, andererseits ein politischer Vorstoß der Fraktion Die Linke/SPD für eine umfassende Einwohnerbefragung. Bereits jetzt stehen vier Windkraftanlagen zwischen Mühlen Eichsen und Veelböken, doch die geplanten Neuerrichtungen bei Gadebusch bringen grundsätzliche Fragen zur Energiepolitik und kommunalen Mitbestimmung auf den Tisch.

Direkte Demokratie versus finanzielle Realitäten

Thomas Konieczny, Vorsitzender der Fraktion Die Linke/SPD, betont den demokratischen Charakter des Vorhabens: „Es ist ein Ausdruck direkter Demokratie, die Bevölkerung zu diesem Thema zu befragen – möglichst zeitnah, spätestens jedoch zum Termin der Landtagswahl am 20. September 2026“. Die Befragung soll unter anderem klären, ob die Stadt weiterhin an einem Beschluss aus dem Jahr 2014 festhalten soll, der keine weiteren Flächen für Windenergieerzeugung vorsieht.

Bürgermeister Arne Schlien von der CDU steht dem Antrag mit gemischten Gefühlen gegenüber. Er geht davon aus, dass Windkraftanlagen voraussichtlich so oder so errichtet werden, und verweist auf die grundlegend veränderte Energiesituation seit 2014 sowie die angespannte Haushaltslage vieler Kommunen: „Die Frage ist also, was passiert, wenn sie gebaut werden? Geht die Stadt leer aus, bekommt sie nur das, was gesetzlich möglich ist oder erzielt sie deutlich höhere Einnahmen, wenn sie selbst in erneuerbare Energien investiert?“.

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Entscheidung im Rathaus und konkrete Bauvorhaben

Am Montag, dem 9. März 2026, könnte sich das Schicksal der Einwohnerbefragung entscheiden. Die Gadebuscher Stadtvertretung tagt dann ab 18 Uhr im Rathaus und wird über den Antrag beraten sowie möglicherweise abstimmen. Bei einer Mehrheit würde die Amtsverwaltung beauftragt, die Kosten für die Befragung zu ermitteln und in den Haushalt 2026 einzustellen.

Konkret plant die Energiepark Gadebusch GmbH & Co. KG mit Sitz in Schwerin den Bau von sechs Windkraftanlagen in Gadebusch-Süd. Dabei handelt es sich um:

  • Vier Anlagen mit einer Gesamthöhe von je 250 Metern
  • Zwei Anlagen mit jeweils 244 Metern Höhe
  • Anlagen des Typs Vestas mit Nennleistungen von 6,2 bzw. 6,0 Megawatt

Obwohl das Staatliche Amt für Landwirtschaft und Umwelt Westmecklenburg (StALU) bereits die Genehmigung für dieses millionenschwere Vorhaben erteilt hat – inklusive der Fällung von elf Straßenalleebäumen für eine Zuwegung –, legte die Stadt Gadebusch Widerspruch gegen den Bescheid ein.

Weitere Windkraft-Projekte in der Region

Parallel zeichnet sich im benachbarten Bereich Rehna eine weitere große Investition in erneuerbare Energien ab. Das StALU erteilte dem Unternehmen KNE Windpark aus Schwerin die Genehmigung für den Bau von zehn Windkraftanlagen. Jede dieser Anlagen soll eine Gesamthöhe von 241 Metern und eine Leistung von 5,6 Megawatt erreichen. Geplant ist die Errichtung in den Gemarkungen Torisdorf, Rabensdorf, Falkenhagen, Klein Rünz und Cordshagen.

Die Debatte in Gadebusch spiegelt damit nicht nur lokale Interessenkonflikte wider, sondern auch größere gesellschaftliche Fragen zur Energiewende, kommunalen Finanzen und demokratischer Beteiligung in einer sich wandelnden Energie-Landschaft.

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