Bis zu 300 Meter hoch: Dresden plant Mega-Windräder im Stadtgebiet
Die möglichen Windkraftanlagen im Dresdner Hochland würden Loschwitz und den Fernsehturm deutlich überragen. Am 23. März will der Regionale Planungsverband Oberes Elbtal/Osterzgebirge den Turbo für gigantische Windräder zünden – mitten in Dresdens grünem Wohnzimmer.
Stahl-Giganten in sensiblen Landschaften
Die geplanten Anlagen erreichen bis zu 300 Meter Höhe und wären damit höher als der Dresdner Fernsehturm. Die Beton-Sockel sollen 1500 Kubikmeter Masse bei 30 Metern Durchmesser umfassen. Dass diese Bauwerke ausgerechnet über der malerischen Flusslandschaft im Südosten von Elbflorenz und der Dresdner Heide entstehen sollen, sorgt für erheblichen Verdruss in der sächsischen Landeshauptstadt.
Betroffen sind 6000 Hektar Landschaftsschutzgebiet, die als Jogger-Paradies, Pilzrevier und beliebtes Familien-Ausflugsziel gelten. Besonders das Schönfelder Hochland, oft als Dresdens „Elblandtoskana“ bezeichnet, mit dem Triebenberg als höchstem Punkt der Stadt, steht im Fokus der Planungen.
Drei konfliktreiche Standorte vorgesehen
Der Plan sieht drei konkrete Flächen mit insgesamt 162 Hektar vor:
- Rund 80 Hektar in der Heide nahe der S95
- Knapp 50 Hektar am Triebenberg im Schönfelder Hochland
- Rund 33 Hektar in Rossendorf
Selbst die Planer sprechen von „mittlerem bis hohem Konfliktpotenzial“. Gründe sind notwendige Schneisen und Schwerlastverkehr im Schutzgebiet sowie massive Betonfundamente im Boden. Der Dresdner Stadtrat hatte Windräder im Stadtgebiet bereits zweimal abgelehnt, doch das sächsische Infrastrukturministerium stellte klar: Ein pauschales Verbot ist nicht möglich.
Rechtliche Rahmenbedingungen und Widerstand
Wenn Anträge rechtlich korrekt gestellt werden, müssen sie laut Bundesrecht genehmigt werden. Die Windkraft genießt Vorrang, sodass kein Bebauungsplan erforderlich ist und Ablehnungen nur bei konkreten entgegenstehenden öffentlichen Belangen möglich sind. Hintergrund ist die Bundesvorgabe, dass zwei Prozent der Landesfläche für Windenergie bereitgestellt werden müssen – für die Region sind es 1,3 Prozent.
Entsprechend heftig ist der Widerstand vor Ort. Der zuständige Ortschaftsrat sprach sich mit 16 von 20 Stimmen klar gegen die Windkraftanlagen aus. Die Dresdner CDU ging auf Distanz und kritisierte: „Demokratie wird ad absurdum geführt, wenn man die Beschlüsse gewählter Räte missachtet.“
Das liberal-konservative Bündnis „Team Zastrow“ im Dresdner Stadtrat startete eine e-Petition mit dem Titel „Keine Windräder in der Dresdner Heide und im Hochland – Heimat schützen!“. Der Dresdner SPD-Stadtrat Stefan Engel (33), Mitglied im zuständigen Planungsverband, beharrt dagegen auf den Windkraft-Plänen und verweist auf fehlende Rechtsgrundlagen für ein pauschales Verbot.
Wirtschaftliche Interessen und Zeitplan
Kritiker verweisen zudem auf wirtschaftliche Interessen hinter den Plänen. Eine Agrar-GmbH aus dem Dresdner Hochland könnte die Flächen für die Windräder verpachten, doch der Betrieb ließ eine BILD-Anfrage zu seinen Plänen unbeantwortet.
Am 23. März soll der Planungsverband den Entwurf bestätigen und das Beteiligungsverfahren starten. Vom 7. Mai bis 6. Juli können Bürger Stellung nehmen. Die Fronten sind verhärtet: Während die einen von notwendiger Energiewende sprechen, befürchten andere Landschaftszerstörung und Missachtung des Bürgerwillens.



