Extreme Klimafolgen schon bei zwei Grad Erwärmung möglich
Eine im Fachjournal Nature veröffentlichte Untersuchung kommt zu einem alarmierenden Ergebnis: Bereits bei einer globalen Erwärmung um zwei Grad Celsius können Wetterextreme auftreten, die bisher für eine Erwärmung um drei oder vier Grad vorhergesagt wurden. Die Studie, geleitet von Emanuele Bevacqua und Jakob Zscheischler vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung in Leipzig, konzentriert sich auf Klimarisiken in drei kritischen Bereichen: Starkregen in dicht besiedelten Regionen, Dürren in bedeutsamen Agrargebieten und Wetterverhältnisse, die Waldbrände begünstigen.
Worst-Case-Szenarien analysiert
Die Forscher werteten globale Simulationen zahlreicher Klimamodelle aus, die auch den Berichten des Weltklimarates zugrunde liegen. Statt sich auf Durchschnittswerte zu konzentrieren, blickten sie diesmal auf die Extremwerte – sogenannte Worst-Case-Szenarien. Bei Dürren in wichtigen Agrargebieten nahm die Häufigkeit in zwei Klimamodellen um mehr als 35 Prozent zu, in einem Modell sogar um mehr als 50 Prozent. Der Mittelwert lag bei einem Plus von 11 Prozent. Zum Vergleich: Selbst bei einer Erwärmung um vier Grad liegt der Mittelwert bei 16 Prozent mehr Dürren.
"Zehn der 42 untersuchten Modelle liefern bei zwei Grad Ergebnisse, die deutlich über dem Modellmittel bei vier Grad Erwärmung liegen", sagte Bevacqua. Auch bei Starkregen in dicht besiedelten Regionen sind die Extremwerte beachtlich. Die maximale Niederschlagsmenge an fünf aufeinanderfolgenden Tagen könnte in einer um zwei Grad wärmeren Welt im Durchschnitt um 8,5 Prozent zunehmen, in extremen Fällen jedoch um 13 bis 15 Prozent.
Experten fordern dringendes Handeln
Unabhängige Experten halten die Studie für einen wichtigen Beitrag zur Klimawandelforschung. Douglas Maraun von der Universität Graz betont: "Die Studie veranschaulicht deutlich, dass extreme Änderungen – wenn auch mit geringer Wahrscheinlichkeit – selbst bei einer Erwärmung von 'nur' zwei Grad nicht mehr auszuschließen sind." Helge Gößling vom Alfred-Wegener-Institut in Bremerhaven warnt, dass Risikoabschätzungen und Anpassungsplanungen zu kurz greifen könnten, wenn sie nur auf wahrscheinliche Entwicklungen ausgelegt sind.
Carl-Friedrich Schleussner vom Internationalen Institut für angewandte Systemanalyse in Österreich sieht die Studie als Weckruf: "Dringendes Umsteuern ist erforderlich." Das Pariser Klimaabkommen zielt darauf ab, die Erwärmung auf deutlich unter zwei Grad, idealerweise 1,5 Grad, zu begrenzen. Doch aktuelle Prognosen deuten darauf hin, dass geplante Maßnahmen derzeit zu einer Erwärmung um etwa 2,8 Grad führen könnten.
2027 droht neuer Hitzerekord
Zusätzlich zu diesen langfristigen Risiken mehren sich die Anzeichen für einen starken El Niño im Herbst. Dieses Klimaphänomen im tropischen Pazifik könnte 2027 über komplexe Wechselwirkungen zu einer zusätzlichen Erwärmung des Planeten führen, was einen neuen Hitzerekord wahrscheinlich macht. Die Studie unterstreicht die Notwendigkeit, nicht nur die wahrscheinlichsten, sondern auch extreme Szenarien in der Klimapolitik und Anpassungsstrategien zu berücksichtigen, um schwerwiegende gesellschaftliche und ökologische Folgen abzumildern.



