Klimaanlagen als heimliche Klimakiller: Studie warnt vor zusätzlicher Erwärmung
Während Klimaanlagen in Innenräumen für angenehme Kühle sorgen, heizen sie draußen den Planeten immer weiter auf. Weltweit steigt die Zahl der installierten Klimageräte rapide an, was den Klimawandel zusätzlich beschleunigt. Forscher der University of Birmingham haben nun berechnet, wie stark sich die Erde allein durch den Betrieb von Klimaanlagen aufheizen könnte.
Dramatische Emissionsprognosen bis 2050
Laut einer im Fachjournal Nature Communications veröffentlichten Studie könnten Klimaanlagen den Ausstoß von Treibhausgasen bis Mitte des Jahrhunderts massiv erhöhen. Im ungünstigsten Szenario könnten die verursachten Emissionen bis zum Jahr 2050 etwa 8,5 Milliarden Tonnen Kohlendioxid entsprechen. Zum Vergleich: Die gesamten jährlichen Treibhausgasemissionen der USA betragen derzeit 5,9 Milliarden Tonnen CO₂-Äquivalente.
Das Forschungsteam um Yuli Shan kombinierte verschiedene Datensätze und Modelle, um die klimaschädlichen Auswirkungen von Klimaanlagen abzuschätzen. Dabei griffen sie auf Emissionsszenarien des Weltklimarats (IPCC) zurück, die sich in der Intensität der weltweiten Klimaschutzbemühungen unterscheiden.
Bis zu 0,05 Grad zusätzliche Erwärmung
Bei einem mittleren Szenario, bei dem der Treibhausgasausstoß in den kommenden Jahren deutlich reduziert wird, würden die durch Klimaanlagen verursachten Emissionen eine zusätzliche Erwärmung von etwa 0,05 Grad Celsius bewirken. In diesem Szenario steigen die Treibhausgasemissionen durch Klimaanlagen von 1,3 Milliarden Tonnen CO₂-Äquivalente im Jahr 2010 auf 3,8 Milliarden Tonnen im Jahr 2050.
Der Klimawandel erhöht die globalen Durchschnittstemperaturen und macht Hitzewellen häufiger. Um sich vor extremen Temperaturen zu schützen, nutzen immer mehr Menschen Klimaanlagen in ihren Wohnungen. Auch Büros, Fabrikhallen und Werkstätten werden zunehmend mit den Anlagen ausgerüstet.
Doppelte Belastung: Energieverbrauch und Kühlmittel
Die Forscher gehen davon aus, dass nur ein kleiner Teil des Emissionswachstums auf zusätzlichen Kühlungsbedarf durch den Klimawandel zurückgeht. Der Verbrauch steigt vor allem, weil sich immer mehr Menschen eine Klimaanlage leisten können.
Den größten Anteil am Ausstoß klimaschädlicher Gase hat die Erzeugung von Elektrizität aus fossilen Brennstoffen wie Kohle, Erdöl und Erdgas. Doch auch die in den Anlagen genutzten Kühlmittel tragen erheblich bei, da sie meist ein hohes Treibhausgaspotenzial besitzen. Durch Lecks können diese Substanzen in die Umwelt gelangen und zusätzlich zu den steigenden Emissionen beitragen.
Lösungsansätze: Effizientere Technologien und passive Kühlung
„Die Welt muss rasch auf sauberere und effizientere Kühltechnologien umsteigen“, fordert Studienautor Yuli Shan. Gleichzeitig müsse ein gerechter Zugang zu Kühlung gewährleistet werden, insbesondere für gefährdete Bevölkerungsgruppen.
Passive Kühlungsstrategien könnten bis zu 20 Prozent der Energie zum Betrieb von Klimaanlagen einsparen. Dazu zählen:
- Beschattung von Räumen durch Roll- und Fensterläden
- Große Dachüberstände und Wärmedämmung
- Helle Oberflächen, die Sonnenlicht reflektieren
- Dach- und Fassadenbegrünung
Die Studie unterstreicht die Dringlichkeit, sowohl den Energieverbrauch von Klimaanlagen zu reduzieren als auch auf klimafreundlichere Kühlmittel umzusteigen. Nur so kann verhindert werden, dass die Geräte, die eigentlich vor Hitze schützen sollen, den Klimawandel weiter anheizen.



