Mikroplastik in der Luft erwärmt die Atmosphäre stärker als gedacht
Mikroplastik erwärmt Atmosphäre stärker als gedacht

Mikroplastik in der Luft könnte das Klima stärker beeinflussen als bislang angenommen. Winzige Plastikteilchen, die in der Atmosphäre schweben, können Sonnenlicht absorbieren und die Energie als Wärme abgeben, was zur Erwärmung der Luft beiträgt. Eine neue Studie im Fachmagazin „Nature Climate Change“ zeigt, dass farbige Kunststoffpartikel dabei eine entscheidende Rolle spielen.

Farbige Partikel heizen die Atmosphäre auf

Die Forschung um Hongbo Fu von der Fudan University in Shanghai und Drew Shindell von der Duke University in den USA untersuchte, wie Mikro- und Nanoplastik in der Luft das Klima beeinflusst. Sie fanden heraus, dass farbiges Plastik bei grünem Licht (Wellenlänge 550 Nanometer) etwa 75-mal mehr Sonnenenergie aufnimmt als ungefärbter Kunststoff. Während frühere Schätzungen aus dem Jahr 2021 davon ausgingen, dass Mikroplastik ohne Farbpigmente nur 0,044 Milliwatt pro Quadratmeter zur Erderwärmung beiträgt, zeigt die neue Studie, dass die Farbvielfalt der Partikel diesen Wert deutlich erhöht.

Das durchschnittliche Erwärmungspotenzial von Mikro- und Nanoplastik in einer Luftsäule beträgt bei grünem Licht 0,039 Watt pro Quadratmeter (0,006 W/m² für Mikroplastik und 0,033 W/m² für Nanoplastik). Im Vergleich dazu liegt das Erwärmungspotenzial von Ruß – feinen schwarzen Partikeln aus Verbrennung – deutlich höher, aber Mikroplastik erreicht immerhin etwa 16 Prozent des Rußpotenzials. Besonders in Regionen wie dem Nordpazifikwirbel kann das Verhältnis sogar 470 Prozent betragen, während über Westafrika, wo viel Biomasse verbrannt wird, Ruß mit 4,48 W/m² dominiert.

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Kunststoffart spielt kaum eine Rolle

Die Forscher stellten fest, dass die Art des Kunststoffs (z. B. Polyethylen oder Polypropylen) kaum Einfluss auf die Erwärmung hat. Entscheidend ist die Farbe, wobei Alterungsprozesse die Unterschiede zwischen den Farben verringern: Weißer Kunststoff vergilbt mit der Zeit, und rote Pigmente zerfallen unter Sonneneinstrahlung. Die Wissenschaftler simulierten die globale Verteilung der Partikel mit Computermodellen und betonen, dass die Unsicherheiten noch groß sind, da es weltweit nur wenige Messdaten zu Konzentrationen von Mikro- und Nanoplastik in der Atmosphäre gibt.

Experten fordern mehr Forschung

Gilberto Binda von der University of Insubria in Italien kommentiert in „Nature Climate Change“, dass luftgetragene Kunststoffpartikel nicht nur ein Umweltproblem, sondern potenziell einen neuen Klimafaktor darstellen. Angesichts der steigenden Kunststoffproduktion werde es immer dringlicher, die Rolle von Kunststoffen in der Atmosphäre zu verstehen. Andreas Stohl von der Universität Wien hält die Studie für einen guten Anfang, bemängelt jedoch, dass die Unsicherheit der Zahlenwerte unterschätzt werde. Johannes Quaas von der Universität Leipzig betont, dass die Klimaauswirkungen von Mikroplastik im Vergleich zu Treibhausgasen zwar klein erscheinen, aber in einer ähnlichen Größenordnung wie die Wirkung von Kondensstreifen des Flugverkehrs liegen.

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