Windkraftausbau in Hagenow: Bürgerinitiative wehrt sich gegen Pläne in Bekow
In Hagenow entzündet sich ein heftiger Streit um den geplanten Bau von Windrädern im Naherholungs- und Landschaftsschutzgebiet Bekow. Die Bürgerinitiative „Natürlich Bekow“ hat sich formiert, um gegen die Vorhaben der Stadt zu protestieren. Auf Einladung der Aktivisten reiste nun der zuständige Landwirtschafts- und Umweltminister Till Backhaus persönlich an, um sich vor Ort ein Bild von der Situation zu machen.
Ministerbesuch unterstreicht Brisanz des Themas
Mehr als zwanzig engagierte Mitglieder der Bürgerinitiative versammelten sich, um dem Minister ihre tiefgreifenden Bedenken zu erläutern. Roland Hochgesandt, einer der Sprecher der Initiative, führte Backhaus durch das betroffene Gebiet und verdeutlichte die möglichen Auswirkungen der geplanten Windkraftanlagen. Die Aktiven nutzten gezielt die Bürgertelefonsprechstunde des Ministers, um diesen Termin zu arrangieren und so ihre Anliegen direkt an höchster Stelle zu platzieren.
Kritik am laufenden Planungsverfahren
Derzeit befindet sich die Stadt Hagenow in einem Änderungsverfahren für den Flächennutzungsplan. Ziel ist es, die rechtlichen Grundlagen zu schaffen, um städtische Liegenschaften in der Bekow mit Windenergieanlagen bebauen zu können. Im aktuellen Scopingverfahren werden zunächst die relevanten Umweltbedingungen ermittelt, die später im Umweltbericht detailliert untersucht werden sollen.
Die Bürgerinitiative hat sich aktiv an diesem Verfahren beteiligt und insgesamt vierzehn fundierte Einwendungen eingereicht. Annett Schimko, eine weitere engagierte Vertreterin der Gruppe, kritisiert scharf: „Unserer Meinung nach hat die Stadt wichtige Punkte sträflich vernachlässigt.“ So sei es beispielsweise unterlassen worden, überhaupt nach alternativen Standorten für die Windräder zu suchen.
Bedenken zu Standortwahl und Verfahren
Besonders brisant: Vor einigen Jahren wurde in der Bekow eigens ein wertvolles Biotop angelegt. Nun droht genau dieses ökologisch sensible Areal mit Windkraftanlagen bebaut zu werden. Roland Hochgesandt betont: „Damit überlässt die Stadt die Standortfrage ausschließlich den Investoren, die naturgemäß primär ihre eigenen wirtschaftlichen Interessen im Blick haben.“
Im Gespräch mit Minister Backhaus wiesen die Initiativenmitglieder zudem auf einen weiteren wesentlichen Punkt hin: Sie können nicht nachvollziehen, warum das Verfahren zur Änderung des Flächennutzungsplans überhaupt weitergeführt wird, obwohl das Gebiet im offiziellen Regionalentwicklungsplan nicht als Windeignungsgebiet ausgewiesen ist.
Minister Backhaus positioniert sich
Minister Till Backhaus erläuterte daraufhin, dass Windräder theoretisch auch außerhalb von speziell ausgewiesenen Windeignungsgebieten genehmigungsfähig sein können, sofern die Kommunen dies ausdrücklich wünschen. Allerdings betonte er, dass in den umfangreichen Planungs- und Genehmigungsverfahren zahlreiche Prüfpunkte zu berücksichtigen seien. „Ich befürworte die Nutzung erneuerbarer Energien, aber stets mit Augenmaß und unter Abwägung aller Interessen“, so das Statement des Ministers.
Zum konkreten Verfahren in Hagenow merkte Backhaus an, dass dem Staatlichen Amt für Landwirtschaft und Umwelt (Stalu) seines Wissens nach bisher noch kein offizieller Antrag der Stadt vorliege. Daher könne er zu dem spezifischen Projekt derzeit noch keine abschließende Bewertung abgeben.
Bürgerbeteiligung als zentrales Element
Dennoch nahm der Minister die detaillierten Einwendungen der Bürgerinitiative sehr ernst zur Kenntnis. Er verwies die Mitglieder ausdrücklich auf ihre umfangreichen Möglichkeiten zur Bürgerbeteiligung. Diese seien nicht nur im laufenden Verfahren zur Änderung des Flächennutzungsplans gesetzlich vorgeschrieben, sondern würden auch in einem möglichen nachfolgenden Genehmigungsverfahren für die Windräder eine entscheidende Rolle spielen.
Backhaus betonte: „Die Bürgerbeteiligung stellt sicher, dass die berechtigten Bedenken und Interessen der Anwohner in der gesamten Entscheidungsfindung angemessen berücksichtigt werden.“ Damit bekräftigte er das Recht der Bürger, sich in solche Planungsprozesse einzubringen und ihre Positionen wirksam zu vertreten.
Der Besuch des Ministers unterstreicht die anhaltende Brisanz des Themas und zeigt, dass der Konflikt um den Windkraftausbau in der Bekow noch lange nicht beigelegt ist. Die Bürgerinitiative „Natürlich Bekow“ kündigte an, ihren Widerstand gegen die Pläne mit allen legalen Mitteln fortzusetzen und weiter auf transparente Verfahren sowie den Schutz des Landschaftsschutzgebietes zu drängen.



