Avebe-Kampagne in Dallmin beendet: Rekordernte trotz globaler Herausforderungen
Avebe-Kampagne in Dallmin: Rekordernte trotz globaler Probleme

Avebe-Kampagne in Dallmin erfolgreich abgeschlossen: Rekordernte trotz globaler Herausforderungen

Mitte März hat die Avebe-Kartoffelstärkefabrik Prignitz/Wendland in Dallmin ihre knapp sechsmonatige Kampagne beendet. Geschäftsführer Alexis Kydonopoulos zieht im Gespräch mit unserer Redaktion ein umfassendes Fazit der intensiven Verarbeitungsperiode.

Außergewöhnliche Erntemengen und verlängerte Kampagne

Noch in der zweiten Märzwoche verarbeitete die Fabrik die letzten Stärkekartoffeln. „Wir haben die Kampagne um eine Woche verlängert“, erklärt Kydonopoulos. Der Grund dafür war eine außergewöhnlich hohe Anlieferung: Die Landwirte brachten rund 50.000 Tonnen mehr Kartoffeln als in den Vorjahren. Normalerweise plant das Unternehmen mit etwa 500.000 Tonnen Stärkekartoffeln für beide deutschen Standorte Dallmin und Lüchow-Dannenberg.

Während der gesamten Kampagne rollten täglich zwischen 60 und 80 Lkw mit Kartoffeln zur Fabrik. „Es war im vergangenen Jahr eine sehr ertragreiche Ernte“, so der Geschäftsführer. Die Wetterbedingungen seien optimal gewesen – weder zu viel Regen noch zu große Trockenheit hätten die Ernte beeinträchtigt.

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Technische Abläufe und Qualitätsmerkmale

Der Stärkegehalt lag in dieser Kampagne knapp unter 19 Prozent im Durchschnitt, was als gut, aber etwas niedriger als erwartet bewertet wird. „Wir konnten die Kampagne aufgrund unseres kompetenten Teams sehr gut durchziehen und sind ohne größere technische Probleme durchgekommen“, betont Kydonopoulos.

Die hohen Ernteerträge resultieren nicht nur aus günstigen Witterungsbedingungen. Viele Landwirte sind im vergangenen Jahr auf Kartoffeln umgestiegen, da sich der Getreideanbau aufgrund von Preisverfall nicht mehr lohnte. Dies führt nun allerdings zu einem Überangebot und entsprechendem Preisdruck bei Kartoffeln.

Wirtschaftliche Rahmenbedingungen und Landwirte

Rund 600 Landwirte aus Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und Niedersachsen beliefern die Avebe-Fabrik. Sie profitieren von Planungssicherheit durch Mitgliedschaft oder Verträge. In den vergangenen Jahren konnte der Grundpreis für Genossenschaftsmitglieder von 95 auf 110 Euro pro Tonne angehoben werden. Der endgültige Kampagnen-Endpreis für die abgelaufene Periode steht noch aus.

Vielfältige Produktpalette und Veredelung

Das Werk in Dallmin ist breit aufgestellt. Neben der Herstellung von Negativ-Kartoffelstärke, die nicht weiter veredelt wird, verarbeitet die Fabrik etwa ein Drittel der produzierten Trockenstärke weiter. Diese Produkte finden Verwendung in:

  • Instantnudeln
  • Fertiggerichten
  • Nahrungsergänzungsmitteln

Die Veredelung erfolgt in der sogenannten Interkampagne zwischen Kampagnenende und dem Neustart Mitte/Ende August.

Innovative Eiweißproduktion

Ein weiteres wichtiges Standbein ist die Herstellung von pflanzlichem Eiweiß. In einer eigens errichteten Fabrik auf dem Gelände wird das Eiweiß parallel zur Stärkeproduktion gewonnen. „Das Interesse daran wächst weltweit“, weiß Kydonopoulos. Das Kartoffelstärke-Eiweiß findet bereits Verwendung in:

  1. Pflanzlicher Mortadella
  2. Pflanzlichen Frikadellen
  3. Süßwaren als Gelatinersatz in Fruchtgummis

Globale Herausforderungen: Energie und Logistik

Während der Kampagne hat die Fabrik ihren höchsten Energiebedarf an Strom und Gas, insbesondere für die aufwändige Trocknung. Avebe verfügt glücklicherweise über langfristige Lieferverträge mit Energielieferanten.

Deutlich problematischer gestaltet sich die Logistik. „Wir haben Kunden in Asien. Weil die Straße von Hormus gesperrt ist, ist unklar, wann und ob auf diesem Weg unsere Ware an ihren Bestimmungsort gelangt“, erklärt Kydonopoulos. Alternative Routen würden 18 Tage länger dauern und deutlich höhere Kosten verursachen.

Bereits jetzt muss Avebe erheblich höhere Kosten für Schiffscontainer einplanen – mehrere tausend Euro Mehrkosten pro Container. „Deshalb ist es nicht nur für Gas- und Erdöl-Schiffe wichtig, dass die Straße von Hormus wieder passierbar wird“, betont der Geschäftsführer.

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Die europäische Industrie rechnet im nächsten Jahr mit einem leichten Rückgang der Rohstoffmengen. Trotz aller Herausforderungen zeigt die erfolgreiche Kampagne in Dallmin die Robustheit und Anpassungsfähigkeit der regionalen Kartoffelstärkeindustrie.