Baustart für Lachsfarm in Malchow soll noch in diesem Jahr erfolgen
Beim traditionellen Grünkohl-Essen im Schloss Fleesensee gab es bereits einen Vorgeschmack auf die Zukunft: Landlachs servierte Häppchen aus eigener Produktion. Bald will das Unternehmen in Malchow mit der regulären Produktion beginnen. Jahrelang schien das Mega-Projekt in der Inselstadt zu stagnieren, doch in Wirklichkeit arbeitete die Bürokratie langsam, aber stetig – und jetzt steht der Durchbruch bevor.
Genehmigungsverfahren kurz vor Abschluss
Wenn keine unvorhergesehenen Hindernisse auftreten, beginnt noch in diesem Jahr der Bau einer modernen Lachsfarm in Malchow. „Wir benötigen noch eine Begutachtung und Einschätzung der Abwasserqualität und Mengen, dennoch sind wir optimistisch, den B-Plan in diesem Jahr erfolgreich zum Abschluss zu bringen“, erklärt Bürgermeister René Putzar (parteilos). Zuvor müsse jedoch die „Qualität der Abwässer“, die in den Fleesensee eingeleitet werden, genauestens ermittelt werden.
Bei grünem Licht aller Entscheidungsträger könnte voraussichtlich Ende 2026 mit den Bauarbeiten begonnen werden. Der Brandenburger Unternehmer Patrick von Hertzberg plant mit seiner Firma Landlachs Investitionen in Höhe von geschätzten 100 bis 150 Millionen Euro. Mit rund 50 direkten Arbeitsplätzen sei zu rechnen, „vor- und nachgelagert mit weiteren“, so der Bürgermeister weiter.
Nachhaltige Produktion im Fokus
Der Kommunalpolitiker sieht in dem Vorhaben, das hinter der Motocrossbahn im Norden von Malchow entstehen soll, zahlreiche positive Aspekte. „Das Projekt trägt zur Versorgungssicherheit der deutschen Bevölkerung mit gesundem Fisch bei und zur Schonung der natürlichen Ressourcen“, betont Putzar. „Der Bekanntheitsgrad von Malchower Landlachs färbt sicher auf die Stadt ab.“
Anfängliche Bedenken habe er inzwischen überwunden: „Ich unterstütze das Projekt vollumfänglich, da es nur genehmigt wird, wenn keine negativen Umwelteinflüsse zu erwarten sind.“ Vorbehalte, Fische aus Gefangenschaft könnten Antibiotika enthalten und seien deshalb ungesund, teilt Putzar für die geplante Anlage nicht. „Antibiotika und Mikroplastik sind ausgeschlossen, da das nicht zur Biologie der Klärung der Abwässer passt.“ Er sei überzeugt von „dem großen Nutzen und der Schonung der Natur durch diese neuartigen Anlagen“.
Ambitionierte Produktionsziele
Zwischen Fleesensee und Plauer See sollen die Pläne des Unternehmens mit Hauptsitz in Eberswalde Realität werden. In einer 300 mal 100 Meter großen Aufzuchthalle sollen anfangs jährlich bis zu 5000 Tonnen Lachs produziert werden. Langfristig könnten es sogar bis zu 15.000 Tonnen pro Jahr werden.
Ein Aqua-Kreislaufsystem mit Biofilter von einem israelischen Technologiepartner soll eine Produktion ohne Antibiotika, Hormone und Chemikalien ermöglichen. In 18 Meter langen Becken sollen die im Schwarm lebenden Fische heranwachsen. Der Wasserverbrauch wird vom Investor auf mehr als 36.000 Kubikmeter pro Jahr beziffert.
Wirtschaftliche Perspektiven für die Region
Zur erwarteten Höhe der Gewerbesteuer wollte sich Landlachs-Geschäftsführerin Franziska von Hertzberg nicht konkret äußern. „Das ist schwer zu sagen, weil sich die Steuer aus dem Umsatz ableitet“, erklärt sie. Sie versichert jedoch, dass das Geld nach Malchow fließen wird. „Wir produzieren in Malchow und bleiben in Malchow angemeldet. Darum haben wir auch schon unser kleines Büro dort.“ Anfängliche Schätzungen hatten von einer Gewerbesteuersumme in Höhe von 30 bis 35 Millionen Euro pro Jahr gesprochen.
Die Unternehmerin zeigt sich zuversichtlich, dass die noch ausstehenden Genehmigungen erteilt werden. „Das ist ein sehr großes Vorhaben mit wahnsinnig vielen Komponenten, bürokratischen Aspekten und naturschutzfachlichen und rechtlichen Prüfungen“, räumt sie ein. Es sei zu erwarten gewesen, dass von der Idee bis zur Umsetzung Jahre ins Land gehen würden. Der größte Teil sei inzwischen geschafft. „Ich habe nirgends große Sorgen.“
Aus Malchow und der Mecklenburgischen Seenplatte erfahre sie „viel Rückenwind“. Alle Beteiligten seien „sehr positiv“ gestimmt.
Bereits aktive Produktion in Polen
Parallel zu den Bemühungen um den neuen Standort in Mecklenburg-Vorpommern hat sich das Unternehmen weiterentwickelt. „Wir haben inzwischen einen Kooperationspartner in Polen, eine erstklassige Lachszucht“, berichtet von Hertzberg. „Das bedeutet, wir haben ein Produkt vorzuweisen, verkaufen schon über unseren Online-Shop und haben den Grundstein für eine moderne, verantwortungsvolle Fischzucht gelegt.“
Es sei gut, jetzt etwas in der Hand zu haben und potenziellen Investoren sowie Geschäftspartnern etwas zeigen zu können. Beim traditionellen Grünkohlessen in Fleesensee habe das Unternehmen bereits Lachs-Häppchen gereicht, um sich bekannt zu machen und Kontakte zu knüpfen – mit gutem Erfolg.
Das nächste große Ziel sei nun „die Finalisierung“ der Landlachszucht in Mecklenburg-Vorpommern. Von Malchow aus wolle das Unternehmen unter anderem Brandenburg, Berlin und Hamburg beliefern und so eine regionale Versorgung mit nachhaltig produziertem Lachs sicherstellen.



