Frühlingserwachen in der Uckermark: Gärtnerei startet mit exotischen Pflanzen in die Saison
Das Umtopfen der kleinen Stipa-Pflänzchen aus den Aufzuchtpaletten geht Simone Schröder flott von der Hand. Die Prenzlauerin freut sich auch nach über 20 Jahren in der Firma, dass nach einem langen Winter wieder Leben in die Gärtnerei eingezogen ist. Jetzt ist die Zeit, auch im Garten den Frühling einziehen zu lassen. Wie wäre es in diesem Jahr mit ein paar Känguru-Pfoten? Die exotisch anmutenden Pflanzen lieben die Sommersonne.
Husarenköpfe und Känguru-Pfoten: Exotische Neuheiten
Husarenköpfe zwischen Känguru-Pfoten? Für den Normalbürger eine durchaus merkwürdige Vorstellung. Doch in Kröchlendorff ist das in diesem Jahr erstmals möglich. Jens Hauke freut sich jetzt schon auf die Reaktionen der Kunden, wenn sich zum traditionellen „Tag der offenen Tür“ seines Gartenbaubetriebes die Sommerblumen in voller Pracht zeigen. „Die Husarenköpfchen gehören schon lange zu unserem Sortiment. Doch mit den Känguru-Pfötchen bieten wir etwas Neues an.“ Die exotisch anmutenden, krautigen Pflanzen lieben Sommersonne. Zu ihr schieben sie ihre Blüten hoch, deren Form der Art ihren ausgefallenen Namen gab.
Uckermark noch vom Frost gezeichnet
Vor Kurzem noch war kaum daran zu denken, dass Husarenköpfe und Känguru-Pfoten Töpfchen an Töpfchen unter derzeit 17.000 anderen Blühpflanzen stehen. In der ersten Februarwoche wurden die ersten aus Anzuchtpaletten in frische Erde getopft. In wenigen Tagen werden nach den Worten des Gartenbaumeisters im großen Gewächshaus rund 25.000 Pflanzen im „Frühlingsbett“ heranwachsen. Darunter die bei Hobbygärtnern so beliebte Schwarzäugige Susanne, aber auch Fächerblumen, viele Verbenen-Arten bis hin zu Petunien und Geranien. Damit sei die Firma genau im Zeitplan, zeigt er sich erleichtert. So künden mitten in der noch vom Frost gezeichneten Uckermark die exotischsten Blumen vom nahenden Frühling und Sommer.
Hoher Energieverbrauch im kalten Winter
Kürzlich noch bedeuteten die anhaltend zweistelligen Minusgrade für den Kröchlendorffer Betrieb vor allem eines – heizen. Im Vergleich zu den vergangenen, milderen Wintern sind rund 30 Prozent mehr Heizöl verbraucht worden. „Vor allem unser großes Gewächshaus muss frostfrei gehalten werden, damit die Versorgungsleitungen nicht einfrieren. Selbst dann, wenn es leer steht“, erklärt Jens Hauke. Jens Hauke verabreicht frisch getopften Blumenpflänzchen ihre erste Dusche mit einem Mix aus Mikroorganismen und Pflanzenextrakten, die die Triebe stärken sollen.
Mitarbeiter freuen sich auf den Frühling
In diesen Tagen ist jedem einzelnen seines dreiköpfigen Mitarbeiterteams die Freude über den Start in die neue Saison anzumerken. Ricardo Zemmin zum Beispiel könnte noch Überstunden abbummeln. Doch er kommt regelmäßig in die Firma, um mit anzupacken. „Das macht mir Spaß, ist eine Abwechslung im Alltag“, sagt er. Simone Schröder, seit über 20 Jahren dabei, lächelt in sich hinein, während sie Stipa, ein winterhartes Gras für die Beet- und Solitärbepflanzung, umtopft. Vor Kurzem noch hat sie Porree und Zwiebeln pikiert. Die Winzlinge wachsen nun in Reih und Glied ausgerichtet in einem anderen Gewächshaus heran. Auch in der Kinderstube der Tomatenpflanzen, die zu den Verkaufsschlagern der Gärtnerei gehören, ist bereits Leben eingezogen.
Vorbereitungen im Winter und Fachmessen
Für Außenstehende ist kaum zu glauben, wie viel Aufwand in der Vorbereitung auf die neue Saison steckt. Denn auch im Winter war der Gartenbaumeister nicht untätig. „Sicher geht es dann etwa ruhiger zu“, gesteht er. „Es ist die Zeit, am PC vieles aufzuarbeiten und die Grundlagen für neue Taten zu schaffen“, erzählt er begeistert von Treffen mit anderen Produzenten, Kontakten zu Händlern und Behörden. Unerlässlich für ihn ist der Besuch von Messen wie die IPM Essen, der sogenannten Weltleitmesse des Gartenbaus. Dort trifft sich die grüne Branche, um sich über klimaresiliente Pflanzen, Nachhaltigkeit und neue Produkte auszutauschen. Ende Januar tummelten sich dort 1500 Aussteller aus 45 Nationen. Für die Uckermärker war der Fachaustausch zum Beispiel über Kulturerden mit und ohne Torf genauso wichtig wie die Kontaktpflege zu Kollegen.
Gärtnereien schließen wegen fehlender Nachfolger
Sich auf dem neuesten Stand zu halten, ist eine der Voraussetzungen, um auf dem Markt auch als kleiner Gartenbaubetrieb bestehen zu können. Jens Hauke, der als Einziger in der Uckermark Mitglied im Landesgartenbauverband ist, bedauert, dass immer mehr Gärtnereien ringsum ihre Türen schließen. „Das ist nicht den Baumärkten und großen Gartencentern geschuldet, sondern eine Frage des Generationswechsels“, sagt er. Er selbst muss noch nicht über seine Nachfolge grübeln, steckt tief in der Arbeit.
Vorfreude auf den „Tomatentag“ und Veranstaltungen
Auch 2026 sind in der Kröchlendorffer Firma Obst- und Ziergehölze zu finden. Seit vier Jahren bereichert die kleine Baumschule das Spektrum, das zum größten Teil aus Beet- und Balkonpflanzen besteht. An Marktgeschehen beteiligt sich Jens Hauke nicht mehr, außer an der „Grünen Meile“ in Prenzlau und am jährlichen „Tag der Regionen“. Dafür lädt er am 8. und 9. Mai traditionell zum „Tag der offenen Tür“ ein. Spätestens seit sich im Vorjahr dazu an die 2500 Besucher auf dem Gelände drängelten, steht fest: Es ist das unverzichtbare Highlight. Besucher werden auch zu den „Offenen Gärten Uckermark“ Mitte Juni erwartet. Und natürlich können sich die Tomatenfans wieder auf den „Tomatentag“, dieses Mal am 8. August, freuen. Noch warten die Primeln im Gewächshaus auf ihren großen Auftritt im Freien. Wer will, kann sein Interesse schon anmelden.



