Experten warnen vor Frostgefahr: Früher Vegetationsstart bedroht Obsternte in Deutschland
Frostgefahr bedroht Obsternte nach frühem Vegetationsstart

Frühlings-Turbo mit Risiken: Frost bedroht deutsche Obsternte

Der Frühling hat in diesem Jahr deutlich früher Einzug gehalten als gewöhnlich. Schon Anfang März zeigten sich vielerorts grüne Felder und erste Blüten, wie beispielsweise in Rottweil in Baden-Württemberg. Doch genau dieser beschleunigte Vegetationsstart bereitet Experten große Sorgen. Sollte die Kälte noch einmal zurückkehren, drohen der Landwirtschaft massive Schäden.

Klimatologe warnt vor hoher Frostwahrscheinlichkeit

Dr. Karsten Brandt, ein renommierter Klimatologe, äußert sich besorgt: „Ich mache mir Sorgen. Die Kirschen treiben schon aus, die Mandeln auch, auch sehr viele Pollen sind viel zu zeitig unterwegs. Sollte es noch einmal Frost geben, drohen gewaltige Ernteverluste.“ Der Experte erklärt konkret: „Sinken die Temperaturen über einen Zeitraum von drei Stunden auf unter minus drei Grad, frieren die Blüten ein. Die Wahrscheinlichkeit, dass dieser Fall eintritt, liegt leider bei fast 90 Prozent.“

Diese Befürchtung stützt sich auf historische Erfahrungen. Im Jahr 2017 führte ein ähnliches Szenario mit frühsommerlichen Temperaturen im April und anschließenden Nachtfrösten zu erheblichen Schäden. Der Deutsche Bauernverband (DBV) bezifferte die Frostschäden damals auf rund 200 Millionen Euro, mit teilweisen Totalausfällen bei Kirschen, Äpfeln und Birnen.

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Wetterprognosen bleiben unsicher

Nico Bauer vom Deutschen Wetterdienst (DWD) gibt zu bedenken: „Zum Ende des Monats oder auch im April kann es Kälterückfälle geben, aber darüber kann man jetzt noch keine konkrete Aussage treffen.“ Diplom-Meteorologe Dominik Jung bestätigt diese Einschätzung und fügt hinzu: „Es wäre zumindest nicht ungewöhnlich.“

Die aktuelle Wetterlage zeigt Temperaturen bis zu 21 Grad, viel Sonnenschein und kaum Regen. Dies hat bereits in einigen Regionen zu einer erhöhten Waldbrandgefahr geführt. Zusätzlich zur Trockenheit könnte ein später Kälteeinbruch die Situation für Landwirte verschärfen.

Folgen für die Landwirtschaft

Die Natur ist in diesem Jahr bis zu vier Wochen früher als der Kalender. Obstbauern müssen daher besonders wachsam sein. Traditionelle Schutzmaßnahmen wie das Aufstellen von Kerzen in Obstplantagen, wie es beispielsweise 2021 in Nordrhein-Westfalen praktiziert wurde, könnten erneut notwendig werden.

Dr. Brandt weist auf ein weiteres Risiko hin: „Wenn an den Tagen um den kalendarischen Frühlingsanfang das Wetter schön ist, bleibt es oft auch stabil. Dann schlagen die Triebe erst recht kräftig aus, immer mehr Obstbäume blühen.“ Ein folgender Kälteeinbruch wäre in diesem Fall besonders fatal, da mehr Pflanzen betroffen wären.

Die Landwirtschaft steht vor einer doppelten Herausforderung: Einerseits die aktuelle Trockenheit, andererseits die latente Frostgefahr. Während die Trockenheit noch abgefedert werden kann, wären Spätfröste für viele Obstsorten verheerend. Die Experten raten zu erhöhter Aufmerksamkeit und vorbereitenden Maßnahmen in den kommenden Wochen.

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