Angus-Bulle Cicero aus Lauenhagen erzielt Rekordsumme bei Auktion
Rekordpreis für Angus-Bulle Cicero aus Lauenhagen

Angus-Bulle Cicero aus Lauenhagen erzielt Rekordsumme bei Auktion

Friedrich Keunecke aus Lauenhagen führt Cicero an einem leichten Halfter. Der Nasenring kommt nur bei Auktionen oder anderen Veranstaltungen mit Publikum zum Einsatz. Der Angus-Bulle Cicero aus Lauenhagen bei Strasburg hat bei der größten Auktion im Nordosten eine bemerkenswerte Rekordsumme erzielt. Züchter Friedrich Keunecke berichtet ausführlich, wie es zu diesem außergewöhnlichen Verkaufserfolg kam.

Ein unscheinbarer Bulle mit beeindruckendem Wert

Cicero mampft Heu, steht etwas x-beinig, brummelt vor sich hin und wackelt gelegentlich mit dem Kopf. Der einjährige Angus-Bulle fällt nicht besonders auf zwischen seinen Artgenossen auf dem Hof von Friedrich Keunecke in Lauenhagen im Landkreis Vorpommern-Greifswald. Für ein ganz normales Rind mag der Laie ihn halten, und doch ist dieses Tier der derzeit teuerste Bulle ganz Mecklenburg-Vorpommerns.

Cicero aus Lauenhagen gehört nach Angaben seines Züchters zu den friedlicheren und freundlicheren Vertretern seiner Art. Für stolze 8400 Euro hat ihn ein Züchter aus Bayern bei der Fleischrindbullen-Auktion der Rinder-Allianz Ende Februar ersteigert. Damit war der Jungspund aus der Teenager-Gruppe in dem Ortsteil von Strasburg das sechstteuerste aller 91 verkauften Rinder.

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Übertroffen wurde er nur von Simmentaler Drago aus Rohrbeck für 11.800 Euro, Kunststück und Magic Boy aus Drewitz für 10.800 und 9000 Euro (alle aus Brandenburg) sowie Limousin-Bulle Merlin aus Salzwedel mit 11.500 Euro und Gustav aus Rochau mit 8900 Euro (beide aus Sachsen-Anhalt).

Abschied und neue Perspektiven in Bayern

Jetzt ist es für Friedrich Keunecke in seinem Dorf in der Uckermark an der Zeit, Abschied von Cicero zu nehmen. Denn der tritt in diesen Tagen seine Reise durch ganz Deutschland an. „Das fällt mir nicht schwer“, sagt der 41-Jährige. Genau das sei eben Sinn und Zweck seiner züchterischen Bemühungen: Erbgut der Angus-Rinder zu erhalten und Bullen aufzuziehen, die ihre wertvollen Gene in andere Herden tragen.

„Hier bei mir kann ich ihn sowieso nicht behalten. Fast alle meine Kühe sind mit ihm verwandt. Ein besseres Leben als das eines Zuchtbullen in einer Kuhherde kann es nicht geben.“ Friedrich Keunecke, der sich ehrenamtlich in der Strasburger Kommunalpolitik engagiert, macht sich keine Sorgen um seinen Schützling. Über die Rinder-Allianz habe er sich vergewissert, dass Cicero in gute Hände kommt und es ihm auf seiner neuen Weide im Alpenland gut gehen wird.

Die Reise in den Süden und besondere Eigenschaften

Zuvor aber muss das Rind einen mehrtägigen Sammeltransport unter anderem über Bismark in Sachsen-Anhalt und Karow im Landkreis Ludwigslust-Parchim erdulden, bevor er in sein neues Zuhause ganz im Süden reist. Friedrich Keunecke ist sich sicher, dass Cicero die Reise mit mehreren ungewohnten Übernachtungsställen entspannt über sich ergehen lassen wird.

Der Vierbeiner zeichne sich nämlich nicht nur durch seinen muskulösen Körperbau aus, welcher ihm die Rekordsumme einbrachte, sondern viel mehr noch durch sein ausgesprochen ruhiges und freundliches Gemüt. „Cicero ist ein ganz freundlicher und lieber, den kann man in die Tasche stecken“, berichtet sein Züchter begeistert.

Züchterische Tradition und unerwarteter Erfolg

Den aus Gründen des Arbeitsschutzes vorgeschriebenen Nasenring trage der angehende Vererber mehr als Schmuck denn als Bändigungs-Instrument. Führen kann ihn Friedrich Keunecke an einem leichten Halfter, geknotet aus einem einfachen Strick. „Er hat uns nicht viel Arbeit gemacht, als wir ihn vorbereitet haben für die Auktion, ist sehr brav mit uns mitgelaufen.“

Das sei nicht selbstverständlich, zumal nicht zu vergessen sei, dass es sich um einen „halbstarken Jungen“ handele, der noch nicht einmal ausgewachsen sei. Altersgenossen seien durchaus ruppiger. „Aber er lässt sich streicheln, macht keinen Blödsinn, kommt gar nicht auf die Idee, mich durch die Gegend zu schieben.“

Rassetypisch ist Cicero relativ klein, reicht seinem Bauern knapp bis auf Brusthöhe. An Masse wird er aber noch deutlich zulegen. „Im ersten Jahr hat er 1525 Gramm pro Tag zugenommen.“ Das sei enorm, typisch für Angus-Bullen und einer der Gründe, weshalb er auf Angus-Rinder schwöre, so Keunecke.

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Väterliches Erbe und züchterische Leidenschaft

Der Hauptgrund für seine Leidenschaft sei aber sein vor zweieinhalb Jahren verstorbener Vater. Der habe 1995 den Grundstein mit acht gekauften Tieren gelegt. Ursprünglich hatten die genügsamen Rinder nur das Grünland des Ackerbau- und Forstbetriebs verwerten sollen. Doch aus dem bescheidenen Hobby sei bald eine erfolgreiche und anerkannte Zucht geworden, für die er selbst sich sehr schnell habe begeistern können.

Viel Herzblut stecke er in die Rinderzucht, gelte es doch, den Namen fortzuführen, den sich schon sein Vater „in Angus-Kreisen“ in Mecklenburg-Vorpommern gemacht habe. Sein Erfolg bei der Online-Versteigerung des in Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt federführenden Rinderzuchtverbands sei für ihn Bestätigung seiner Arbeit und mache ihn auch besonders stolz.

Überraschende Bieterschlacht und züchterische Bestätigung

„Damit hatte ich überhaupt nicht gerechnet.“ Erst aus den Medien habe er erfahren, dass sich Ciceros Verkaufspreis nicht nur nach viel anfühlte, sondern auch der höchste aller Bullen aus Mecklenburg-Vorpommern sei. „Das war mir vorher gar nicht klar.“ Sehr spannend sei die Bieterschlacht gewesen, bei der sich die Interessenten von einem 3500-Euro-Startgebot in 100er-Schritten überboten haben.

Mit dem beeindruckenden Ergebnis sei er mehr als zufrieden. „Offenbar habe ich doch ein bisschen was von meinem Vater gelernt“, schmunzelt Friedrich Keunecke zufrieden. Auf den Weiden und in Offenställen der Keuneckeschen Gutsverwaltung in Lauenhagen leben derzeit 14 Kühe, 10 Kälber, 5 Jungbullen und 4 Färsen.

Auch die Rinder-Allianz mit Hauptgeschäftsstelle in Woldegk im Landkreis Mecklenburgische Seenplatte hat aus dem Hause Keunecke schon mehrfach Besamungsbullen gekauft, was die Qualität der Zuchtarbeit zusätzlich unterstreicht.