Angus-Bulle Cicero aus Lauenhagen erzielt Rekordsumme bei Auktion
Der einjährige Angus-Bulle Cicero aus Lauenhagen bei Strasburg hat bei der größten Fleischrindbullen-Auktion im Nordosten Deutschlands eine bemerkenswerte Rekordsumme erzielt. Für stolze 8400 Euro ersteigerte ein Züchter aus Bayern das vielversprechende Tier, wodurch Cicero zum derzeit teuersten Bullen des gesamten Bundeslandes Mecklenburg-Vorpommern avancierte.
Bescheidenes Auftreten, außergewöhnlicher Wert
Äußerlich fällt Cicero zwischen seinen Artgenossen auf dem Hof von Friedrich Keunecke kaum auf. Der Jungbulle mampft Heu, steht etwas x-beinig da und brummelt gelegentlich vor sich hin. Doch dieser bescheidene Eindruck täuscht gewaltig, denn bei der Versteigerung der Rinder-Allianz Ende Februar belegte Cicero den sechsten Platz unter 91 verkauften Rindern.
Nur fünf Bullen aus Brandenburg und Sachsen-Anhalt erzielten höhere Preise:
- Simmentaler Drago aus Rohrbeck für 11.800 Euro
- Kunststück aus Drewitz für 10.800 Euro
- Magic Boy aus Drewitz für 9000 Euro
- Limousin-Bulle Merlin aus Salzwedel für 11.500 Euro
- Gustav aus Rochau für 8900 Euro
Züchter Friedrich Keunecke: Vom Vater übernommene Leidenschaft
Der 41-jährige Friedrich Keunecke aus Lauenhagen führt die erfolgreiche Zucht auf das Erbe seines vor zweieinhalb Jahren verstorbenen Vaters zurück. Dieser hatte 1995 mit acht gekauften Tieren den Grundstein gelegt, ursprünglich nur zur Grünlandverwertung des familieneigenen Ackerbau- und Forstbetriebs. Aus diesem bescheidenen Anfang entwickelte sich jedoch eine passionierte Zucht, die heute Friedrich Keuneckes ganzen Einsatz fordert.
„Viel Herzblut stecke ich in die Rinderzucht“, erklärt Keunecke, der sich neben seiner landwirtschaftlichen Tätigkeit ehrenamtlich in der Strasburger Kommunalpolitik engagiert. „Es gilt, den Namen fortzuführen, den sich schon mein Vater in Angus-Kreisen in Mecklenburg-Vorpommern gemacht hat.“
Ciceros außergewöhnliche Eigenschaften
Was Cicero besonders wertvoll macht, ist nicht nur sein muskulöser Körperbau mit einer täglichen Zunahme von 1525 Gramm im ersten Lebensjahr, sondern vor allem sein außergewöhnlich ruhiges Gemüt. „Cicero ist ein ganz freundlicher und lieber, den kann man in die Tasche stecken“, schwärmt sein Züchter.
Der vorgeschriebene Nasenring dient bei diesem angehenden Vererber mehr als Schmuck denn als Bändigungsinstrument. Friedrich Keunecke führt ihn problemlos an einem leichten, aus einfachem Strick geknoteten Halfter. „Er hat uns nicht viel Arbeit gemacht, ist sehr brav mit uns mitgelaufen und lässt sich sogar streicheln“, berichtet der Landwirt.
Abschied und neue Heimat in Bayern
In diesen Tagen tritt Cicero seine Reise nach Bayern an, wo er seine Gene in eine neue Herde einbringen wird. Ein mehrtägiger Sammeltransport führt ihn über Bismark in Sachsen-Anhalt und Karow im Landkreis Ludwigslust-Parchim, bevor er sein neues Zuhause im Alpenland erreicht.
„Das fällt mir nicht schwer“, sagt Friedrich Keunecke über den Abschied. „Genau das ist Sinn und Zweck meiner züchterischen Bemühungen: Bullen aufzuziehen, die ihre Gene in andere Herden tragen. Hier bei mir kann ich ihn sowieso nicht behalten, da fast alle meine Kühe mit ihm verwandt sind.“
Über die Rinder-Allianz mit Hauptgeschäftsstelle in Woldegk hat sich Keunecke vergewissert, dass Cicero in gute Hände kommt. „Ein besseres Leben als das eines Zuchtbullen in einer Kuhherde kann es nicht geben“, ist der Landwirt überzeugt.
Überraschender Erfolg und zukünftige Pläne
Die Höhe des Verkaufspreises überraschte selbst den erfahrenen Züchter. „Damit hatte ich überhaupt nicht gerechnet“, gesteht Friedrich Keunecke. Erst aus Medienberichten erfuhr er, dass Cicero nicht nur einen beachtlichen Preis erzielt hatte, sondern tatsächlich der teuerste Bulle aus Mecklenburg-Vorpommern war.
Die spannende Bieterschlacht begann bei einem Startgebot von 3500 Euro und steigerte sich in 100-Euro-Schritten bis zum Rekordergebnis. „Offenbar habe ich doch ein bisschen was von meinem Vater gelernt“, schmunzelt Keunecke zufrieden.
Auf den Weiden und in Offenställen der Keuneckeschen Gutsverwaltung in Lauenhagen leben derzeit weiterhin 14 Kühe, 10 Kälber, 5 Jungbullen und 4 Färsen. Die erfolgreiche Zuchtarbeit wird fortgesetzt, wobei bereits mehrfach Besamungsbullen aus dem Hause Keunecke an die Rinder-Allianz verkauft wurden.



