Slowflower-Bewegung erblüht in Mecklenburg-Vorpommern
Im beschaulichen Matzlow-Garwitz bei Parchim hat Annika Müller-Navarra ihr blühendes Paradies geschaffen. Auf ihrem Feld gedeihen weit über hundert verschiedene Arten von Schnittblumen – eine farbenfrohe Oase, die nicht nur das Auge erfreut, sondern auch einen nachhaltigen Gegenentwurf zur konventionellen Blumenindustrie darstellt.
Vom Holz zur Blütenpracht: Eine persönliche Transformation
Die gebürtige Hamburgerin startete ursprünglich mit einem Studium der Holzwirtschaft, doch ihre Leidenschaft für Blumen ließ sie nicht los. „Ich verwandelte mich immer mehr in eine Blumenfrau“, erzählt Müller-Navarra. Vor einem Jahr zog sie mit ihrer Familie nach Mecklenburg-Vorpommern, um dort ihren Traum vom nachhaltigen Blumenanbau zu verwirklichen. Ihr Start-up taufte sie auf den poetischen Namen „Garten Sieben“ – eine Reminiszenz an ihre Anfänge in Osnabrück, wo sie auf einem verwilderten Hinterhof mit der Hausnummer Sieben erste Blumenbeete anlegte.
Slowflower-Prinzip: Regional, saisonal und giftfrei
Als Teil der wachsenden Slowflower-Bewegung setzt Müller-Navarra bewusst auf Blumen, die nicht importiert werden müssen. „Bei mir können Floristen sehen, wie heimische Pflanzen ohne Gifte angebaut werden“, betont sie. Besonders stolz ist sie auf ihre zehn verschiedenen Cosmea-Sorten, die im normalen Blumengeschäft kaum zu finden sind. Diese zarten Schönheiten bilden bis in den Herbst hinein immer neue Blüten und eignen sich perfekt für langlebige Sträuße – vorausgesetzt, man erntet sie zum richtigen Zeitpunkt, bevor die Bestäubung einsetzt.
Blumenvielfalt für besondere Anlässe
Die Blumen aus Annikas Garten verwandeln sich in wahre Hingucker, die besonders auf Hochzeitsfeiern begehrt sind. Regelmäßig lädt sie Floristen zu sich aufs Feld ein, um ihnen die Vielfalt regionaler Schnittblumen zu zeigen. Auf Wunsch füllt sie sogar 5-Liter-Eimer mit frischen Blumen und bringt diese persönlich in die Geschäfte. So können die Floristen mit ihrem eigenen Stil individuelle Sträuße kreieren und vielleicht sogar diese nachhaltigen Alternativen in ihr Sortiment aufnehmen.
Offenes Blumenfeld und Workshops
Nicht nur Profis sind bei Annika Müller-Navarra willkommen. Auf ihrer Internetseite veröffentlicht sie Termine für das „Offene Blumenfeld“, wo Blumenfreunde nach vorheriger Anmeldung ihren eigenen Strauß pflücken können. Dabei nimmt sich die Slowflowerin Zeit, ausführlich über ihre blühenden Schönheiten zu erzählen. In Workshops wie „Slowflowers anbauen“ oder „Blumensträuße binden mit Slowflowers“ teilt sie ihr umfangreiches Wissen mit interessierten Hobbygärtnern.
Ratgeber „Blütenreich“: Praktisches Wissen für Anfänger
Gerade ist ihr erstes Buch „Blütenreich – Schnittblumen mit Herz und Hand vermehren“ im Haupt Verlag erschienen. Auf 224 Seiten mit 180 Farbfotos stellt sie 17 Schnittblumenarten vor, die auch Gartenneulinge problemlos anbauen können. „Ich beschreibe sie detailreich mit eigenen Makroaufnahmen vom Samen bis zur Blüte“, erklärt die Autorin. Der praktische Ratgeber bietet zahlreiche Tipps zur Samengewinnung und Vermehrung, damit der Einstieg in den eigenen Blumenanbau garantiert gelingt.
Die Slowflower-Gemeinschaft wächst
Annika Müller-Navarra ist nicht allein mit ihrer Mission. In Mecklenburg-Vorpommern gibt es mehrere Gleichgesinnte:
- Leonie Korbach mit „Wilde Flora“ bei Greifswald
- Christin und Torsten von „Karmabouquet“ in Gülzow-Prüzen bei Güstrow
- Krystin Liebert mit „Die wilden Schule“ in Bernitt bei Bützow
- Das „blüh Studio“ auf der Insel Hiddensee
Gemeinsam zeigen sie, dass in Deutschland saisonale Blumen für die Vase in gesundem Boden wachsen können – ohne lange Transportwege und klimatisierte Gewächshäuser.
Frühlingserwachen im Blumenparadies
Nach dem Winter bereitet sich Annika Müller-Navarra jetzt auf die neue Saison vor. „In den nächsten Tagen säe ich die ersten Samen direkt ins Beet“, verrät sie. Jungfer im Grünen, Skabiosen und Rittersporn gehören zu den ersten Kandidaten. Duftwicken zieht sie vorsorglich in mit Erde gefüllten Milchtüten vor, während die meisten anderen Blumensamen direkt ins Beet kommen. Nur bei den kälteempfindlichen Cosmea wartet sie noch bis Mitte April.
Vom Frühling bis zum Herbst kann die Slowflowerin nun wieder regelmäßig ernten und ihre Leidenschaft mit anderen teilen. Ihr Buch, die Workshops und das offene Blumenfeld machen das Wissen über nachhaltigen Blumenanbau für alle zugänglich – ein wichtiger Beitrag zu mehr Regionalität und Umweltbewusstsein in der Floristik.



