Wachtelzucht als Familienbetrieb: Hunderte Überraschungseier in Eggesin
Im Stall von Familie Klein in Eggesin herrscht im Frühling besondere Aufregung. Aus winzigen Eiern schlüpfen Wachtelküken, deren Geschlecht und Aussehen erst nach Wochen erkennbar sind. Martin Klein züchtet seit mehr als einem Jahrzehnt Wachteln und hat gemeinsam mit seiner Familie einen ausgeklügelten Betrieb im Nebenerwerb aufgebaut.
Die Wachtel-Kinderstube: Vom Ei zum Küken
In die speziell für die Aufzucht eingerichtete Stallanlage ist wieder Leben eingezogen. Mehr als 250 Wachtelküken aus zwei Bruten wachsen heran und verändern fast täglich ihr Federkleid. „Kaum zu glauben, dass sie vor drei Wochen noch in ein winziges Ei gepasst haben“, sagt Martin Klein, während er ein circa 20 Tage altes Küken in der Hand hält.
Frisch geschlüpft erinnern die Wachtelküken an etwas zu groß geratene Hummeln. Die gesamte vierköpfige Familie ist in die Aufzucht involviert, die nach einem präzisen Plan abläuft, da der Platz in Wohnung, Stall und Voliere begrenzt ist.
Ein ausgeklügelter Umzugsplan für die Tiere
Nach dem 17-tägigen Brutprozess bleiben die Küken zunächst einige Tage im Haus, bevor sie in den oberen, gut geschützten Stallbereich umziehen. Nach drei bis vier Wochen wird es dort zu eng, und ein weiterer Umzug steht an. Die fast sechs Wochen alten Jungtiere der ersten Brut bereiten sich bereits auf ihren Umzug in die Außenvoliere vor oder werden bald von neuen Besitzern übernommen.
Martin Klein erklärt: „Bei den japanischen Legewachteln arbeite ich hauptsächlich mit den Farbschlägen Wildfarben und Goldsprenkel. Bei diesen ist das Geschlecht oft schon nach drei Wochen erkennbar.“ Während die Brust der Hähne dann bereits rot-gold schimmert, ist die der Hennen gepunktet.
Bunte Überraschungen und besondere Vorlieben
Der Züchter hat festgestellt, dass viele Kunden sich besonders für Tiere mit ungewöhnlichem Federkleid interessieren. Deshalb hat er spezielle bunte Zuchtgruppen zusammengestellt. „Diese Tiere gehen immer zuerst weg, weil sie eben anders aussehen“, berichtet Klein. Allerdings ist ihr Geschlecht erst mit der Geschlechtsreife nach etwa acht Wochen sicher bestimmbar, da es am Federkleid oft nicht erkennbar ist.
Wachsende Beliebtheit der Wachtelhaltung
In den vergangenen Jahren ist die Haltung von Wachteln im Nordosten Deutschlands immer beliebter geworden. Im Vergleich zu Hühnern benötigen Wachteln weniger Platz, was sie besonders für kleinere Grundstücke attraktiv macht. Zur täglichen Versorgung der Tiere plant Martin Klein mindestens eine Stunde ein, für gründliche Reinigungsarbeiten sogar einen ganzen Tag.
Um Eier zu legen, benötigen die kleinen Hühnervögel täglich etwa zwölf Stunden Licht. Bei Familie Klein legen die Tiere das ganze Jahr über, da die Hennen mit Energiesparlampen beleuchtet werden. Im Winter, wenn keine Bruteier benötigt werden, verwandelt sich die heimische Küche in eine Eierlikörmanufaktur.
Vom Hobby zum Familienbetrieb
Was vor mehr als zehn Jahren mit nur zehn Wachteln als Hobby begann, hat sich zu einem vollwertigen Familienbetrieb im Nebenerwerb entwickelt. Die Entwicklung des Eierlikörrezeptes und das Genehmigungsverfahren waren zwar herausfordernd, haben sich aber gelohnt. Sogar eigenes Wachteleiersalz vertreibt die Familie mittlerweile.
Die Wachtelzucht hat sich für Familie Klein nicht nur zu einer lukrativen Nebentätigkeit entwickelt, sondern auch zu einer Leidenschaft, die die gesamte Familie verbindet. Mit ihrem ausgeklügelten System und ihrer Liebe zu den Tieren haben sie einen einzigartigen Betrieb geschaffen, der weit über die reine Zucht hinausgeht.



