Historischer Fund in der Nordsee: US-Bomber bei Kabelarbeiten entdeckt
Bei Vorarbeiten für eine wichtige Offshore-Konverterplattform in der Nordsee ist ein spektakulärer historischer Fund gemacht worden. Arbeiter stießen in 35 Metern Tiefe auf das Wrack eines amerikanischen B-17-Bombers aus dem Zweiten Weltkrieg, der unter einer dicken Sedimentschicht begraben lag.
Zufallsfund bei Kampfmitteluntersuchungen
Die Entdeckung erfolgte bereits im vergangenen Sommer während routinemäßiger Kampfmitteluntersuchungen für das Projekt DolWin delta, wie der Rüstungskonzern Rheinmetall und der Netzbetreiber Amprion mitteilten. Das Wrack befand sich etwa 260 Meter von der geplanten Plattformposition entfernt auf dem Meeresgrund. Nur kleinere Teile wurden zur Begutachtung geborgen, das Hauptwrack verblieb an seinem Fundort.
Amprion beauftragte Rheinmetall Project Solutions, eine Tochter des Düsseldorfer Technologiekonzerns, mit der detaillierten Untersuchung des Fundes. Die Konverterplattform DolWin delta, die etwa 43 Kilometer nördlich von Norderney entsteht, ist Teil des Offshore-Stromkabelsystems DolWin4 und soll ab 2028 Windstrom ans Festland transportieren.
Mehrwöchige Untersuchung unter US-Aufsicht
Die Untersuchung des Wracks erstreckte sich über mehrere Wochen und verlief nach einem systematischen Protokoll. Zunächst wurde mit einem Elektromagnetometer die genaue Lage und Ausdehnung des Objekts kartiert. Anschließend wurde das Wrack Schritt für Schritt freigespült, da es unter einer 1,5 Meter dicken Schicht aus Sand, Sediment und Schlick begraben lag.
Da es sich um ein Flugzeug der US-Streitkräfte handelt, wurde die Untersuchung von einer spezialisierten Behörde des US-Verteidigungsministeriums begleitet. Die B-17-Bomber, im Volksmund auch „Fliegende Festungen“ genannt, gehörten zu den bekanntesten Kriegsflugzeugen der US-Luftwaffe im Zweiten Weltkrieg und wurden unter anderem für Angriffe auf Deutschland eingesetzt.
Wichtige Erkenntnisse und offene Fragen
Die Experten konzentrierten sich bei ihrer Untersuchung auf drei Hauptfragen:
- Befanden sich noch Kampfmittel an Bord?
- Kann die Maschine über Seriennummern eindeutig identifiziert werden?
- Gibt es Hinweise auf menschliche Überreste der Besatzung?
Die Bombenkammer konnte lokalisiert und über geöffnete Luken inspiziert werden. Es wurden keine Bomben mehr an Bord gefunden, teilte Rheinmetall mit. Auch menschliche Überreste seien nicht entdeckt worden. Die zuständigen US-Behörden behalten sich jedoch weitere Untersuchungen vor, während Amprion die gesammelten Daten zur Identifizierung der Maschine auswertet.
Auswirkungen auf das Offshore-Projekt
Der Fund hat keine Verzögerungen für das Offshore-Kabelsystem verursacht. Die Fundstelle wurde nach Abschluss der Untersuchungen für weitere Projektarbeiten freigegeben. Das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie hat das Wrack inzwischen in die offiziellen Seekarten aufgenommen, wo es bei der weiteren Planung berücksichtigt wird.
Die Entscheidung, ob das historische Wrack in den kommenden Jahren geborgen werden soll, liegt ausschließlich bei den US-amerikanischen Behörden. Das Projekt DolWin4, dessen Bau Mitte 2022 begann, soll gemeinsam mit BorWin4 ab 2028 sauberen Windstrom von der Nordsee zu den Verbrauchern an Land transportieren.



