Menstruationstasse vs. Tampon: Welche Alternative ist wirklich nachhaltiger?
Die Entscheidung zwischen Tampon und Menstruationstasse beschäftigt viele menstruierende Personen. Während der Tampon das Periodenblut im Körper aufsaugt und anschließend im Müll landet, fängt die Tasse das Blut auf und kann nach gründlicher Reinigung wiederverwendet werden. Doch welche Variante schneidet in der Ökobilanz tatsächlich besser ab? Zwei Expertinnen geben klare Antworten.
Die ökologische Bilanz: Tasse deutlich vorne
Janine Korduan vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) positioniert sich eindeutig: „Mehrweg sollte das neue Normal werden, daher empfehlen wir Tassen statt Tampons“, erklärt die Kreislaufwirtschaft-Expertin. Zwei Hauptprobleme belasten die Umweltbilanz von Tampons erheblich:
Problem 1: Der ressourcenintensive Baumwollanbau
Tampons bestehen überwiegend aus Baumwolle, deren Anbau enorme Wassermengen verschlingt und den Einsatz von Pestiziden sowie Düngemitteln erfordert. Hinzu kommen lange Transportwege aus Anbauländern wie China, Indien oder Brasilien. Die Weiterverarbeitung der Baumwollfasern zu Tampons benötigt zusätzlich Energie und chemische Substanzen für Reinigung, Bleichung und Pressung.
Problem 2: Der Wegwerf-Charakter
Jeder benutzte Tampon landet unweigerlich im Müll, Recycling ist nicht möglich. „Da Tampons Einwegprodukte sind, fällt ihre Umweltbelastung bei jeder Nutzung erneut an“, betont Korduan. Hochrechnungen zeigen, dass eine Frau im Laufe ihres Lebens zwischen 10.000 und 17.000 Tampons verwendet – eine gewaltige Müllmenge.
Die Herstellung der Tasse: Energieintensiv, aber langlebig
Zwar ist auch die Produktion von Menstruationstassen aus medizinischem Silikon energieaufwendig, da Quarzsand unter hohen Temperaturen verarbeitet werden muss. Der entscheidende Vorteil: Eine qualitativ hochwertige Tasse kann fünf bis zehn Jahre lang genutzt werden. Dadurch verteilt sich der ökologische „Herstellungsrucksack“ auf zahlreiche Menstruationszyklen.
Das regelmäßige Auskochen zwischen den Blutungen verbraucht zwar Wasser und Energie, fällt im Vergleich zur ständigen Neuproduktion von Einwegartikeln jedoch kaum ins Gewicht. „Insgesamt schneiden Menstruationstassen in Ökobilanzen meist deutlich besser ab als Einwegprodukte“, resümiert Korduan. Je länger die Nutzungsdauer, desto positiver die Bilanz.
Die richtige Wahl: Tasse, Disc oder doch Tampon?
Die Auswahl des passenden Modells erfordert oft etwas Experimentierfreude. Stephanie Eder vom Berufsverband der Frauenärztinnen und Frauenärzte (BVF) empfiehlt, die Stärke der Blutung zu berücksichtigen: „Bei stärkerer Blutung kann ein Modell mit mehr Fassungsvermögen praktisch sein“, so die Gynäkologin.
Eine interessante Alternative stellt die Menstruationsdisc dar – eine flachere Variante der klassischen Tasse. Während die Tasse im Vaginalkanal sitzt und meist durch Unterdruck abdichtet, liegt die Disc hinter dem Schambein und kommt oft mit weniger Unterdruck aus, was manche als angenehmer empfinden.
Vor dem Kauf rät Janine Korduan, den Strichcode mit der BUND-App „ToxFox“ zu scannen, um mögliche Schadstoffe zu identifizieren. „Schließlich tragen wir diese Produkte teils stundenlang in empfindlichen Bereichen“, begründet sie diese Vorsichtsmaßnahme.
Praktische Handhabung und Reinigung
Die korrekte Anwendung einer Menstruationstasse erfordert anfangs etwas Übung:
- Mit frisch gewaschenen Händen die Tasse falten
- In die Vagina in Richtung Steißbein einführen (weniger weit als einen Tampon)
- Nach dem Entfalten entsteht ein leichter Unterdruck, der die Tasse fixiert
- Beim Herausnehmen zunächst den Unterdruck sanft lösen, nicht einfach ziehen
Besondere Vorsicht ist für Trägerinnen einer Spirale geboten: Die Fäden am unteren Ende der Spirale könnten beim Herausnehmen der Tasse versehentlich erfasst werden, was zu Verrutschen führen kann.
Die Reinigung erfolgt in mehreren Schritten:
- Menstruationsblut in die Toilette entsorgen
- Tasse gründlich mit Wasser abspülen
- Unterwegs helfen Wasserflasche, Feuchttücher oder Handdesinfektion
- Nach Ende der Periode: Auskochen in sprudelndem Wasser (5-20 Minuten)
- Vor der nächsten Periode erneut auskochen
Die Lebensdauer einer Menstruationstasse endet, wenn das Material brüchig wird oder Risse zeigt. Gebrauchte Tassen gehören dann in den Restmüll.
Die Entscheidung für eine Menstruationstasse stellt somit nicht nur eine praktische, sondern vor allem eine umweltbewusste Alternative zu konventionellen Tampons dar – mit positiver Langzeitbilanz für unseren Planeten.



