Nachhaltige Trauringe: Faires Gold oder recyceltes Altgold für die Ewigkeit?
Es ist nicht alles Gold, was glänzt – und selbst wenn, lohnt sich bei Trauringen ein genauer Blick auf Herkunft und Verarbeitung. Wie können Paare sicherstellen, dass für ihre Ringe weder Menschen noch die Umwelt ausgebeutet wurden? Diese Frage gewinnt angesichts der Schattenseiten des Goldabbaus zunehmend an Bedeutung.
Die dunklen Seiten des Goldabbaus
Weltweit wurden im vergangenen Jahr rund 3.672 Tonnen Gold aus Minen gefördert, wobei etwa ein Viertel aus dem kleingewerblichen Bergbau stammt. Christine Scholl, Rohstoff-Expertin beim WWF, warnt: „Ein Großteil des Goldabbaus im Kleinbergbau findet informell oder illegal statt. Häufig werden dort Menschen ausgebeutet, also Arbeitsrechte, Gesundheits- und Sozialstandards missachtet.“ Kinderarbeit bleibt dabei ein globales Problem, wie ein Bericht des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung zeigt.
Hinzu kommen massive Umweltschäden: Für Minen und Transportwege werden Wälder abgeholzt und Ökosysteme zerstört. Scholl verweist exemplarisch auf den Amazonas, wo hochgiftige Stoffe wie Zyankali und Quecksilber eingesetzt werden, um Gold aus dem Gestein zu lösen. Diese Gifte verschmutzen Wasser und Boden, gelangen über die Nahrungskette in den Körper von Menschen und Tieren und verursachen ernsthafte gesundheitliche Schäden.
Faires und grünes Gold erkennen
Wer Schmuck auf Basis von neu abgebautem Gold erwerben möchte, kann auf Siegel wie „Fairmined“ oder „Fairtrade“ achten. Hinter „Fairmined“ steht die internationale Nichtregierungsorganisation Alliance for Responsible Mining (ARM). Beide Siegel zertifizieren speziell Gold aus dem Kleinbergbau. Scholl erklärt: „Die Zertifizierungsstandards sollen die Rückverfolgbarkeit der Rohstoffe sichern sowie Sozial-, Arbeits- und Umweltstandards bei Gewinnung und Handel durchsetzen.“
Michael Seubert, Präsident des Zentralverbandes der Deutschen Goldschmiede und Silberschmiede, ergänzt: „Goldschmiede müssen dafür eine Lizenzgebühr bezahlen.“ Meist kostet faires Gold etwas mehr, weil Abbau und Kontrollen aufwendig sind. „Gold mit Fairtrade-Siegel kostet circa zehn Prozent mehr als herkömmliches Gold“, so Seubert. Für Gold aus dem Industriebergbau gibt es zudem den übergeordneten Industriestandard IRMA.
Die Grenzen von Zertifizierungen
Allerdings wird nur ein kleiner Anteil an Gold mit diesen Siegeln zertifiziert. Scholl betont: „Zertifizierungen haben somit nur punktuell positive Auswirkungen, da nie alle Marktteilnehmer bei solchen freiwilligen Initiativen zu mehr Verantwortung mitmachen.“ Zudem rät sie, sich bei Primärgold vor Augen zu führen, „dass es generell keinen nachhaltigen Abbau von endlichen Ressourcen gibt.“ Der Abbau könne höchstens verantwortungsvoller gestaltet sein. Ein praktischer Tipp: Auf der Fairtrade-Internetseite gibt es eine Karte mit Suchfunktion, um Goldschmiede mit entsprechenden Zertifikaten zu finden.
Recyceltes Gold als Alternative
Muss es überhaupt Primärgold sein? Nicht unbedingt. Seubert erklärt: „Über 99 Prozent des hierzulande verarbeiteten Goldes ist Bestandsgold. Es kommt also nur wenig neu abgebautes Gold nach Deutschland.“ Goldschmiede beziehen aufbereitetes Altgold meist von einer der rund 20 Scheideanstalten in Deutschland, wo höchste Umweltauflagen, faire Löhne und der Ausschluss von Kinderarbeit garantiert sind. Neben altem Schmuck sind ausrangierte Elektrogeräte eine wichtige Goldquelle.
Privatpersonen haben jedoch in der Regel keinen direkten Zugriff auf recyceltes Gold aus Scheideanstalten – falls doch, müssen sie fast das Doppelte wie Goldschmiede zahlen. „Allein der Prozess der Aufbereitung ist teuer und lohnt sich erst bei größeren Mengen“, so Seubert.
Praktische Lösungen für Paare
Was können Privatpersonen also tun? Eine Möglichkeit ist, eigenes Altgold einzuschmelzen. Seubert erläutert: „Das Gold wird dann eingeschmolzen. In der Regel wird nicht exakt dieses Gold für den neuen Ring verwendet, sondern nur der Wert des mitgebrachten Goldes angerechnet.“ Angesichts des aktuellen Goldpreises von rund 145 Euro pro Gramm Feingold (Stand: 17. März 2026) kann sich das lohnen. Wichtig zu wissen: „Im Arbeitsprozess und beim Einschmelzen gibt es etwas Verluste. Für einen zehn Gramm Goldring braucht es also etwas mehr als zehn Gramm Altgold“, erklärt der Goldschmiedemeister.
Scholl weist darauf hin: „Gold kann unbegrenzt oft recycelt werden. Dabei verliert das Edelmetall weder an Qualität noch an Wert.“ Wer auf Recycling setzt, spart Materialkosten und schont Ressourcen. Ein weiterer Vorteil: „Für recyceltes Gold wird kein neuer Bergbau betrieben“, sagt die WWF-Expertin. Sie rät, beim Juwelier bewusst nach Gold zu fragen, das auf Altgold basiert und in Deutschland recycelt wurde. Zertifikate vom Responsible Jewellery Council (RJC) können dies belegen.
Emotionale Werte bewahren
Eine weitere Möglichkeit ist, alte Schmuckstücke umarbeiten zu lassen. Seubert sagt: „Privatpersonen können ein altes Schmuckstück von einem Goldschmied auch umarbeiten lassen, etwa die Trauringe der Großeltern.“ In der Regel zahlt man dann nur die Arbeitskosten. „Finanziell ist es immer geschickter, ein Schmuckstück zu behalten und irgendwann umarbeiten zu lassen, als es zu verkaufen“, so Seubert, da beim Verkauf oft Wertverluste entstehen.
Doch beim Umarbeiten geht es oft um mehr als nur finanzielle Aspekte – „um einen emotionalen Wert“, betont Seubert. Das schöne Gefühl, den Ring einer geliebten Oma zu tragen, verleiht dem Schmuckstück eine besondere Bedeutung, die über den materiellen Wert hinausgeht.



