Reparatur-Café Neustrelitz: Ehrenamtliche geben alten Geräten eine zweite Chance
Reparatur-Café Neustrelitz: Zweite Chance für alte Geräte

Reparatur-Café Neustrelitz: Ehrenamtliche geben alten Geräten eine zweite Chance

Ein Freitagnachmittag im Borwinheim in der Bruchstraße in Neustrelitz. Dutzende Menschen strömen mit ihren defekten Haushaltsgeräten und Kleidungsstücken herein. Es ist wieder Zeit für das beliebte Reparatur-Café, das neun Mal jährlich stattfindet und sich dem Nachhaltigkeitsgedanken verschrieben hat. Beim jüngsten Termin allein nutzten mehr als zwanzig Besitzer das kostenlose Angebot der engagierten Ehrenamtlichen.

Von Anfangsboom zur regelmäßigen Veranstaltung

Zu den Anfangszeiten im Herbst 2023 kamen teilweise bis zu 65 Interessierte, wie einer der Organisatoren berichtet. Mittlerweile hat sich die Teilnehmerzahl auf etwa 25 Personen pro Termin eingependelt. Das Angebot ist auf drei Stunden von 15 bis 18 Uhr ausgelegt, wobei die Reparateure nur gelegentlich Zeit für eine kleine Pause mit Kaffee und Kuchen finden. Davon gibt es reichlich, da die Reparaturwerkstatt direkt neben der Küche des Borwinheims eingerichtet ist, das den Ehrenamtlichen die Räumlichkeiten zur Verfügung stellt.

Vor allem Staubsauger, Plattenspieler, Nähmaschinen und Kaffee-Vollautomaten stehen auf der Reparaturliste, die auf einer Tafel geführt wird. Die meisten Einträge sind bereits durchgestrichen, was den Erfolg der Aktion unterstreicht. „Am Anfang hat uns der Nachhaltigkeitsgedanke angetrieben“, erklärt Janina, die in der Küche aushilft. Kerstin, die draußen im Gang die Reparaturwünsche entgegennimmt, fügt hinzu: „Es ist eine ziemlich große Bewegung. Über 100 solcher Cafés gibt es in Deutschland, weltweit sicher noch mehr.“

Breites Pickt-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App für Telegram

20 Ehrenamtliche mit unterschiedlichen Motivationen

Das gesamte Projekt funktioniert ehrenamtlich, daher sind Spenden ausdrücklich erwünscht. Unter den etwa 20 Reparateuren finden sich viele ältere Menschen im Ruhestand, die ihr wertvolles Wissen weitergeben möchten. Gerade bei älteren Geräten ist diese Erfahrung von unschätzbarem Wert. Die jüngeren Helfer werden dagegen primär vom Nachhaltigkeitsgedanken angetrieben, wie Janina betont.

Die Besucher freuen sich nicht nur über die fachkundige Hilfe, sondern auch über die gemütliche Atmosphäre mit Kaffee und Kuchen. „Gerade wenn es nicht zu voll ist, wird es richtig gemütlich im Café-Bereich“, so Janina. Viele Kunden sind erleichtert, wenn jemand ihren geliebten Plattenspieler oder Staubsauger begutachtet, den sie schon seit Jahren besitzen – selbst wenn das Ergebnis manchmal lautet, dass das Gerät doch entsorgt werden muss.

Vielfältige Reparaturaufgaben und besondere Herausforderungen

Die Gerätepalette ist äußerst vielfältig. Ein junger Mann kümmert sich zunächst um den Plattenspieler eines älteren Herrn, muss dann aber zu einem Rasenmäher wechseln. Zwei ältere Reparateure versuchen sich an einem CD-Player. Einer von ihnen ist Elektromeister Gabriel Nestler, der sich mit dem Kunden über vergangene Zeiten und Arbeitgeber unterhält. Obwohl die Reparatur letztlich nicht gelingt, erfährt der Besitzer trotzdem, was er mit dem Gerät noch tun kann.

Manche Reparaturen stellen besondere Herausforderungen dar. Bei einem Plattenspieler aus den späten 80er Jahren, der von einer längst pleitegegangenen DDR-Firma stammt, gibt es kaum noch Baupläne. „Dann kann die Reparatur auch mal die vollen drei Stunden dauern“, erklärt Kerstin. Die neun jährlichen Termine finden meist am dritten Freitag im Monat statt, was aber nicht immer klappt – dann werden Handzettel verteilt.

Kuriose Fälle und handwerkliche Kreativität

Ein Mann bringt seinen Wasserkocher, der scheinbar nicht funktioniert. Gabriel Nestler testet mit speziellem Equipment die Kabel und findet schließlich das Problem: eine winzige Platte von der Größe einer Ein-Cent-Münze, die für die Abschaltung bei Überkochen verantwortlich ist. „Da darf man nicht einfach irgendein Ersatzteil nehmen“, erklärt der Fachmann.

Ein älteres Ehepaar erscheint mit einem roten Staubsauger, der nach der Reparatur immer noch recht laut ist – aber wenigstens funktioniert. Beim Verlassen springt das Gerät plötzlich von alleine an. „Nun bleib doch stille. Du musst doch nicht so angeben“, scherzt der Besitzer.

Pickt After-Article-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App mit Familien-Illustration

Zum Ende der Veranstaltung wird es allmählich ruhiger, unterbrochen nur von gelegentlichen Staubsaugertests. Derweil versucht sich Arne an einer Lampe mit Holzverkleidung. Hier geht es nicht darum, wer der Beste ist – jeder hat seine speziellen Stärken, und bei Bedarf arbeiten mehrere Helfer gemeinsam an einem Gerät. Diese kollegiale Zusammenarbeit macht den besonderen Charme des Reparatur-Cafés aus.