Sensationelle Entdeckung: 800-Meter-Tropfsteinhöhle unter Tennisplatz in Ennepetal gefunden
800-Meter-Höhle unter Tennisplatz in Ennepetal entdeckt

Sensationelle Entdeckung unter Tennisplatz: 800-Meter-Höhle in Ennepetal freigelegt

Spiel, Satz und eine atemberaubende Entdeckung: Unter einem ehemaligen Tennisplatz in Ennepetal im Ennepe-Ruhr-Kreis haben Höhlenforscher eine spektakuläre Tropfsteinhöhle gefunden. Jahrzehntelang ahnten die Mitglieder der Milsper Turnvereinigung nichts von dem Naturwunder, das sich nur zehn Meter unter ihren Tennisschlägen verbarg. Nach der Schließung der Sportanlage gelang dem gemeinnützigen Verein Arbeitskreis Kluterthöhle in Zusammenarbeit mit der Bundeswehr und dem Landesbetrieb Geologischer Dienst NRW nun der sensationelle Fund.

Die Paradieshöhle: Ein Blick in die Erdgeschichte

Wir haben sie Paradieshöhle genannt. Sie ist wunderschön, hat in tausenden von Jahren gewachsene Tropfsteinformationen, einen kleinen See und Fossilien. Die Entdeckung ist wirklich sensationell, erklärt Stefan Voigt, Vorsitzender des Höhlenforschervereins. Bisher haben die engagierten Hobbyforscher etwa 800 Meter Höhlentunnel unter dem ehemaligen Tennisplatz erschlossen. Der beeindruckende Paradiesstunnel mit seinen spektakulären Tropfsteinen misst fünf bis sieben Meter in der Breite, zwei bis fünf Meter in der Höhe und erstreckt sich über 100 Meter Länge.

Geologische Bedeutung und wissenschaftliche Untersuchungen

Geologe Stefan Henscheid vom Geologischen Dienst NRW zeigt sich begeistert von der Entdeckung: Die Größe und die Schönheit dieser Höhle sind besonders. Sie ist komplett unberührt und bietet einen einzigartigen Einblick in die Erdgeschichte. Die Höhle gibt Aufschluss über den etwa 385 Millionen Jahre alten Korallenrasen, der für die Gesteinsentstehung verantwortlich ist. Zu dieser Zeit war Nordrhein-Westfalen ein tropisches Flachmeer.

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Die neuentdeckte Paradieshöhle befindet sich im Klutertberg in Ennepetal, einem nationalen Naturmonument mit einem weit verzweigten Höhlensystem. Wir dachten, das Klutert-Höhlensystem sei komplett erforscht. Doch gemeinsam mit der Bundeswehr und den Höhlenforschern des Vereins konnte diese phänomenale Entdeckung gemacht werden, so Henscheid weiter. Die Höhle soll nun systematisch von den Universitäten Aachen und Bochum untersucht werden.

Die Suche: Von Nebelschwaden zum Durchbruch

Treibende Kraft bei der Entdeckung war Höhlenforscher Stefan Voigt. Vor einigen Jahren beobachtete er im Winter im Umfeld des Tennisplatzes aufsteigende Nebelschwaden – ein deutlicher Hinweis auf einen Luftzug aus der Erde. In Höhlen unserer Region herrscht die immer gleiche Temperatur von etwa 9 Grad. Wenn es im Winter sehr kalt ist, kann die Höhlenluft als Nebel aus einer Öffnung austreten, erläutert Voigt.

Im Rahmen einer Forschungskooperation untersuchten Spezialisten des Zentrums für Geoinformationswesen der Bundeswehr im letzten Frühjahr den Klutertberg mit einem innovativen System aus Erdnägeln und Elektroden. Die Bundeswehr stellte mit den Messungen im Bereich des Tennisplatzes einen größeren Hohlraum fest. Doch die erste Grabung führte nicht zu der erhofften Höhle, berichtet Voigt. Erst im Herbst gruben die Forscher einen zweiten Schacht, der letzten Monat zum Durchbruch führte: In sechs Metern Tiefe öffnete sich plötzlich eine Kammer. Nebelschwaden kamen uns entgegen und wir guckten ins Schwarze. Aber es war nicht die Hölle, sondern ein Paradies aus wunderschönen Tropfsteinformationen.

Sicherung und weitere Forschung

Der Einstieg zur Paradieshöhle auf dem ehemaligen Tennisplatz wurde mit einem stabilen Gitter gesichert, um unbefugte Eindringlinge fernzuhalten. Die Entdeckung markiert einen bedeutenden Meilenstein in der regionalen Höhlenforschung und verspricht weitere wissenschaftliche Erkenntnisse über die geologische Vergangenheit Nordrhein-Westfalens.

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