Streng geschützte Fischotter: Erste Behörde fordert Abschussgenehmigung nach Millionenschäden
Fischotter-Abschuss gefordert: Behörde will Artenschutz lockern

Streng geschützte Räuber: Fischotter verursachen Millionenschäden in Bayern

Der Fischotter steht in Deutschland unter strengem Artenschutz – gleichzeitig richtet das putzige Raubtier in der bayerischen Fischwirtschaft jährlich Schäden in Millionenhöhe an. Jetzt fordert erstmals eine Behörde, die Abschussgenehmigung für die gefräßigen Tiere zu erteilen. Der Oberste Rechnungshof in München empfiehlt die sogenannte „Entnahme“, ein euphemistischer Begriff für die Tötung der geschützten Tiere.

Teichwirte am Rande der Existenz

Kevin Pommerenke (33), Forellenzüchter aus Rosenheim, kennt das Problem aus erster Hand. Früher sprang er nachts aus dem Bett, wenn seine mit Wildtierkameras verbundene Alarmanlage losging. „Jeder Otter holt sich in einer Nacht bis zu 60 Fische“, berichtet der Teichwirt. „Sie haben mich schon fast ruiniert.“ Pommerenke musste 90 Prozent seiner Karpfenbestände abschreiben, bevor er Schutzmaßnahmen ergriff. Allein das Land Bayern entschädigt die Teichwirte mittlerweile mit 2,3 Millionen Euro jährlich für Otter-Schäden – Tendenz steigend.

Elektrozäune als teurer Schutz

Für 7.000 Euro installierte Pommerenke einen Elektrozaun mit 11.000 Volt Spannung, der den Ottern schmerzhafte, aber nicht tödliche Stromschläge verpasst. „Das hat mir bis jetzt meine Forellen gerettet“, erklärt der Fischzüchter. Doch die intelligenten Tiere lernen schnell: Sie springen mittlerweile zwischen den alle zwei Sekunden erfolgenden Stromimpulsen durch die Drähte. Pommerenke hat sich inzwischen auf den Verkauf von Fischfutter spezialisiert – von der reinen Fischzucht könnte er nicht mehr leben.

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Naturschützer lehnen Abschuss kategorisch ab

Christine Margraf vom Bund Naturschutz zeigt sich entsetzt über die Abschussempfehlung: „Bayern wäre ein Präzedenzfall. In Ostdeutschland und Osteuropa, wo der Otter nie weg war, leben die Teichwirte schon immer mit dem Otter zusammen.“ Ihr Kollege Uwe Friedel bezweifelt die Wirksamkeit von Abschüssen: „Selbst wenn man einen schießt, wäre der nächste Otter schnell zur Stelle.“ Pommerenke widerspricht: „Die würden dann den Ort meiden. Otter sind so schlau, die riechen das Blei.“

Historischer Artenschutz-Erfolg wird zum Problem

Die aktuelle Debatte zeigt das Dilemma zwischen Artenschutz und wirtschaftlichen Interessen. Der Fischotter war bis in die 1990er Jahre in Westdeutschland fast ausgestorben, bevor Schutzmaßnahmen die Population erholen ließen. Jetzt fordert die erste Behörde, diese Erfolgsgeschichte teilweise zurückzudrehen. Pommerenke plädiert für alternative Lösungen: „Fangen und versetzen würde vielleicht auch funktionieren.“ Doch die Diskussion über den richtigen Umgang mit den geschützten Räubern hat gerade erst begonnen.

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