Emotionaler Saisonabschluss in Planica: Skifliegen, Abschiede und ein Fest der Gefühle
Zum Saisonfinale der Skispringer verwandelte sich die gigantische Schanze von Planica in ein einziges Fest der Emotionen. Über 26.000 begeisterte Fans feierten gemeinsam mit den Athleten den Abschluss eines langen Winters, der im Zeichen von Party und bewegenden Abschieden stand. Der Saisonabschluss bot eine Mischung aus sportlichen Höchstleistungen und persönlichen Momenten des Umbruchs.
Das Ende einer Ära: Horngachers letzter Wettkampf als Bundestrainer
Stefan Horngacher umarmte auf dem Trainerturm zum letzten Mal in seiner Funktion als Bundestrainer die Kollegen. Nach sieben Jahren an der Spitze des deutschen Skisprungteams beendet der Österreicher seine erfolgreiche Amtszeit. „Es ist natürlich schon emotional. Es war eine lange schöne Zeit“, sagte Horngacher nach seinem letzten Wettkampf. Sportdirektor Horst Hüttel vom Deutschen Skiverband (DSV) zog eine positive Bilanz: „In Summe Schulnote zwei, würde ich sagen.“
Unter Horngachers Führung feierte das deutsche Team bei Weltmeisterschaften und Olympischen Spielen zahlreiche Medaillen, doch der langersehnte Vierschanzentourneesieg blieb auch unter seiner Regie aus. Die aktuelle Saison bewertete Horngacher selbstkritisch: „Die Performance in diesem Jahr war nicht ganz ausreichend.“ Der 56-Jährige plant nun mehr Zeit für seine Hobbys: „Ich werde mit Sicherheit viel Gitarre spielen, viele Pilze sammeln und nebenher noch viel Rad fahren.“
Die sportliche Bilanz: Dominanz von Prevc, deutsche Springer mit gemischten Gefühlen
Der slowenische Dominator Domen Prevc ließ sich nach einer überragenden Saison von seinen Teamkollegen auf den Schultern tragen. Der 26-Jährige gewann in diesem Winter:
- Den Gesamtweltcup
- Die Vierschanzentournee
- Zweimal Olympia-Gold
- Den Skiflug-Weltmeistertitel
Im letzten Wettkampf des Winters musste sich Prevc nur dem Norweger Marius Lindvik geschlagen geben. Für die deutschen Springer endete die Saison dagegen mit gemischten Gefühlen. Karl Geiger wurde als bester Deutscher Achter, Andreas Wellinger Elfter. Olympiasieger Philipp Raimund, der als Siebter im Saisonranking die beste Platzierung unter den DSV-Adlern erreichte, landete in Planica nur auf Rang 28.
„Die Flüge - vor allem bei Olympia - waren phänomenal“, sagte Raimund dennoch gut gelaunt im ZDF. „Jetzt kann ich endlich die Beine hochlegen. Es war echt zäh zum Ende.“ Der überraschende Olympiasieg von Raimund auf der Normalschanze blieb der große Höhepunkt eines ansonsten schwierigen Winters für das deutsche Team.
Abschiede von Legenden: Stoch, Fettner und Schmid beenden Karrieren
Die polnische Skisprung-Legende Kamil Stoch sorgte für besonders emotionale Momente, als er sich nach einer langen Karriere mit drei Tourneesiegen vom begeisterten Publikum feiern ließ. Neben Horngacher beendet auch der Österreicher Manuel Fettner seine aktive Laufbahn.
Bereits am Samstag hatte sich Katharina Schmid von der Weltcup-Bühne verabschiedet. Die über viele Jahre beste deutsche Springerin wurde von ihrem Bruder abgewinkt und von Teamkollegen, Familie und Freunden im Auslauf mit einer Sektdusche empfangen. „Schöner hätte ich es mir nicht vorstellen können“, sagte die siebenmalige Weltmeisterin zu ihrem Abschied. Der 13. Platz im kleinen Starterinnenfeld war dabei nur Nebensache. Die 29-Jährige will in Zukunft in ihrer Heimat Oberstdorf als Nachwuchstrainerin arbeiten.
Ausblick: Neuer Bundestrainer bereits bekannt
Wer die deutschen Springer in der kommenden Saison als Chefcoach betreut, wissen die Athleten bereits. „Ich glaube, dass das funktionieren wird. Das wird eine gute Sache“, sagte Karl Geiger mit einem Lächeln. „Ich muss sagen, ich freue mich sehr drauf. Ich bin zufrieden mit der Wahl.“
Sportdirektor Horst Hüttel bat in Planica um „noch ein paar Tage Geduld“ bei der öffentlichen Verkündung des Namens. Bis eine Entscheidung kommuniziert werde, werde es „nicht mehr lange dauern“. Damit endet eine Ära im deutschen Skispringen, während gleichzeitig der Blick bereits auf die Zukunft gerichtet ist.



