Kirchen der Uckermark werden zu sicheren Lebensräumen für Vögel und Fledermäuse
Eine innovative Initiative verwandelt historische Gotteshäuser in der Uckermark in geschützte Rückzugsorte für bedrohte Tierarten. Die Helversen'sche Stiftung für Arten- und Biotopschutz hat das Projekt „Lebendige Kirche: Hier sind auch Tiere zu Hause“ ins Leben gerufen, um einheimischen Vögeln und Fledermäusen sichere Nist- und Brutplätze zu bieten.
Erste Erfolge in Friedrichswalde
In der Friedrichswalder Kirche sind bereits die ersten Maßnahmen umgesetzt worden. Zimmerer Benjamin Gerth installierte neue Schallluken im Kirchturm, in die acht Nistkästen für Dohlen integriert wurden. Während der Arbeiten beobachteten Thomas Volpers, der zweite Vorsitzende der Stiftung, und Pfarrer Ralf Schwieger bereits eine Dohle, die über der Kirche kreiste – ein vielversprechendes Zeichen für den schnellen Erfolg des Projektes.
„Unser Gemeindekirchenrat war gleich begeistert“, berichtete Pfarrer Schwieger. „Wir mussten die maroden Schallluken ohnehin erneuern und konnten so das Nützliche mit dem Guten verbinden.“ Vier der Luken wurden mit Doppelnistkästen aus wetterbeständigem Lärchenholz ausgestattet, wobei zwei durch das Stiftungsprojekt finanziert wurden und zwei von der Kirchengemeinde selbst getragen werden.
Umfassende Maßnahmen für verschiedene Arten
Das Projekt beschränkt sich nicht nur auf Dohlen. Im Turm und auf dem Dachboden der Friedrichswalder Kirche werden sechs Spaltenquartiere aus Holz für Fledermäuse aufgehängt, die in der Engelsburg in Ahrensdorf angefertigt wurden. Zusätzlich kommen Fledermausquartiere aus Holzzement, ein Nistkasten für Schleiereulen und einer für Turmfalken hinzu. Die Stiftung kooperiert bei der Herstellung der Nistkästen mit der Holzwerkstatt des Waldhofes der Stephanus Stiftung in Templin.
Regionale Ausweitung geplant
Nach den positiven Erfahrungen in Friedrichswalde soll das Projekt auf weitere Kirchen in der Westuckermark ausgeweitet werden. Bereits jetzt haben Kirchengemeinden in Lychen, Templin, Herzfelde und Boitzenburg ihre Zustimmung gegeben und Verträge mit der Stiftung geschlossen. Alle Maßnahmen wurden zudem mit den zuständigen Denkmalschutzbehörden abgestimmt.
Thomas Volpers erklärte: „Unser Ziel ist es, die Bestände einheimischer Vogel- und Fledermausarten in der Region zu stabilisieren oder sogar zu erhöhen.“ Kirchen mit ihren Türmen und ungenutzten Dachstühlen eignen sich besonders gut als geschützte Lebensräume, da sie natürliche Feinde wie Waschbären fernhalten.
Finanzierung durch die Deutsche Postcode Lotterie
Das Projekt wird mit rund 120.000 Euro finanziert, die zu 80 Prozent von der Deutschen Postcode Lotterie bereitgestellt werden. Die Mittel fließen komplett in die Region und kommen auch lokalen Handwerksbetrieben wie der Boitzenburger Dachdecker GmbH zugute, die als Kooperationspartner gewonnen werden konnte.
Am Ende könnten bis zu 20 Kirchen in der Westuckermark als optimierte Lebensräume für Tiere dienen und so einen wichtigen Beitrag zum Artenschutz in der Region leisten.



