Frühlingserwachen auf dem Kreisel: Krokusse erfreuen Neubrandenburger
Wer in diesen Tagen durch Neubrandenburg fährt, wird an einem besonderen Verkehrsknotenpunkt mit einem farbenfrohen Spektakel belohnt. Auf dem Kreisel an der Torgelower und Ihlenfelder Straße breitet sich ein leuchtendes Gelb aus, das sich bald in Violett und Blau verwandeln wird. Hunderte von Krokussen haben hier ihren Platz gefunden und verwandeln die Verkehrsinsel jedes Frühjahr in ein kleines botanisches Wunder.
Ein festes Frühlingsritual für Anwohner
Für viele Bewohner der Stadt ist der Blick auf die blühende Kreiselmitte bereits zu einem liebgewonnenen Ritual geworden. Eine Leserin aus der Neubrandenburger Oststadt berichtet dem Nordkurier von ihrer besonderen Beziehung zu diesem Ort: "Ich freue mich schon den ganzen Winter auf diesen Anblick", erzählt sie. Auf ihren regelmäßigen Fahrten zum Garten passiert sie den Kreisel und genießt die sich wandelnde Farbenpracht. Erst leuchten die gelben Krokusse, später folgen die violetten und blauen Varianten.
Für die Frau ist der Kreisel längst mehr als nur ein Verkehrsbauwerk. "Wie schön das jedes Mal ist!", schwärmt sie. Diese Begeisterung hat sie zu einem kreativen Vorschlag inspiriert: "Für mich ist das der Krokus-Kreisel. Könnte man den Ort nicht auch offiziell so taufen?"
Stadtverwaltung lehnt Namensgebung ab
Doch die Stadt Neubrandenburg hat eine klare Antwort auf diesen charmanten Vorschlag. Ein Stadtsprecher erklärt: "Da Kreisel in der Regel immer Bestandteil der Straße sind, ist eine gesonderte Namensgebung nicht möglich." Zwar gibt es in Deutschland durchaus Beispiele für benannte Kreisverkehre – etwa in Burgdorf in Niedersachsen, Leingarten in Baden-Württemberg oder im hessischen Raunheim, wo 2018 mehrere Kreisel nach Mitgliedern der Widerstandsgruppe „Weiße Rose“ benannt wurden. Doch solche Fälle bleiben die Ausnahme.
Häufiger wird der Ort einfach als „Platz“ bezeichnet, obwohl es sich eigentlich um einen Kreisverkehr handelt. In Neubrandenburg tragen alle rund 40 Verkehrskreisel offiziell keine eigenen Namen.
Die Geschichte hinter der Blütenpracht
Die farbenfrohe Kreiselmitte in der Ihlenfelder Vorstadt ist kein Zufall, sondern das Ergebnis gezielter Stadtbegrünung. Wie die Stadtverwaltung auf Anfrage mitteilt, wurden bereits im Oktober 2018 rund 3000 Krokuszwiebeln in die Erde gesteckt. Seitdem erfreuen sie Jahr für Jahr die Vorbeifahrenden mit ihrer Frühlingsblüte.
Für die Pflege der etwa 130 Quadratmeter großen Rasenfläche im Kreiselzentrum ist die Abteilung Stadtgrün im Eigenbetrieb Immobilienmanagement zuständig. Die Fläche wird dreimal jährlich gemäht und von Müll befreit. Die jährlichen Kosten für diese Pflege belaufen sich auf etwa 100 Euro.
Vielfalt der Kreisgestaltung in Neubrandenburg
Im gesamten Stadtgebiet von Neubrandenburg gibt es nach Angaben der Stadtverwaltung rund 40 Verkehrskreisel. Diese unterscheiden sich in ihrer Gestaltung: Während einige Mittelinseln versiegelt sind, wurden andere – wie der Kreisel an der Torgelower und Ihlenfelder Straße – mit Grünflächen und Bepflanzungen versehen. Alle diese Grünflächen werden von der Abteilung Stadtgrün betreut und aus dem allgemeinen Instandhaltungsbudget gepflegt.
Auch wenn der Vorschlag der Leserin offiziell nicht umgesetzt werden kann, bleibt die Idee des „Krokus-Kreisels“ im Herzen der Neubrandenburger lebendig. Wenn die ersten gelben Blüten erscheinen, wissen alle: Der Frühling hält Einzug in die Stadt. Die violetten und blauen Exemplare, die bereits vereinzelt zu sehen sind, kündigen die vollständige Blütenpracht an, die in den kommenden Wochen ihren Höhepunkt erreichen wird.
Die Begeisterung der Bürger für diese kleine Naturoase mitten im Verkehr zeigt, wie wichtig grüne Inseln im städtischen Raum sind. Sie bieten nicht nur ökologischen Wert, sondern bereichern auch das emotionale Stadtbild und schaffen identitätsstiftende Orte – auch wenn sie offiziell keinen eigenen Namen tragen dürfen.



