Luchs Juno nach langer Abwesenheit wiederentdeckt
Im sächsischen Erzgebirge hat sich eine kleine Sensation ereignet: Der Luchs Juno, der als erster im sächsischen Auswilderungsprogramm freigelassen wurde und seit September 2024 als verschollen galt, ist wieder aufgetaucht. Das Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie bestätigte nun, dass das männliche Tier eindeutig identifiziert werden konnte.
Genetischer Nachweis bringt Gewissheit
Seit Jahresbeginn hatten sich im Gebiet zwischen Freiberg, Flöha und der deutsch-tschechischen Grenze vermehrt Hinweise auf einen Luchs gehäuft. Durch eine genetische Analyse von Urin, der im Schnee nahe der Grenze bei Flaje gefunden wurde, konnte Juno zweifelsfrei individualisiert werden. Zuvor war das Tier bereits in mehrere Fotofallen getappt, wobei die charakteristische Fellzeichnung bereits auf Juno hingedeutet hatte.
„Dass Juno nach so langer Zeit wiedergefunden wurde, ist eine kleine Sensation für alle Projektbeteiligten und für das Luchsmonitoring in Sachsen“, teilte das Landesamt mit. Der letzte eindeutige Nachweis stammte aus dem September 2024 von einer Fotofalle im Forstbezirk Eibenstock, wo sich Juno nach seiner ursprünglichen Auswilderung im März 2024 aufgehalten hatte.
Rätsel um die Abwanderung
Was den zweijährigen Luchs zum Verlassen seines ursprünglichen Territoriums veranlasste, bleibt unklar. Normalerweise bleiben Luchse in Gebieten, wo bereits Artgenossen ansässig sind. In Junos Fall überlappten sich seine Reviere mit denen der Luchsweibchen Alva und Nova, die ebenfalls Teil des Auswilderungsprojekts sind.
Falls Juno im mittleren und östlichen Erzgebirge bleibt, wird er während der aktuellen Paarungszeit von Februar bis April wahrscheinlich nicht zur Fortpflanzung in der kleinen Kernpopulation im Westerzgebirge beitragen, so das Landesamt. Dabei sind unterschiedliche Verpaarungen zwischen den Luchsen aus genetischer Sicht wünschenswert, um einen möglichst breiten Genpool für die nächste Generation zu erhalten.
Aktueller Stand des Luchsprojekts
Das sächsische Auswilderungsprogramm umfasst insgesamt sieben Luchse, die seit Frühjahr 2024 im Forstrevier Eibenstock freigelassen wurden. Von diesen lebt ein Tier nicht mehr: Luchs Anton wurde nur wenige Wochen nach seiner Auswilderung überfahren.
Über die anderen Luchse informierte die Behörde ebenfalls:
- Nova ist Anfang 2025 nach Thüringen abgewandert und wurde bei Jena fotografiert.
- Alva hat sich im Frühjahr 2025 mit Chapo gepaart und zwei Junge zur Welt gebracht.
- Chapo und Alva streifen weiter durch ihr Territorium in der Region Eibenstock.
- Charlie trägt noch ein GPS-Senderhalsband und sendet regelmäßig Daten aus Tschechien.
- Freya wanderte wenige Wochen nach ihrer Auswilderung im Spätsommer 2025 in Richtung Zwönitz ab.
Für dieses Jahr sind im Spätsommer zwei weitere Luchsauswilderungen geplant, um die Population im Erzgebirge weiter zu stärken und die genetische Vielfalt zu erhöhen.



