Nutrias in Norddeutschland: Invasion der Sumpfbiberratten und ihre Folgen
Nutrias in Norddeutschland: Invasion und ihre Folgen

Nutrias in Norddeutschland: Die unterschätzte Gefahr der Sumpfbiberratten

Sie graben, fressen und vermehren sich ungebremst – die Nutrias, auch bekannt als Sumpfbiberratten, breiten sich in Norddeutschland immer weiter aus und verursachen dabei erhebliche Probleme. Um die Population dieser invasiven Nagetiere einzudämmen, wird intensiv gejagt. Doch was macht diese Tiere so problematisch, und wie geht man mit ihnen um?

Herkunft und Verbreitung der Nutrias

Ursprünglich stammen Nutrias aus Südamerika und wurden ab 1926 zur Pelzgewinnung in deutschen Pelztierfarmen gehalten. Immer wieder entkamen Tiere oder wurden absichtlich freigelassen, woraufhin sie sich in freier Wildbahn schnell vermehrten. Heute sind sie in allen Bundesländern vertreten, mit besonderer Dichte in Norddeutschland, einschließlich der Stadtstaaten Hamburg und Bremen.

Warum die Jagd auf Nutrias notwendig ist

Nutrias graben Tunnel in Uferböschungen, Deiche und Gräben, was die Stabilität wasserbaulicher Anlagen massiv gefährdet. Besonders in Hochwasserlagen birgt dies ein erhebliches Risiko, wie ein Sprecher der niedersächsischen Landesjägerschaft betont. Zudem fressen die Tiere große Mengen an Röhricht- und Uferpflanzen, wodurch sie die Renaturierung wertvoller Ökosysteme verhindern und Brut- sowie Rückzugsräume für gefährdete Arten zerstören.

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Landwirte beklagen Schäden an Gräben nahe Weideflächen, da Kühe in von Nutrias verursachte Löcher einbrechen und sich verletzen können. In Städten wie Hamburg richten die Nager auch in Parks, Friedhöfen und Regenrückhaltebecken Schäden an. Seit 2016 listet die Europäische Union Nutrias als invasive gebietsfremde Art.

Methoden zur Reduzierung der Population

Um die Schäden zu begrenzen, werden Nutrias intensiv bejagt – sowohl mit Fallen als auch mit Waffen. Lebendfallen sind oft mit Meldesystemen ausgestattet, um das Leid der Tiere zu minimieren. Gefangene Nutrias werden anschließend getötet. In Niedersachsen und Schleswig-Holstein ist die Jagd ganzjährig erlaubt, primär aus Gründen des Küstenschutzes und der Deichsicherheit.

Statistiken und regionale Entwicklungen

Genaue Populationszahlen gibt es nicht, jedoch werden die erlegten Tiere erfasst. Im Jagdjahr 2024/2025 wurden allein in Niedersachsen knapp 54.000 Nutrias erlegt – ein Anstieg von 19,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr. In Hamburg und Bremen ist die Zahl der Sumpfratten deutlich gestiegen, was auf unerlaubtes Füttern, günstige klimatische Bedingungen und jagdliche Einschränkungen zurückzuführen ist. Hamburg hat inzwischen zahlreiche Jagdgebiete eingerichtet, etwa in Altona, Eimsbüttel und anderen Bezirken.

Lebensweise und Ernährung der Nutrias

Nutrias leben an Gewässern, in Schilfnestern oder Höhlen in Uferböschungen. Sie sind tag- und nachtaktiv, leben monogam in Paaren oder Familienverbänden von 12 bis 15 Tieren. Nach einer Tragzeit von etwa 19 Wochen bringt das Weibchen bis zu acht Junge zur Welt, die nach fünf Monaten geschlechtsreif werden. Ihre Ernährung ist überwiegend vegetarisch, mit Blättern, Stängeln und Wurzeln von Wasserpflanzen, aber auch Mais, Schnecken und Muscheln.

Besonderheiten und Nutzung der Tiere

Nutrias sind gute Schwimmer mit Schwimmhäuten an den Hinterfüßen und können bis zu fünf Minuten tauchen. An Land bewegen sie sich eher unbeholfen. Sie werden bis zu 70 Zentimeter lang, mit einem 45 Zentimeter langen Schwanz, und wiegen bis zu neun Kilogramm. Ihr Fell ist rötlichbraun, am Bauch graubraun, und sie haben auffällige weiße Barthaare sowie gelbe oder orangefarbene Zähne.

Das Fleisch der erlegten Nutrias ist essbar und wird mancherorts als Ragout, Braten oder im Burger serviert. Es handelt sich um ein dunkles, kurzfaseriges, fettarmes Fleisch, das als zart und mild beschrieben wird – vergleichbar mit Perlhuhn oder Fasan. Jäger prüfen das Fleisch kritisch, bevor es in der Küche landet, und in mehreren Bundesländern wird es bereits als Lebensmittel genutzt.

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