Seltene Zwergschwäne rasten bei Hagenow – Experte warnt vor Störungen der gefährdeten Zugvögel
Zwischen der Autobahn 24 und dem Dümmer See in der Region Hagenow vollzieht sich derzeit ein beeindruckendes Naturschauspiel: Mehrere tausend Schwäne haben hier einen wichtigen Rastplatz auf ihrer langen Reise in die Brutgebiete der russischen Tundra gefunden. Unter den zahlreichen Singschwänen befinden sich auch extrem seltene Zwergschwäne, deren Bestand laut Experten alarmierend geschrumpft ist.
Dramatischer Rückgang der Zwergschwäne
Helmut Eggers, der sich ehrenamtlich für die Zählung von Zugvögeln engagiert, schlägt Alarm: „Der Bestand der Zwergschwäne wird mittlerweile auf unter 10.000 Tiere geschätzt. Vor etwa 20 Jahren gab es noch rund 30.000 dieser Art.“ Die Fachleute gehen von einer sehr niedrigen Fortpflanzungsrate aus, doch die genauen Ursachen für den dramatischen Rückgang bleiben unklar.
Eggers erklärt: „Leider stagniert die Forschung aufgrund der Sanktionen gegen Russland, die sich auch auf den wissenschaftlichen Austausch erstrecken. Es gibt daher keine wissenschaftliche Erklärung für die Dezimierung.“ Mögliche Faktoren reichen von Umwelteinflüssen an den Brutorten über Klimaveränderungen bis hin zu unbekannten Ursachen.
Gefährliche Störungen während der Rast
Die aktuell rastenden Vögel benötigen dringend Ruhe, betont der Experte. „Die Tiere sind mit der Futtersuche in Schnee und Eis so beschäftigt, dass jede unnötige Störung sie weitere Reserven kostet. Diese brauchen sie aber, um ihre Brutgebiete gesund zu erreichen.“ Besonders problematisch sind Spaziergänger und Hunde, die die wachsamen Vögel immer wieder aufscheuchen.
Immerhin rasten in der Region etwa zehn Prozent der gesamten Schwanenpopulation. „Tagsüber suchen sie ihr Futter auf den abgeernteten Maisfeldern entlang der A24, am Abend ziehen sie zum Dümmer See, auf dem sie übernachten“, berichtet Eggers über das Verhalten der Zugvögel.
Unterscheidung zwischen Sing- und Zwergschwänen
Optisch ist die Unterscheidung zwischen Singschwänen und Zwergschwänen nicht einfach. Karin-Ose Röckseisen, die sich gemeinsam mit Helmut Eggers für die Zugvögel engagiert, erklärt: „Die Unterscheidung erfolgt unter anderem über die Rufe und die Schnabelmerkmale.“
- Singschwäne äußern im Flug gesangähnliche Rufe und besitzen längere Schnäbel mit ausgedehnt gelb-oranger Oberseite und schwarzer Spitze.
- Zwergschwäne kommunizieren mit einem hellen, bellenden Laut und haben kürzere Schnäbel, bei denen die schwarze Spitze bis zum Ansatz reicht und seitlich ein gelbes Dreieck zu sehen ist.
Einige Tiere sind mit farbigen Halsringen markiert – blau bei Singschwänen, gelb, gold oder weiß bei Zwergschwänen. Einzelne Zwergschwäne tragen sogar Sender, die eine genaue Nachverfolgung ihrer Zugroute ermöglichen.
Einzigartige Beobachtungsmöglichkeit
Das Naturschauspiel zwischen A24 und Dümmer See bietet Vogelbeobachtern eine seltene Gelegenheit, sowohl Singschwäne als auch die extrem gefährdeten Zwergschwäne zu sehen. Experten appellieren jedoch an alle Besucher, ausreichend Abstand zu halten und die Tiere nicht zu stören, damit sie ihre lebenswichtigen Energiereserven für die weitere Reise in die russische Tundra schonen können.



