Vorpommern als Drehscheibe: Tausende Zugvögel aus russischen Tundren rasten in der Region
Tausende Zugvögel aus russischen Tundren rasten in Vorpommern

Vorpommern als Drehscheibe des Vogelzugs: Tausende Tiere aus russischen Tundren rasten in der Region

Vor rund 60 Jahren radelte der junge Norbert Warmbier mit Freunden aus Anklam an Wochenenden im Herbst und Frühling zu den gewaltigen Ansammlungen von bis zu 30.000 Feldgänsen an den Rastgewässern Putzarer See, Peenestrom und Stettiner Haff. Täglich legten die Naturbegeisterten dabei bis zu 80 Kilometer mit dem Drahtesel zurück, um das faszinierende Schauspiel des Vogelzugs zu erleben.

Persönliche Erinnerungen an einen verlorenen Hochstand

Ein besonderes Privileg war damals die Übernachtung in einem Hochstand mit eingebauten Doppelstockbetten zwischen Putzar und Schwichtenberg. Von hier bot sich ein fantastischer Blick auf den Putzarer See und einen der seinerzeit wenigen Seeadlerhorste Deutschlands in einer gewaltigen Einzelpappel. Doch 1973, als Warmbier Mitarbeiter bei der Bezirksnaturschutzverwaltung wurde, musste dieser Prachthochstand als Schwarzbau im Naturschutzgebiet Putzarer See auf Anordnung von Oberforstmeister Horst Ruthenberg entfernt werden – eine Maßnahme, die auch wertvolle Jugenderinnerungen zerstörte.

Die elf Gänsearten Vorpommerns im Detail

Für Ornithologen gibt es bei genauer Betrachtung deutliche Unterschiede zwischen den elf Gänsearten in Vorpommern:

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  • Feldgänse: Wirken einheitlich graubraun, haben orange-, rosa- oder fleischfarbene Beine und Schnäbel
  • Meeresgänse: Sind kontrastreich schwarz-weiß gefärbt und besitzen immer schwarze Beine und Schnäbel

Die größte Feldgans ist die Graugans mit einer Flügelspannweite von 1,70 Metern, 88 Zentimetern Länge und 3,8 Kilogramm Gewicht. Ihr Bestand hat in jüngster Zeit enorm zugenommen: Während es in Warmbiers Jugend im Altkreis Anklam schätzungsweise 100 Brutpaare gab, brüten heute in Vorpommern-Greifswald neuerdings um die 1.000 Paare – eine positive Entwicklung, die maßgeblich auf die Renaturierung des Landgrabentals und der Peeneniederung zurückzuführen ist.

Renaturierungserfolge und Vogelparadiese

Ein beeindruckendes Beispiel für gelungene Naturschutzmaßnahmen ist der Gänseteich von Daugzin. An diesem kleinen, völlig verschlammten Dorftümpel nördlich der Peene wurden bis zu 80 Graugänse erfasst, und hier brüten auch bis zu acht Grauganspaare. Bürgermeister Holger Wendt lässt diesen wertvollen Wasservogellebensraum 2026 sanieren, wodurch das einstige Feuchtbiotop wieder zu einem Vogelparadies werden soll.

Bereits jetzt wurden hier zahlreiche seltene Vogelarten entdeckt:

  1. Beutelmeise
  2. Wasser-, Teich- und Blessralle
  3. Stock-, Schnatter- und Knäkente
  4. Graureiher und Weißstorch
  5. Drosselrohrsänger und Flussregenpfeifer

Der spektakuläre Herbstzug nordischer Gänse

Von den Feldgänsen brütet nur die Graugans in Deutschland, alle anderen sind Durchzügler und Wintergäste. Im Herbst erfolgt in Vorpommern ein gewaltiger Einflug von Hunderttausenden nordischen Gänsen. Die recht kleine, um die 2,5 Kilogramm schwere Blessgans mit ihrer charakteristischen weißen Stirnblesse und schwarz gefleckten Brust fliegt aus den subarktischen Tundren Russlands ein und verlässt die Region wieder im April.

Mit ihr erscheinen dann auch Tausende Saatgänse aus dem nördlichen Skandinavien und Russland, die ebenfalls im Frühjahr in ihre nordischen Brutgebiete zurückziehen. Diese Art ist an ihren orangegelben Füßen und Schnäbeln mit schwarzen Partien zu erkennen.

Naturerlebnisse zur Stressbewältigung

Für alle, die dem wundervollen Klang der Umwelt lauschen und beim Anblick von Wildsäugern, Adlern, Silberreihern und Blühwundern Stress abbauen möchten, bieten geführte Naturwanderungen die Möglichkeit, Kraft zu tanken. Interessierte können sich unter der Telefonnummer 015156074311 anmelden und die faszinierende Vogelwelt Vorpommerns selbst erleben.

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