Waschbär-Population in Deutschland explodiert trotz massiver Bejagung
Die invasive Tierart Waschbär breitet sich in Deutschland weiterhin ungebremst aus, obwohl die Abschusszahlen auf historische Höhen gestiegen sind. Aktuelle Daten des Deutschen Jagdverbandes (DJV) zeigen ein alarmierendes Bild: Im Jagdjahr 2024/25 wurden insgesamt 284.220 Waschbären erlegt – eine Verdoppelung innerhalb der letzten zehn Jahre und eine Verzehnfachung im Vergleich zu vor zwei Jahrzehnten.
Bundesweite Verbreitung mit regionalen Schwerpunkten
Der ursprünglich aus Nordamerika stammende Waschbär ist mittlerweile in allen 16 Bundesländern Deutschlands heimisch geworden. Besonders starke Zuwächse verzeichneten zuletzt Brandenburg mit 43.694 erlegten Tieren (plus 10.585), gefolgt von Hessen mit 41.147 (plus 4.258), Sachsen-Anhalt mit 33.681 (plus 5.126), Nordrhein-Westfalen mit 33.672 (plus 3.649) und Niedersachsen mit 32.771 (plus 7.286). Laut DJV-Angaben sind inzwischen mehr als zwei Drittel aller deutschen Jagdreviere von Waschbären besiedelt, in einigen Bundesländern sogar bis zu 90 Prozent.
CDU-Politikerin fordert drastische Gegenmaßnahmen
Angesichts dieser Entwicklung hat Sarah Schweizer, jagdpolitische Sprecherin der CDU in Baden-Württemberg, nun weitreichende Forderungen an die Politik gestellt. In einem Bericht der „Bild“-Zeitung verlangt sie die Einführung eines Kopfgeld-Systems für getötete Waschbären sowie die Bildung einer speziellen Taskforce zur Bekämpfung invasiver Arten. Zu ihren konkreten Vorschlägen gehören:
- Eine bundesweite, ganzjährige Aufhebung der Schonzeit für Waschbären
- Die Zulassung von Nachtsichttechnik für die Jagd
- Die Einführung einer Artenschutzprämie für die Erlegung von Waschbären
Ökologische Bedrohung und politische Kontroversen
Helmut Dammann-Tamke, Präsident des Deutschen Jagdverbands, warnt vor den ökologischen Folgen der Waschbär-Invasion: „Der Waschbär frisst alles, vom Frosch im Teich bis zum Vogelküken auf dem Baum.“ Der Verband betont, dass die Waschbärenjagd zum Erhalt der Artenvielfalt beitrage, da die Tiere insbesondere Amphibienpopulationen bedrohen und zum lokalen Aussterben von Lurchen beitragen könnten.
Politisch hat sich der Waschbär ähnlich wie der Wolf zu einem kontroversen Thema entwickelt. Vergangenes Jahr eskalierte in Hessen ein Rechtsstreit zwischen Tierschützern, Jägern und Behörden über den Umgang mit den invasiven Tieren. Bisher scheinen jedoch alle Versuche, die Ausbreitung der Waschbären einzudämmen, weitgehend erfolglos geblieben zu sein – zur Freude der anpassungsfähigen Tiere mit den charakteristischen Knopfaugen.
Der Deutsche Jagdverband fordert von der Politik ein „klares Bekenntnis zur Fangjagd“ auf Waschbären, während die Diskussion über ethisch vertretbare und effektive Bekämpfungsmethoden weiterhin hitzig geführt wird. Die bisherigen Erfahrungen zeigen, dass einfache Lösungen nicht in Sicht sind, solange sich die Waschbären weiterhin so erfolgreich in der deutschen Kulturlandschaft etablieren.



