Goldene Blütenteppiche mit gefährlicher Seite
Im 6,6 Hektar großen Flächennaturdenkmal "Waldpark Vogelsang", etwa zwölf Kilometer östlich von Ueckermünde, entfalten sich derzeit tausende Winterlinge zu einem atemberaubenden Naturschauspiel. Die becherförmigen, goldgelben Frühlingsblüher mit ihrer charakteristischen grünen Halskrause gehören zur Familie der Hahnenfußgewächse und verwandeln die Landschaft in ein strahlendes Winter-Wunderland.
Gefährliche Schönheit für Mensch und Tier
Doch hinter der malerischen Erscheinung verbirgt sich eine ernste Gefahr: Alle Teile der Winterlinge sind extrem giftig, insbesondere die Knollen. Botaniker warnen eindringlich davor, diese Pflanzen in der Nähe von Kindern oder Haustieren anzupflanzen. Ein tragischer Vorfall aus Niedersachsen verdeutlicht die Risiken: Ein Dalmatiner starb nach dem vermutlichen Verzehr von Winterlingsknollen, die Wildschweine in einem Garten freigelegt hatten. Die Toxizität kann bei Tieren zu Herzrhythmusstörungen und schnellem Herzstillstand führen.
Auch für Weidetiere wie Rinder, Schafe und Pferde stellen befallene Flächen eine ernsthafte Bedrohung dar. Im Waldpark Vogelsang bilden die filigranen Pflanzen jedoch einen sicheren, strahlenden Teppich, der in den Abendstunden wie ein bezauberndes Sternenleuchten wirkt.
Neubürger aus fernen Ländern
Obwohl Winterlinge heute in vielen Parkanlagen und Waldrändern der Ueckermünder Heide zu finden sind, handelt es sich bei ihnen um sogenannte Neophyten – Pflanzenarten, die seit der Entdeckung Amerikas 1492 durch menschliche Einflussnahme in neue Gebiete gelangten. Ihre ursprüngliche Heimat liegt in Südosteuropa, insbesondere in Italien, Ungarn und der Türkei.
Neben den Winterlingen bereichern auch zauberhafte Schneeglöckchen die Parklandschaft. Ihre nickenden Einzelblüten mit grünen Saftmalen duften intensiv und locken sogar Schmetterlinge an. Doch Vorsicht ist auch hier geboten: Alle Teile der Schneeglöckchen sind ebenfalls giftig. Verwechslungen mit der Gewürzpflanze Bärlauch können zu Kreislaufstörungen, Schweißausbrüchen und Übelkeit führen.
Historisches Erbe und artenreiche Natur
Der Waldpark Vogelsang blickt auf eine lange Geschichte zurück. Bereits am 13. Mai 1959 erhielt der Bereich ersten Schutzstatus als Naturdenkmal "Eibe". Zwischen 1845 und 1847 ließ Eduard Friedrich von Enckevort hier ein prunkvolles Schloss nach Plänen des Berliner Architekten Eduard Knoblauch errichten, eines Schülers von Karl-Friedrich Schinkel. Besonders beeindruckend sind die Ecktürme des Gebäudes.
Im Park selbst fällt ein unterkellerter Hügel mit einem hölzernen Pavillon ins Auge – eines der wenigen erhaltenen Teehäuser aus dem 18. Jahrhundert, die als Kleinarchitektur in die Parkgestaltung integriert wurden.
Vielfältiges Ökosystem im Frühlingserwachen
Die Parklandschaft beherbergt eine stabile Rehpopulation und bietet Lebensraum für zahlreiche Vogelarten. Klein- und Buntspecht brüten nur 200 Meter voneinander entfernt, und auch die seltene graubraune Weidenmeise mit ihrer arttypischen schwarzen Kopfplatte ist hier Brutvogel. In der Sumpffläche im Westteil konnten bereits eine Waldschnepfe und mehrere Grasfrösche entdeckt werden.
Aus dem Winterschlaf erwacht sind auch hungrige Hummelköniginnen, die sich an dem zarten Duft und Nektar der Winterlingsblüten laben. Der mittelgroße Aurorafalter fliegt hier in einem bedeutenden Bestand und bereichert das ökologische Gleichgewicht.
Naturerlebnis mit allen Sinnen
Für Besucher bietet der Waldpark Vogelsang eine einzigartige Möglichkeit, dem Alltagsstress zu entfliehen. Wer dem wundervollen Klang der Umwelt lauschen und beim Anblick von Wildsäugern, Adlern, Silberreihern und den blühenden Wundern Kraft tanken möchte, kann an geführten Naturwanderungen teilnehmen. Diese ermöglichen ein intensives Naturerlebnis und vermitteln gleichzeitig wichtiges Wissen über die schützenswerte Flora und Fauna Vorpommerns.



