Vater-Tochter-Duo entdeckt gestrandeten Buckelwal in Wismarer Bucht
Frühmorgens, durchgefroren und mit knurrendem Magen, standen die 16-jährige Emma Tidemann und ihr Vater Lutz auf der Seebrücke in Wismar. Drei Stunden lang beobachteten sie ununterbrochen einen schwarzen Punkt, der etwa einen Kilometer entfernt aus dem Wasser ragte. Ihre Beharrlichkeit wurde belohnt: Es handelte sich tatsächlich um den gesuchten Buckelwal, dessen Schicksal seit Tagen Tausende Menschen in Atem hält.
Die Suche beginnt mit einem Online-Artikel
„Wir haben heute Morgen auf bild.de gelesen, dass er bei Wismar gesucht wird“, erklärt Lutz Tidemann. Noch vor dem Frühstück brachen er und seine Tochter auf, um selbst nach dem Meeressäuger Ausschau zu halten. „Wir haben auf die Karte geschaut. Die Seebrücke sah vielversprechend aus. Hier muss er vorbeikommen, dachten wir uns“, so der engagierte Vater weiter.
An der Seebrücke angekommen, hatte die junge Emma das Tier schnell ausgemacht. Ihr Verdacht bestätigte sich: Der Wal war erneut gestrandet, diesmal auf einer Sandbank in der Wismarer Bucht. „Wenn man genau hinschaut, kann man auch den Blas sehen“, berichtet die 16-Jährige fachkundig. Der Blas bezeichnet die nach dem Tauchvorgang ausgeatmete Atemluft von Walen.
Rettungsaktion wird eingeleitet
Umgehend kontaktierten die beiden die Hotline des Deutschen Meeresmuseums für Walsichtungen und meldeten ihren Fund. Gegen Mittag trafen die ersten Helfer ein:
- Zwei Schlauchboote näherten sich vorsichtig dem gestrandeten Tier
- Die Wasserschutzpolizei sicherte den Bereich ab
- Greenpeace-Experten begannen mit der ersten Begutachtung
Daniela von Schaper, Meeresexpertin bei Greenpeace, gab eine erste Einschätzung zum Zustand des Buckelwals ab: „Unsere Experten sind auf Booten am Wal. Er atmet.“ Ob das Tier bei dieser erneuten Strandung Verletzungen erlitten hat, muss nun genau untersucht werden.
Öffentliches Interesse und Vorgeschichte
Die Nachricht verbreitete sich rasch. Immer mehr Schaulustige strömten zur Seebrücke – viele Familien mit Kindern, die den seltenen Anblick nicht verpassen wollten. Nach mehrstündiger Beobachtung belohnten sich Emma und ihr Vater mit einem leckeren Essen im Hotel-Restaurant.
Die Sorge um den Buckelwal beschäftigt die Menschen bereits seit Tagen. Drei Tage lag das Tier zuvor auf einer Sandbank vor Timmendorfer Strand fest, bevor es sich in der Nacht zu Freitag scheinbar selbst befreite. Doch die vermeintliche Rettung war nur von kurzer Dauer: Der Wal drehte erneut Richtung Küste ab und strandete nun in der Wismarer Bucht. Ob diesmal eine erfolgreiche Rettung möglich sein wird, bleibt vorerst ungewiss.



