Gestrandeter Buckelwal bei Wismar kämpft ums Überleben
Der vor der Insel Poel bei Wismar gestrandete Buckelwal wird durch den extrem niedrigen Salzgehalt der Ostsee und schwere Verletzungen massiv geschwächt. Umweltminister Till Backhaus (SPD) betonte am Ostersonntag nach einem weiteren Besuch vor Ort, dass der Salzgehalt in der Ostsee etwa ein Drittel unter dem Niveau liege, das Wale in der Nordsee oder dem Atlantik gewohnt seien. Diese Salzarmut führe zu erheblichen Hautproblemen beim Meeressäuger, die seinen Gesundheitszustand sehr negativ beeinflussen.
Experten erwarten entscheidendes Gutachten
Backhaus kündigte an, dass am Dienstag ein umfassendes Gutachten von Meeresbiologen und Veterinären zum Gesamtzustand des Wals erwartet werde. Der Minister steht in engem Kontakt mit dem Bundesumwelt- sowie dem Bundeslandwirtschaftsministerium. Das Tier war bereits am vergangenen Dienstag vor Poel gestrandet, nachdem alle Rettungsversuche am Mittwoch eingestellt worden waren. Fachleute gehen davon aus, dass der Wal in der Bucht sterben wird, wobei die genaue Überlebensdauer nicht vorhersehbar ist.
Vorgeschichte der Strandungen
Der Buckelwal hatte sich seit Anfang März insgesamt viermal festgesetzt. Dreimal gelang es ihm, wieder loszuschwimmen. Zuerst wurde er im Hafen von Wismar gesichtet, später am Timmendorfer Strand in Schleswig-Holstein und schließlich erneut vor Wismar. Backhaus gab präzise Maße des Tieres bekannt: 12,35 Meter Länge, 3,20 Meter Breite und 1,60 Meter Höhe. Mit einem Gewicht von etwa zwölf Tonnen ist der Wal bereits 50 bis 60 Zentimeter in den Ostseeboden eingesunken.
Dauerhafte Betreuung und kritischer Zustand
Die Betreuung des Meeressäugers läuft weiterhin rund um die Uhr. Einsatzkräfte der Feuerwehr benetzen den Wal regelmäßig mit Wasser, wobei die Positionierung der Wassersprenger aufgrund starker Windböen an der Ostseeküste angepasst werden muss. Backhaus dankte allen Beteiligten, darunter Wasserschutzpolizei, Feuerwehr und Anwohner, und betonte, dass die Anteilnahme am Schicksal des Tieres unvermindert hoch bleibe.
Der Minister schloss aus, dass das Tier getötet werde: „Das wird hier nicht stattfinden. Wir können ihn nicht einfach erlösen durch was auch immer.“ Stattdessen werden alle ernstzunehmenden Hilfsvorschläge geprüft, wobei der Tierschutz eine wesentliche Rolle spielt.
Schwere Verletzungen und langer Sterbeprozess
Dem Wal geht es sehr schlecht. Backhaus hatte am Karsamstag erklärt, dass das Tier Verletzungen aufweise, die mutmaßlich von Schiffsschrauben stammen. Zudem gebe es Abdrücke, wahrscheinlich von einem Netz. Die Meeresbiologin Tamara Narganes Homfeldt von der Organisation Whale and Dolphin Conservation (WDC) erläuterte, dass der Sterbeprozess bei einem Großwal mehrere Tage dauern könne, während denen der Druck des eigenen Körpergewichts zunehmend die Organe schädige. Langfristig führe dies zu einem Kreislaufkollaps und Organversagen.
Die Expertin beschrieb, dass sich der Tod des Wals durch völlige Regungslosigkeit und insbesondere durch eine fehlende Atmung über etwa eine Stunde bemerkbar machen werde. Wenige Tage später würden Gase den Walkadaver aufblähen und für Verwesungsgerüche sorgen. Der Überlebenskampf des Buckelwals bei Wismar bleibt somit eine dramatische und unsichere Situation, die weiterhin die Aufmerksamkeit von Experten und der Öffentlichkeit auf sich zieht.



