Ostsee-Drama: Gestrandeter Buckelwal Timmy wird sterben - Rettung unmöglich
Vor der Insel Poel bei Wismar in Mecklenburg-Vorpommern spielt sich ein tragisches Naturschauspiel ab. Der gestrandete Buckelwal, der von Helfern den Namen Timmy erhielt, befindet sich nach Einschätzung von Experten im Sterbeprozess. Eine Rettung des majestätischen Meeressäugers ist nicht mehr möglich, wie Fachleute in den vergangenen Tagen mehrfach betont haben.
Schweres Gewicht und geschädigte Haut als Todesursachen
Bianca König von der Tierschutzorganisation Whale and Dolphin Conservation (WDC) Deutschland erklärte gegenüber der Deutschen Presse-Agentur, dass mehrere Faktoren zum unausweichlichen Tod des Wals führen werden. „Der Wal hat mehrere Baustellen, die ihn beeinträchtigen und dafür sorgen werden, dass er sterben wird“, so die Expertin. Das Hauptproblem sei das enorme Gewicht des Tieres in Kombination mit der geringen Wassertiefe.
Wale benötigen normalerweise die Schwerelosigkeit im offenen Meer, um ihre Organe zu entlasten. In der flachen Ostsee drückt das Eigengewicht des Buckelwals jedoch kontinuierlich auf die inneren Organe, was zu Organversagen und Kreislaufkollaps führen wird. Zusätzlich leidet Timmy unter der durch den geringen Salzgehalt geschädigten Haut, die eingerissen ist und Blasen bildet.
Diese Verletzungen werden von Möwen angepickt, was wiederum Pilzen und Bakterien Tür und Tor öffnet. Solche Infektionen schwächen den bereits geschwächten Organismus zusätzlich und beschleunigen den Sterbeprozess. Wie lange dieser dauern wird, ist ungewiss – es könnte Stunden oder mehrere Tage in Anspruch nehmen.
Aktive Tötungsmethoden aus ethischen und praktischen Gründen ausgeschlossen
Die Diskussion um eine mögliche aktive Tötung des leidenden Tieres wurde von Experten intensiv geführt, jedoch verworfen. Drei Methoden wurden geprüft und aus verschiedenen Gründen abgelehnt:
- Einschläferung: Bei so großen Säugetieren ist zu wenig über die korrekte Dosierung sedierender Medikamente bekannt. Es besteht die Gefahr, dass der Wal die Tötung bei vollem Bewusstsein erlebt oder eine Überdosierung zu Komplikationen führt.
- Erschießung: Die präzise Platzierung des Schusses ist bei einem Wal dieser Größe kaum möglich. Mehrfachschüsse wären wahrscheinlich notwendig, was zusätzliches Leiden verursachen würde.
- Sprengung: Die radikalste, aber technisch effektivste Methode wäre die Sprengung des Kopfes. Diese Option wurde jedoch aus ethischen Gründen und wegen der anwesenden Zuschauer verworfen. Zudem würden dabei wichtige Gewebeproben für spätere wissenschaftliche Analysen zerstört.
„Alle drei Möglichkeiten der aktiven Tötung wurden ausgeschlossen, und entschieden, den Wal auf natürliche Weise sterben zu lassen“, betonte Bianca König.
Rettungsversuche würden zusätzliches Leiden verursachen
Nach umfangreichen wissenschaftlichen Untersuchungen in den vergangenen Tagen kamen Experten zu dem Schluss, dass weder eine Bergung des lebenden Tieres möglich ist, noch dass sich der Wal aus eigener Kraft befreien kann. Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus (SPD) bezeichnete den Patienten als „schwerstkrank“.
Versuche, den Wal mit Gurten oder Seilen anzuheben, würden mit hoher Wahrscheinlichkeit dazu führen, dass die bereits geschädigte Haut abgezogen wird. Dies würde zusätzliche Qualen verursachen, ohne die Überlebenschancen zu verbessern. Auch das möglicherweise noch im Maul befindliche Reststück eines Fischereinetzes – der Großteil wurde bereits Anfang März entfernt – ändert nichts an der aussichtslosen Prognose.
Die Experten begleiten nun den natürlichen Sterbeprozess und warten darauf, dass Timmy seine letzte Atemluft ausstößt. Falls der Wal eine Stunde lang nicht atmet, wird dies als Zeichen des eingetretenen Todes gewertet. Bis dahin bleibt das Ostsee-Drama vor Poel eine traurige Gewissheit: Manchmal ist das Beste, was der Mensch für ein leidendes Tier tun kann, ihm einen würdevollen Abschied zu ermöglichen.



