Hai-Mythen im Faktencheck: Was stimmt wirklich?
Seit Jahrzehnten prägen Filme wie „Der weiße Hai“ unser Bild von den Raubfischen. Viele Mythen halten sich hartnäckig – doch was davon entspricht tatsächlich der Wahrheit? Die Hai-Expertin Dr. Iris Ziegler klärt im exklusiven Interview auf und entlarvt die größten Irrtümer.
Mythos 1: Haie halten Surfer für Robben
Ein klassischer Mythos, der jedoch nicht der Realität entspricht. „So dumm sind Haie nicht“, betont Expertin Ziegler. Wäre diese Annahme korrekt, würden Angriffe ausschließlich dort stattfinden, wo auch Robben leben. Tatsächlich passiert etwas ganz anderes: Bei schlechter Sicht erkennt der Hai oft nicht genau, was sich vor ihm befindet. In solchen Situationen führt er einen sogenannten „Testbiss“ durch, um zu prüfen, ob das Objekt fressbar ist. Der Grund dafür liegt in ihrer Anatomie: Haie besitzen keine Zunge, ihre Geschmacksknospen befinden sich hinten im Gaumen.
Mythos 2: Haie müssen ständig schwimmen
Diese Aussage ist teilweise richtig. Hochseehaie müssen tatsächlich in Bewegung bleiben, damit Wasser kontinuierlich durch ihre Kiemen strömt und sie atmen können. Andere Hai-Arten verhalten sich jedoch deutlich entspannter. Sie verfügen über die Fähigkeit, aktiv Wasser durch ihre Kiemen zu pumpen. Dadurch können sie sogar am Meeresboden liegen oder im Wasser „stehen“, ohne zu ersticken.
Mythos 3: Der Weiße Hai ist der gefährlichste
Zwar ist der Weiße Hai besonders berüchtigt, doch er ist nicht der einzige gefährliche Vertreter seiner Art. Auch Bullenhaie, Tigerhaie oder Weißspitzenhochseehaie können für Menschen bedrohlich werden. Interessanterweise gibt es weltweit nicht mehr Unfälle mit Weißen Haien als mit anderen Arten. Insgesamt bleiben die Zahlen erstaunlich niedrig: Pro Jahr ereignen sich nur etwa zehn tödliche Vorfälle weltweit.
Mythos 4: Haie können Blut kilometerweit riechen
Ja, diese Fähigkeit besitzen Haie tatsächlich. Sie können Blutspuren ähnlich wie Spürhunde verfolgen. Allerdings löst Menschenblut bei ihnen keine Fresslust aus. „Kenne ich nicht“, lautet eher die Reaktion der Tiere. Die dramatische Geschichte vom blutenden Schiffbrüchigen, der sofort gefressen wird, entpuppt sich somit als reiner Mythos.
Mythos 5: Auf die Nase schlagen hilft
Davon rät Expertin Ziegler ausdrücklich ab. Wer einem Hai bereits so nahe ist, dass er ihn auf die Nase schlagen könnte, befindet sich bereits in ernster Gefahr. Besser ist es, Abstand zu halten und dem Tier ein Objekt entgegenzuhalten – beispielsweise Flossen oder eine Kamera. Dies erzeugt Druckwellen, die den Hai zum Ausweichen bewegen.
Fazit: Respekt statt Angst
Haie sind keine gnadenlosen Killer, sondern hochspezialisierte Meeresbewohner mit faszinierenden Fähigkeiten. Wer ihre Biologie und ihr Verhalten versteht, verliert die unbegründete Angst und gewinnt stattdessen Respekt für diese beeindruckenden Tiere. Die kontinuierliche Nachwachsung ihrer Zähne – ein Hai kann im Laufe seines Lebens mehrere zehntausend Zähne verlieren und ersetzen – ist nur eines von vielen Beispielen ihrer evolutionären Anpassung.



