Ein leises Surren im Garten, der Rasen wird wie von selbst gekürzt – und irgendwo im Gras kauert ein Igel. Es ist Nacht, er ist auf Futtersuche. Plötzlich kommt der Mähroboter näher. Statt zu fliehen, rollt sich das Tier ein – und gerät in tödliche Gefahr. Ein dramatisches Problem, über das auch PETBOOK (gehört ebenfalls zu Axel Springer) berichtet.
Immer häufiger landen schwer verletzte Igel in Auffangstationen. Die Ursache: autonome Gartengeräte, die eigentlich für Ordnung im Garten sorgen sollen.
Wenn Technik zur Gefahr wird
Mähroboter arbeiten selbstständig, oft stundenlang – auch nachts. Genau dann sind Igel aktiv. Die Tiere streifen durch Gärten auf der Suche nach Nahrung. „Oft erwecken die Mähroboter den Eindruck, sie könnten Igel erkennen oder es wird sogar Werbung dafür gemacht.“
In einer Studie des Leibniz-Instituts in Berlin wurde aber herausgefunden, dass es keinen Mähroboter gibt, der Igel erkennt“, sagt Carina Draken von der Notfallstation Casa dei Riccio – Haus der Igel e.V. Die Maschinen fahren die Tiere an oder überrollen sie und fügen ihnen teils tödliche Schnittwunden zu.
Schwere Verletzungen durch scharfe Klingen
„Am häufigsten haben wir mit Mähroboter- und Kantenschneiderverletzungen zu tun“, berichtet Draken. Treffen die rotierenden, scharfen Messer auf einen Igel, kommt es zu schweren Schnittwunden. Rücken, Kopf, Schnauze oder Beine werden verletzt und in manchen Fällen sogar gänzlich abgetrennt. Die tiefen Wunden können sich entzünden oder Brutstätte für Fliegeneier werden.
In der Auffangstation hat Draken jeden Tag damit zu tun. Ein besonders schlimmer Fall blieb ihr im Kopf: „Schlimm in Erinnerung geblieben ist mir ein Fall aus dem letzten Jahr, in dem einem Igelbaby die Nase abgetrennt wurde.“
Igel sind keine Fluchttiere
Die Igel sind für die Roboter leichte Opfer. Die stacheligen Wildtiere flüchten nicht, sondern verharren bei Gefahr. Sie machen sich klein, rollen sich ein und warten ab. Was eine gute Abwehrstrategie gegen Füchse und Hunde ist, wird ihnen bei einer Begegnung mit einem Mähroboter zum Verhängnis. Während der Roboter weiterfährt, bleibt der Igel schutzlos liegen.
Bei Gefahr verharren Igel und rollen sich zusammen.
Jeden Tag neue Notfälle
Wie groß das Problem ist, zeigen die Zahlen aus der Praxis. Bis Anfang Mai 2026 wurden allein in der Notfallstation von Draken 32 Igel mit Schnittverletzungen durch Mähroboter oder Kantenschneider behandelt. Mit Beginn der Gartensaison kommt täglich mindestens ein verletztes Tier dazu, erzählt die Expertin.
Die Überlebenschancen hängen stark vom Zustand der betroffenen Igel ab. Gesunde Tiere können sich oft erholen. Doch viele sind durch Hunger und Durst stark geschwächt. Für sie liegt die Überlebenschance nur bei etwa 50 Prozent.
Diese Fehler machen viele Gartenbesitzer
Viele lassen ihre Mähroboter ausgerechnet dann laufen, wenn Igel unterwegs sind: am Abend, in der Dämmerung oder nachts. Das Risiko, die Tiere zu verletzen steigt massiv.
Doch auch tagsüber gibt es keine Entwarnung. „Niemals Mähroboter unbeaufsichtigt fahren lassen, auch nicht tagsüber, da sind die schwachen und hungrigen Igel und die Mamas mit Babys unterwegs“, warnt Draken. Gerade schwache Tiere oder Igelmütter mit Nachwuchs sind dann im Garten.
Nicht nur Rasenmäher stellen eine Gefahr dar. Auch Rasentrimmer und Kantenschneider sorgen regelmäßig für Verletzungen bei Igeln. Zudem steigt die Anzahl von Tieren, die durch Mäuse- und Rattenfallen verletzt wurden.
Auch Rasentrimmer und Kantenschneider sorgen für Verletzungen bei Igeln.
So schützen Sie Igel im Garten
Der wichtigste Schutz ist Aufmerksamkeit. Wer einen Mähroboter nutzt, sollte ihn nur unter Aufsicht laufen lassen. Noch besser, sagt die Expertin, ist selbst zu mähen.
Auch die Gestaltung des Gartens spielt eine Rolle. Wilde Ecken bieten Nahrung und Schutz. Dort können sich Insekten und Käfer ansiedeln, die wiederum eine wichtige Futterquelle für Igel sind. Verstecke wie Benjeshecken dienen zugleich als Unterschlupf und Buffet.
Wer einen verletzten Igel findet, sollte möglichst schnell handeln. Das Tier vorsichtig mit Handschuhen oder einem Tuch aufnehmen und in eine Box setzen und vor Sonne und Fliegen schützen. Dann sofort eine Wildtierstation kontaktieren. Wichtig: Geben Sie nur Wasser. Igel sind laktoseintolerant und dürfen deswegen keine Milch zu sich nehmen.



