Tierschützerinnen aus Mecklenburg-Vorpommern leisten beeindruckende Hilfe in Rumänien
Mit einem vollen Gewissen, aber einer leeren Vereinskasse haben Gesine Gumzow (37) aus Penzlin und Maria Kaiser (40) aus Pasewalk das Osterwochenende hinter sich gebracht. Die beiden Vorsitzenden des Vereins Tierschutzhund waren in Rumänien unterwegs, um sich dort für Straßenhunde einzusetzen. Ihr Engagement zeigt, wie viel mit gezielten Hilfsaktionen und Spendengeldern aus Deutschland bewegt werden kann.
Emotionale Einsätze und praktische Hilfe
„Ich hätte weinen können, als wir zurück nach Hause mussten. Wie immer hatte ich das Gefühl, viel zu wenig geholfen zu haben“, beschreibt Gesine Gumzow die emotionale Belastung ihrer Arbeit. Das Tierleid in Rumänien sei unüberschaubar groß, sodass die knapp 50 Hündinnen und einige Katzen, die bei ihrem jüngsten Einsatz kastriert wurden, wie ein Tropfen auf den heißen Stein wirken könnten.
Doch jede dieser Kastrationen verhindert, dass die Hündinnen jährlich 16 bis 20 Welpen zur Welt bringen, die ebenfalls auf der Straße leben und sich weiter vermehren würden. So betrachtet, habe der Verein in seinem knapp dreiviertel Jahr Bestehen mit Spendengeldern aus Deutschland bereits Erhebliches bewirkt.
Vielseitige Unterstützung vor Ort
Neben den Kastrationen, die das Hauptanliegen des Vereins aus der Mecklenburgischen Seenplatte und Vorpommern darstellen, wurden kranke Hunde operiert oder anderweitig behandelt. Die beiden Frauen reisten mit einem bis unters Dach mit Futterspenden beladenen Auto knapp 2000 Kilometer, um ihre Hilfe zu leisten.
Ihre erste Station war der Hof einer einheimischen Tierschützerin im Süden Rumäniens an der Grenze zu Bulgarien. Diese beherbergt rund 60 ehemalige Straßenhunde und benötigt Unterstützung in allen Bereichen. „Gabriela widmet ihr ganzes Leben den Hunden, die sonst keine Chance hätten“, schildert Gumzow die Situation. Dank regelmäßiger Spenden von Paten aus Deutschland kann der Verein dieser Auffangstation wöchentlich Futtergeld für 41 Hunde überweisen.
Großer Andrang bei Kastrationsaktionen
Anschließend fuhren beide weiter nach Siebenbürgen in der Mitte des Landes, wo ein befreundeter Tierarzt in seinem Kastrationsmobil mehr als 40 vor allem weibliche Tiere operierte. In Zusammenarbeit mit örtlichen Tierschutzorganisationen, Bürgermeistern und anderen Helfern wurde die Bevölkerung im Vorfeld informiert, wann das Kastrationsteam wo anzutreffen ist. Der Andrang war enorm.
Viele Rumänen teilen die Meinung der deutschen Tierschützer, dass Kastration das Übel an der Wurzel packt. „Die Leute dort haben aber wirklich kein Geld, müssen überlegen, ob sie sich Essen kaufen oder Hunde kastrieren lassen“, berichtet Gesine Gumzow. „Sie brachten uns Hunde in allen möglichen Transportbehältern, manche einfach auf dem Arm.“
Herausforderungen und nächste Schritte
Rund 30 Euro kostet der chirurgische Eingriff bei dem rumänischen Tierarzt, der Sonderkonditionen aufgrund der großen Anzahl an Operationen anbietet. Für deutsche Verhältnisse ist das preisgünstig, für rumänische jedoch nicht – und auch für den Verein eine finanzielle Herausforderung, die sich bei vielen Hunden summiert.
„Jetzt ist genau die Zeit, wir müssen genau jetzt kastrieren“, betont Gumzow. Im Winter sei es zu kalt, um frisch operierte Tiere wieder auf die Straße zu schicken, ab Juni sei es zu spät, weil sich neue Würfe anbahnen. Bereits für Mai ist die nächste Aktion geplant, dieses Mal wollen die Frauen fliegen.
Persönlicher Einsatz und Vereinsentwicklung
Die Tierschutzarbeit mache weder Spaß noch falle sie leicht, erklärt die Unternehmerin, die in Penzlin ein Hundezentrum betreibt und in ihrer Freizeit den Verein leitet. Die psychische Belastung sei immens. Ihrer Stellvertreterin aus Pasewalk, hauptberuflich Schulsekretärin, gehe es ähnlich.
„Aber einer muss es ja machen. Unsere Hilfe dort ist so wichtig, das muss einfach gemacht werden“, so Gumzow. Die dankbaren Reaktionen vor Ort bestätigen ihr immer wieder, dass sie für die richtige Sache kämpft.
Der Verein ist von anfangs sieben auf mittlerweile 21 Mitglieder gewachsen. Mehr Helfer sind stets willkommen, insbesondere jemand, der sich um den Auftritt in den sozialen Medien kümmert. Um die Vermittlung rumänischer Hunde kümmert sich der Verein nicht direkt, stellt aber Kontakte zu befreundeten Organisationen her.
Frühlingsfest zur Unterstützung
Am Sonnabend, dem 25. April, lädt der Verein zu einem Frühlingsfest am Hundezentrum im Bollenweg 5 in Penzlin ein. Von 10 bis 16 Uhr gibt es einen Flohmarkt für Tier und Mensch, Ernährungsberatung für Hunde, Kunsthandwerk und mehr. Alle Einnahmen kommen Hunden in Rumänien zugute. Wer den Verein Tierschutzhund unterstützen möchte, findet weitere Informationen auf der Homepage, Facebook oder Instagram.



