Gestrandeter Buckelwal vor Wismar: Experten sehen keine Rettungschance mehr
Seit etwa einer Walle liegt ein kranker Buckelwal im flachen Ostseewasser vor der Küste von Wismar. Ein Expertenteam aus Meeresbiologen und Veterinären hat nun nach intensiven Untersuchungen ein ernüchterndes Gutachten vorgelegt: Das zwölf Tonnen schwere Tier hat nach aktuellem Stand keine Überlebenschance mehr.
Transport unmöglich - Haut würde beim Anheben reißen
Die Experten haben alle denkbaren Rettungsoptionen geprüft, darunter auch den Einsatz eines speziellen Katamarans aus Dänemark, der das Tier mit Gurten hätte anheben können. Doch die Wissenschaftler kommen zu einem klaren Schluss: Der Gesundheitszustand des Wals lässt einen Transport nicht zu. „Wenn wir das Tier anheben, reißt die Haut“, erklärt Expertin Stephanie Groß deutlich. Der Wal leidet unter schweren Hautproblemen, die durch den zu geringen Salzgehalt der Ostsee verursacht wurden.
Zusätzlich zu den Hautschäden ist der Buckelwal verletzt - vermutlich durch eine Schiffsschraube. Es finden sich außerdem Abdrücke, die wahrscheinlich von einem Netz stammen. Durch sein enormes Gewicht ist das Tier zudem in den Meeresboden eingesunken.
Umweltminister Backhaus: „Alles richtiggemacht“
Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus (SPD) stellte sich gemeinsam mit den Wissenschaftlern den Fragen der Öffentlichkeit und der Presse. Er betonte, dass die Behörden bei den Rettungsbemühungen „alles richtiggemacht“ hätten. Die Kosten der bisherigen Maßnahmen kann Backhaus nicht genau beziffern, verweist aber darauf, dass bereits Unternehmen aufgrund des medialen Drucks von einer möglichen Bergung abgesehen hätten.
Der Minister schließt aktive Sterbehilfe kategorisch aus: „Das sind Maßnahmen, die sind für mich nicht zu akzeptieren. Es ist ein Wildtier, das in der Natur seinen Prozess jetzt durchlaufen muss - so schrecklich es auch ist.“ Zuvor waren verschiedene Tötungsmethoden wie Harpunen, Waffen, Gift oder Sprengladungen von den Experten geprüft worden.
Wasserpegel zu niedrig für Rettung
Obwohl der Wasserpegel in der Bucht nach Angaben des Bundesamts für Seeschifffahrt und Hydrographie wieder gestiegen ist, reicht dies bei weitem nicht aus. Für ein selbstständiges Freischwimmen bräuchte es laut den Experten mindestens weitere 60 Zentimeter Wasser. Der Wal hat sich in den vergangenen Wochen bereits viermal an verschiedenen Ostseeküsten festgesetzt.
Wie stirbt ein gestrandeter Wal?
Tom Bär vom Deutschen Meeresmuseum in Stralsund erklärt die tödlichen Mechanismen: „Hauptgründe für das Sterben eines Wals am Strand sind Lageschäden, Überhitzung und Vorschädigungen. Größere Wale erleiden dabei Schäden durch die Kompression insbesondere in der Lunge, da sie normalerweise ihr Körpergewicht nicht tragen müssen.“
Die Meeresbiologin Tamara Narganes Homfeldt von der Organisation Whale and Dolphin Conservation ergänzt: „Bei einem Großwal kann der Sterbeprozess mehrere Tage dauern, während denen der Druck des eigenen Körpergewichts zunehmend die Organe schädigt.“ Dies führe schließlich zu einem Kreislaufkollaps und Organversagen.
Nach dem Tod des Wals würden sich innerhalb weniger Tage Gase bilden, die den Kadaver aufblähen und für starke Verwesungsgerüche sorgen. In der offenen See sinken Wale nach ihrem Tod auf den Meeresboden und werden dort zu einer wichtigen Nahrungsquelle für viele Arten, während gleichzeitig Kohlenstoff langfristig gebunden wird.
Die Experten gehen davon aus, dass der Buckelwal in den kommenden Tagen bis Wochen im flachen Ostseewasser verenden wird. Eine Rettung ist nach dem aktuellen Gutachten nicht mehr möglich.



