Stintsaison an der Elbe nimmt verspätet Fahrt auf
Nach wochenlangen Eisbedingungen auf der Elbe können die Fischer endlich ihre Arbeit aufnehmen. Die Stintsaison beginnt in diesen Tagen, allerdings mit deutlicher Verzögerung. Wilhelm Grube, der einzige Stintfischer östlich von Hamburg, erklärt die schwierigen Startbedingungen: „Eigentlich ist das Wasser mit etwa 2,5 Grad noch zu kalt. Die Stinte brauchen fünf bis zehn Grad.“ Trotzdem fängt seine Mannschaft täglich bis zu knapp 300 Kilogramm der begehrten Fische.
Familienbetrieb mit internationaler Erfahrung
Der Traditionsbetrieb in Hoopte im Landkreis Harburg wird von Wilhelm Grube gemeinsam mit seinen Söhnen Per-Willem (33) und Jonas (21) geführt. Seit Ende vergangener Woche fahren sie täglich mit ihrem kleinen Boot auf den Fluss, um Dutzende grüne Plastik-Fangkörbe zu leeren. Per-Willem ist extra für die Saison aus Kanada angereist, wo er normalerweise Hummer fängt. „Das ist eine schöne Abwechslung, die Arbeit ist stürmischer und rauer“, erzählt der junge Fischer von seinen Erfahrungen in Nova Scotia.
Besorgniserregende Zustände des Flusses
Die Fischerfamilie macht sich große Sorgen um den Gesundheitszustand der Elbe. Per-Willem Grube betont: „Es ist wichtig zu gucken, was man vor der Haustür hat. Und dafür zu kämpfen, dass die Elbe gesünder wird.“ Die Probleme sind vielfältig:
- Die Strömung und Verschlammung verkleinern die Beute seit Jahren
- Die Elbvertiefung hat zu erhöhter Verschlammung zwischen Cuxhaven und Hamburg geführt
- Die Stintbestände sind deutlich zurückgegangen
„Dem Fluss geht es nicht gut, da sind nicht mehr viele Stinte übriggeblieben“, fasst der Fischer die Situation zusammen. „Je tiefer, desto mehr Fisch stirbt“, fügt er mit Nachdruck hinzu.
Tradition mit modernen Herausforderungen
Vor drei Jahren hat Wilhelm Grube seine beiden Söhne, die beide als Fischwirte ausgebildet sind, in den Betrieb aufgenommen und eine gemeinsame Gesellschaft gegründet. Der Kontrast zur Vergangenheit könnte größer nicht sein: Während die Vorfahren noch so viele Stinte fingen, dass der Überschuss als Dünger auf den Feldern untergepflügt wurde, kämpft die heutige Generation um jedes Kilogramm.
Auf dem eigenen Hof mit angeschlossener Gaststätte wird die Delikatesse verarbeitet und von Donnerstag bis Sonntag verkauft sowie serviert. Doch auch hier zeigen sich Veränderungen: „Wenn ich auf unsere Liste gucke, da sind in den letzten 15 Jahren über die Hälfte weggebrochen“, berichtet der 70-jährige Grube über die schwindende Zahl der belieferten Restaurants. Auch gebe es in der Umgebung weniger Stammtische.
Beliebte Frühjahrsdelikatesse
Trotz aller Herausforderungen bleibt der Stint eine beliebte Frühjahrsdelikatesse. An den Wochenenden halten viele Ausflugsbusse in Hoopte, um das klassische Frühjahrsessen zu genießen. Für die Saison haben sich einige Servicekräfte aus der Umgebung bereiterklärt, allerdings meist nur in Teilzeit. „Ich habe viele, die uns helfen. Aber mehr als die Teilzeit wollen sie dann nicht arbeiten“, erklärt Grube.
Der Senior denkt noch nicht ans Aufhören: „Das ist meine Berufung. Warum soll man aufhören, wenn man älter wird? Da weiß man doch viel mehr“, meint er lachend. Die Arbeit mit seinen Söhnen bereitet ihm weiterhin Freude.
Saisonverlauf und Perspektiven
Die Stintsaison dauert bis Mitte April – dann wandern die Schwärme von der Nordsee in Elbe und Weser flussaufwärts, um zu laichen. Die lachsähnlichen, etwa 20 Zentimeter kleinen Tiere müssen dabei gegen die Strömung aus Richtung Dresden anschwimmen. Nach dem Stint werden Aal und Elbbutt gefangen, bevor sich das Grube-Trio auch mal Freizeit gönnen kann – gern gemeinsam in Kanada.



