Storchenbestand in der Prignitz: Trockenheit setzt Adebaren zu, Nachwuchsprobleme nehmen zu
Storchenbestand in der Prignitz: Trockenheit setzt Adebaren zu

Storchenpopulation in der Prignitz: Bestand stabil, aber Nachwuchsprobleme durch Trockenheit

Seit Jahrzehnten beobachtet Falk Schulz als Storchenbeauftragter des Naturschutzbundes NABU die Weißstörche in der Prignitz. Seine langjährige Dokumentation zeigt ein klares Bild: Die zunehmende Trockenheit in der Region setzt den Adebaren erheblich zu und beeinträchtigt ihre Fortpflanzung.

Zahlenentwicklung der Storchenpaare

Im vergangenen Jahr haben sich 193 Storchenpaare in der Prignitz während der warmen Jahreszeit niedergelassen – exakt dieselbe Anzahl wie im Jahr 2024. Diese Zahl liegt im Trend der vergangenen Jahre, denn 2019 und 2020 wurden lediglich 185 beziehungsweise 186 Paare gezählt. Die absolute Population erscheint somit stabil.

Doch hinter diesen Zahlen verbergen sich besorgniserregende Entwicklungen: Im letzten Jahr blieb rund ein Viertel aller Storchenpaare ohne Nachwuchs. Zum Vergleich: 2024 waren es nur etwa 16 Prozent ohne Junge. In den Jahren 2018 und 2022 lag dieser Anteil sogar bei einem Drittel der Paare.

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Jungvogelzahlen und Nahrungsprobleme

Die absolute Zahl der Jungstörche zeigt Schwankungen: 2025 schlüpften 325 Junge, deutlich mehr als 2018 mit 289 oder 2022 mit 245 Jungtieren. Allerdings fiel diese Zahl deutlich geringer aus als 2024, als ein Rekord von 431 Jungstörchen verzeichnet wurde.

Falk Schulz führt das Geburtenhoch von 2024 auf das außergewöhnlich nasse Frühjahr zurück. Das lang anhaltende Hochwasser auf den Wiesen schuf ideale Bedingungen für Amphibien, eine Hauptnahrungsquelle der Störche. Auch Regenwürmer und andere Kleintiere standen in großer Menge zur Verfügung.

„In den vergangenen Jahren gab es diese günstigen Bedingungen immer seltener“, beklagt der Storchenexperte. „Im letzten Jahr war es im elbnahen Bereich wieder sehr trocken, die Amphibien konnten sich nicht mehr so zahlreich entwickeln wie im Jahr zuvor.“

Mehrere Faktoren beeinflussen den Bruterfolg

Die Probleme bei der Nahrungssuche wirken sich direkt auf die Reproduktion aus. Wo früher drei oder mehr Jungtiere pro Nest schlüpften, sind heute oft nur noch ein oder zwei Junge zu beobachten. Schulz erklärt: „Dann weichen Störche auch auf Insekten aus, aber das reicht nicht immer.“

Weitere Faktoren beeinflussen den Bruterfolg:

  • Die Bedingungen während des Vogelzugs: Harte Überwinterungsbedingungen kosten die Störche viel Kraft.
  • Witterung während der Brutzeit: Späte Kälteeinbrüche im Juni führen oft zum Verenden zahlreicher Jungtiere.

Ehrenamt mit großer Verantwortung

Seit 1984 zählt Falk Schulz den Storchennachwuchs in der Prignitz und hat diese Aufgabe von seinem Vater Herbert übernommen. „Manche Familien, die Horste auf ihren Grundstücken haben, kenne ich seit vier oder fünf Generationen“, erzählt der engagierte Naturschützer.

Seine Arbeit als Storchenbeauftragter ist ein reines Ehrenamt – abgesehen von einer bescheidenen Aufwandsentschädigung erhält er keine Vergütung für die aufwendige Zählarbeit. „Mein Ehrenamt geht hart an den Rand dessen, was möglich ist“, gesteht Schulz. „Aber wir haben da auch eine Verantwortung zu tragen.“

Mittlerweile koordiniert er für den NABU sogar die Weißstorchzählung in ganz Brandenburg. Im vergangenen Jahr wurden in der Mark 1330 Storchenpaare und 1471 geschlüpfte Junge dokumentiert.

Unsicherer Ausblick für das laufende Jahr

Für das aktuelle Jahr wagt Schulz noch keine konkrete Prognose, wie sich der strenge Frost der ersten Jahreswochen auf die Storchenpopulation auswirken wird. „Wir müssen sehen, wie das Wasser in der Landschaft gehalten wird“, so der Storchenbeauftragte. „Erste verlässliche Prognosen sind erst im Juli oder August möglich.“

Die Entwicklung der Storchenpopulation in der Prignitz bleibt somit ein sensibler Indikator für den Zustand der regionalen Ökosysteme. Die Arbeit von Falk Schulz und seinen Mitstreitern dokumentiert nicht nur die Bestandsentwicklung der charismatischen Vögel, sondern auch die zunehmenden Herausforderungen durch veränderte Klimabedingungen.

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