Greenpeace zu hohem Schadensersatz verurteilt: 345 Millionen Dollar für Pipelineproteste
Rund zehn Jahre nach den massiven Protesten gegen die umstrittene Dakota Access Pipeline in den USA hat ein Gericht die Umweltschutzorganisation Greenpeace zu einer Entschädigungszahlung von 345 Millionen Dollar an den Pipelinebetreiber Energy Transfer verurteilt. Das Urteil stellt einen bedeutenden Rückschlag für die Aktivisten dar, die umgehend Berufung gegen die Entscheidung angekündigt haben.
Hintergrund: Jahre langer Rechtsstreit um Pipelineproteste
Der Rechtsstreit geht auf die intensiven Proteste der Jahre 2016 und 2017 zurück, die sich gegen den Bau der mehr als 1700 Kilometer langen Dakota Access Pipeline richteten. Diese Pipeline transportiert Öl von zahlreichen Frackingbohrstellen in North Dakota bis nach Illinois und führt durch Gebiete indigener Sioux-Stämme. Die Proteste wurden von der indigenen Bevölkerung und Greenpeace organisiert, die eine Grundwasserverschmutzung im Falle eines Lecks sowie die durch das Öl verursachten Treibhausgasemissionen befürchten.
Die Protestbewegung erlangte nationale Aufmerksamkeit, als die US-Regierung unter Präsident Barack Obama den Bau vorübergehend stoppte. Im Februar 2017 ordnete jedoch Präsident Donald Trump per Dekret den Weiterbau an, und bereits im Juni 2017 wurde die Pipeline offiziell in Betrieb genommen.
Gericht halbiert ursprüngliche Schadensersatzsumme
Interessanterweise hat das Gericht die ursprünglich von einer Geschworenenjury festgelegte Entschädigungssumme von 600 Millionen Dollar nahezu halbiert. Dennoch bewertet Greenpeace das Urteil als schweren Rückschlag. Kristin Casper, Chefjustiziarin von Greenpeace International, betonte: "Dieser Rechtsstreit ist noch lange nicht vorbei." Die Organisation sieht in dem Verfahren eine sogenannte Einschüchterungsklage, die darauf abziele, die freie Meinungsäußerung zu unterbinden.
Vorwürfe des Pipelinebetreibers und rechtliche Grundlagen
Der Pipelinebetreiber Energy Transfer hatte Greenpeace wegen der Proteste auf Schadensersatz verklagt und der Organisation eine gewalttätige und verleumderische Kampagne vorgeworfen. Anwalt Trey Cox argumentierte, Greenpeace habe den Stamm der Standing Rock Sioux "ausgenutzt", um ihre Agenda gegen fossile Brennstoffe voranzutreiben. Das Urteil basiert unter anderem auf Anklagepunkten wie Hausfriedensbruch und Belästigung.
Greenpeace Deutschland hatte bereits im März 2025 erklärt, dass es in dem US-Verfahren darum gehe, Aktivisten einzuschüchtern und legitimen Protest zu kriminalisieren. Die Organisation bleibt bei ihrer Position, dass die Proteste notwendig waren, um auf die Umweltrisiken und die Rechte der indigenen Bevölkerung aufmerksam zu machen.
Mit der angekündigten Berufung wird der Rechtsstreit voraussichtlich noch Jahre andauern und weiterhin internationale Aufmerksamkeit auf die Spannungen zwischen Umweltschutz, Unternehmensinteressen und indigenen Rechten lenken.



