Umweltbundesamt warnt: Schadstoff aus Sonnencreme weiterhin in Urin fast aller Kinder
Berlin – Das Umweltbundesamt (Uba) schlägt erneut Alarm: In 92 Prozent der Urinproben von Kindern und Jugendlichen, die im Frühjahr und Sommer 2025 gesammelt wurden, haben Experten den gefährlichen Weichmacher MnHexP nachgewiesen. Damit bestätigt sich ein besorgniserregender Trend, der bereits vor zwei Jahren erstmals festgestellt wurde. Fast alle Kinder und Jugendlichen sind von dieser Belastung betroffen.
Gefährlicher Stoff in fast allen Proben
MnHexP ist ein Abbauprodukt des gesundheitsschädlichen Weichmachers Di-n-hexyl-Phthalat (DnHexP). Dieser Stoff kann die Fortpflanzung schädigen und ist in der Europäischen Union nicht zugelassen. Bereits 2024 hatte das Umweltbundesamt erstmals über belastete Urinproben berichtet. Etwa zur gleichen Zeit entdeckte das Landesamt für Natur, Umwelt und Klima in Nordrhein-Westfalen den Stoff bei Kindergartenkindern.
Die Ursache für die Belastung war zunächst unklar. Dann kam die Erklärung: Der Stoff gelangt über verunreinigte UV-Filter in Sonnencremes in den Körper. Dieser Zusammenhang zeigt sich auch bei den aktuellen Daten deutlich. DnHexP kann bei der Herstellung des häufig zugesetzten UV-Filters Diethylamino-Hydroxybenzoyl-Hexylbenzoat (DHHB) entstehen.
Strengere Regeln erst ab 2027
Erst ab Januar 2027 gelten in der EU strengere Regeln für den maximal erlaubten DnHexP-Gehalt in Sonnenschutzmitteln mit diesem UV-Filter. Obwohl der Stoff an sich in der EU nicht zugelassen ist, kann er als Verunreinigung bei der Herstellung des UV-Filters DHHB entstehen. Für diese Verunreinigungen werden ab kommenden Jahr die Grenzwerte nachgeschärft.
Dennoch betonen Experten: Die Verwendung von Sonnenschutzmitteln bei Kindern und Jugendlichen bleibt essenziell, um das Risiko von Hautkrebs zu minimieren. Für die neue Analyse untersuchten Experten 259 Urinproben von Kindern und Jugendlichen im Alter von 6 bis 17 Jahren aus den Monaten April bis Juli 2025. Zwei Teilnehmer überschritten den vom Umweltbundesamt ausgewiesenen Beurteilungswert von 60 Mikrogramm pro Liter Urin – sie kamen auf Werte von 83 beziehungsweise 107 Mikrogramm pro Liter.
Die anhaltend hohe Belastung unterstreicht die Dringlichkeit der Problematik. Eltern und Verbraucher sollten sich der Risiken bewusst sein, während die Behörden auf strengere Regulierungen ab 2027 hoffen. Die Situation bleibt bis dahin kritisch und erfordert erhöhte Aufmerksamkeit.



