Winter-Altlasten in Waren: Der Weg des Streusands nach dem Frost
Der Winter hat sich in der Müritzregion vor einigen Tagen verabschiedet, doch seine Spuren sind noch allgegenwärtig. Auf Straßen und Wegen knirscht und staubt es gewaltig, denn in diesem Jahr wurde aufgrund häufiger Glätte und Kälte besonders viel Streusand ausgebracht. Allein in Waren verteilte der städtische Bauhof nach eigenen Angaben etwa 975 Tonnen Streusand auf Fahrbahnen und Gehwegen. Zusätzlich kamen auf Gefällestrecken, vor Schulen und entlang von Rettungswegen 103 Tonnen Feuchtsalz zum Einsatz.
Auswirkungen auf Kanalisation und Trinkwasser
Doch was bedeutet dieser massive Einsatz von Streumitteln für die Umwelt, insbesondere für die Kanalisation und das Trinkwasser? In Waren wird Regen- und Tauwasser überwiegend über ein Trennsystem abgeführt. „Das Oberflächenwasser von den Straßen gelangt in der Regel nicht direkt in die Kläranlage, sondern über Regenrückhaltebecken oder Ausläufe in umliegende Gewässer“, erklärt Stadtwerke-Geschäftsführer Michael Hübner. Nur geringe Mengen würden über das Mischsystem der Kläranlage zugeführt, wo Streusande bereits in der mechanischen Reinigungsstufe entfernt werden. Ein messbarer Mehraufwand entstehe dadurch nicht.
Auch erhöhte Salz- oder Chloridwerte seien in diesem Winter nicht festgestellt worden. „Es handelt sich um sehr geringe salzbelastete Abwassermengen. Auswirkungen auf die biologische Reinigungsstufe gibt es nicht“, versichert Hübner. Größeren Einfluss auf die Mikroorganismen in der Kläranlage habe vielmehr die Temperatur des Abwassers.
Wie viel Streusand landet tatsächlich in der Kanalisation?
Etwa die Hälfte des ausgebrachten Streusandes könne durch die Straßenreinigung wieder aufgenommen werden, teilt die Warener Stadtverwaltung mit. „Wie viel es letztendlich tatsächlich ist, hängt stark von den Niederschlägen ab“, erklärt Stadtsprecherin Maxi Rühlmann. Regen spüle einen Teil in die Kanalisation oder in die Banketten, was die Entsorgung erschwert.
Mit Blick auf künftige Winter gibt es einen klaren Appell der Stadtwerke: „Wichtig ist, Streugut möglichst kurzfristig von der Fahrbahn zu entfernen, um den Eintrag in die Kanäle zu minimieren“, betont Hübner. Zudem solle mit Streusalz sparsam umgegangen werden, da Chloride in der Kläranlage nicht abgebaut werden könnten und langfristig im Grundwasser ankämen.
Zukunftsperspektiven und öffentliche Einblicke
Ob es Anpassungen beim Streumittel-Einsatz geben wird, wird nach Angaben der Stadtverwaltung derzeit geprüft. Eine endgültige Entscheidung steht noch aus. Wer mehr Einblicke in das Thema Trinkwasser und Abwasser gewinnen möchte, hat noch in diesem Monat Gelegenheit dazu: Anlässlich des Tages des Wassers planen die Stadtwerke, die beiden Warener Wasserwerke sowie die Kläranlage für Besucher zu öffnen. Informationen zum Ablauf und zur Anmeldung sollen in Kürze bekannt gegeben werden.
Die Diskussion um Winter-Altlasten zeigt, dass ein nachhaltiger Umgang mit Streumitteln nicht nur eine Frage der Verkehrssicherheit, sondern auch des Umweltschutzes ist. Die Stadt Waren und ihre Stadtwerke setzen sich dafür ein, diese Balance zu wahren und die Öffentlichkeit über die Prozesse zu informieren.



