Denglisch in der DDR: Vom Broiler bis zur Datsche – Anglizismen im Alltag
Denglisch in der DDR: Vom Broiler bis zur Datsche – Anglizismen im Alltag

Im Herbst 1989, als Hunderttausende in Leipzig gegen die DDR demonstrierten, skandierten sie: „Wir sind keine Rowdys!“ – ein englischer Begriff, der die verblüffende Anglisierung der DDR-Alltagssprache widerspiegelt. Entgegen der Annahme, Englisch sei nur unter Stasi-Spionen verbreitet gewesen, war es längst zur Verkehrssprache im Warschauer Pakt geworden. So wurde der DDR-Spion Rainer Rupp unter dem Decknamen „Topas“ ins Nato-Hauptquartier in Brüssel eingeschleust, wo er auf Englisch Telefonate abhörte und Geheimpapiere auswertete.

Die englische Sprache war der deutlichste Ausdruck der Amerikanisierung, die in Ost und West gleichermaßen zwischen Begeisterung und Skepsis pendelte. In der DDR der 1960er Jahre stießen die Beatles auf große Resonanz, obwohl SED-Chef Walter Ulbricht vehement gegen Beat und Rock’n’Roll vorging. Junge Menschen im Osten wie im Westen sehnten sich nach mehr Jazz, Pop und Pep im Leben – ein Schlachtruf für individuelle und politische Freiheit, eng mit der englischen Sprache verbunden.

Sprachwissenschaftler wie Helmut Langner und Martin Lehnert belegten, wie sehr man im DDR-Alltag am Englischen Gefallen fand. Wie im Westen sprach man in den 1980er Jahren vom Manager, Job, Baby, Babysitter, Toaster oder Skateboard. Man hatte Sex und Stress, pflegte Hobbys wie Jogging oder Bowling. Der „Broiler“ – ein DDR-Begriff für Hähnchen vom Grill – ist ein weiteres Beispiel für die Integration englischer Wörter in den ostdeutschen Sprachschatz, ebenso wie die „Datsche“ (vom russischen „datscha“), die jedoch slawischen Ursprungs ist.

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