In der engen Karlstraße von Bernkastel-Kues fällt ein besonderes Fachwerkhaus auf: das Spitzhäuschen aus dem Jahr 1416. Es gilt als eines der ältesten Gebäude an der Mittelmosel und neigt sich bis heute zur Seite, was Besucher staunen lässt.
Warum das Haus so schmal und hoch gebaut wurde, ist nicht eindeutig geklärt. Eine Theorie besagt, dass früher Grundsteuer nur auf die bebaute Fläche erhoben wurde. Eine andere Erklärung ist, dass die Gasse einfach zu eng für breitere Häuser war. Die Schräglage entstand erst im Laufe der Zeit, als der weiche Untergrund nachgab. Sein heutiges Aussehen mit freigelegtem Fachwerk erhielt es 1913.
Ursprünglich war das Spitzhäuschen wohl eine Winzerresidenz. Heute betreibt die Familie Schmitz-Herges dort eine Weinstube mit über 50 Weinsorten. Die Region ist eines der bekanntesten Weinbaugebiete Deutschlands.
Bekanntheit erlangte das Haus auch durch einen kurzen Auftritt im ersten Teil von „Harry Potter und die Heiligtümer des Todes“. Laut der Tourismus-Website der Stadt ist es in einer Szene in der Winkelgasse zu sehen. Allerdings taucht Bernkastel-Kues nicht in den Filmcredits auf, und das Gebäude ist nur unscharf und kurz zu erkennen. Nach Angaben der Touristeninformation wurde kein Filmteam vor Ort eingesetzt; es wurde lediglich ein Foto des Hauses verwendet.
Trotz des Harry-Potter-Bezugs kommen die meisten Besucher wegen der Altstadt, der Weinberge und der Burgruine Landshut. Auch Wanderer nutzen die Region, etwa auf dem Moselsteig. Das Spitzhäuschen bleibt ein ungewöhnliches Bauwerk mit langer Geschichte und einem kleinen, nicht eindeutig belegten Platz in der Filmwelt.



