Berlinale-Intendantin Tricia Tuttle hat klargestellt, dass sie an ihrem Posten festhalten möchte. „Ich bin sehr stolz auf mein Team und das Festival und möchte die gemeinsam begonnene Arbeit in vollem Vertrauen und mit institutioneller Unabhängigkeit fortsetzen“, sagte die 55-Jährige der Nachrichtenagentur dpa.
Zuvor war heftig über die Zukunft der Intendantin und des Festivals diskutiert worden. Kulturstaatsminister Wolfram Weimer (parteilos) hatte der „Rheinischen Post“ gesagt, Tuttle habe ihre Zukunft bei der Berlinale infrage gestellt. Sie habe ihm und seinem Amtschef vergangenen Dienstag gesagt, „sie könne in dieser vergifteten Atmosphäre und ihren politischen Spannungen die Berlinale kaum weiterführen“.
Tuttle erklärte nun, sie habe in dem Gespräch mit Weimer die Möglichkeit einer einvernehmlichen Kündigung diskutiert. Die Reaktionen aus der deutschen und internationalen Kulturszene, darunter auch israelische Kollegen, hätten ihre Klarheit wiederhergestellt. Es gehe nicht um eine einzelne Preisverleihung oder Person, sondern um das Prinzip, dass kulturelle Einrichtungen innerhalb demokratischer Rahmenbedingungen agieren können müssten.
Hintergrund der Debatte ist der Umgang mit dem Nahostkonflikt während des Festivals im Februar. Bei der Abschlussgala hatte der syrisch-palästinensische Regisseur Abdallah Alkhatib der Bundesregierung vorgeworfen, Partner „des Völkermords im Gazastreifen“ zu sein. Umweltminister Carsten Schneider (SPD) verließ daraufhin den Saal. Weimer und Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU) verurteilten die Aussagen.
Tuttle sagte, Alkhatib habe sich in stark rhetorischer Weise geäußert. Eine zentrale Aufgabe von Festivals sei es, Orte der Offenheit und des Dialogs zu bleiben und die Meinungsfreiheit aller Künstler zu wahren, auch wenn das Gesagte brisant sei. Die Berlinale habe trotz politischer Turbulenzen ihre Vitalität und Relevanz unter Beweis gestellt.



