Deutschland in der Azubi-Krise: Zu viele Tierpfleger, zu wenige Klempner
Unter den Augen von Jan Pflugstedt, Tierpfleger im Weltvogelpark Walsrode, klammert sich ein wenige Tage junges Faultier an das Muttertier. Dieses Bild steht symbolisch für eine der beliebtesten Ausbildungen – während wichtige Handwerksberufe leer ausgehen.
Wie schlimm steht es wirklich um die Chancen junger Menschen auf einen Ausbildungsplatz? Eine dramatische Lage zeichnet der Berufsbildungsbericht 2026, den Bundesfamilienministerin Karin Prien (CDU) am Mittwoch ihren Kabinettskollegen vorstellen wird. BILD liegt das 178-seitige Papier vor. Ergebnis: Deutschland steckt in der Azubi-Krise! Ein Grund: Häufig passen Wünsche und Fähigkeiten der Bewerber nicht zu dem, was die Betriebe brauchen. Prien nennt das fehlende „Passgenauigkeit“.
Schon die Basisdaten erschrecken: Zum 30. September 2025 wurden 476.000 Azubi-Verträge gezählt, 10.300 weniger als 2024 (−2,1 %). Bundesweit wurden 530.300 Ausbildungsstellen angeboten, 25.300 (−4,6 %) weniger als im Vorjahr.
Schlimmste Job-Krise seit 2007
Zum 30. September suchten 84.400 junge Frauen und Männer noch eine Ausbildungsstelle über die Bundesagentur für Arbeit (BA), 14.000 mehr als im Vorjahr. 39.900 davon hatten weder eine Weiterbildung noch eine Alternative – und standen blank da. Höchster Wert seit 2007. Gleichzeitig sank die Zahl unbesetzter Ausbildungsplätze (offene Stellen) auf 54.400 (−21,6 %). Damit überstieg die Zahl der Suchenden die der freien Plätze deutlich.
Lieber Tierpfleger als Klempner
Aus dem Bundesfamilienministerium heißt es dazu auf Anfrage, Bewerber drängten in „beliebte“ Ausbildungsberufe, wie Mediengestalter oder Tierpfleger. In anderen Bereichen fehlen dagegen dringend benötigte Nachwuchskräfte. Allen voran in Handwerksberufen wie Klempner, Rohrleitungsbauer, Beton- und Stahlbetonbauer oder Fleischer.
Mangelnde Fähigkeiten der Bewerber
Prien will mehr junge Menschen für eine Ausbildung gewinnen und Betriebe unterstützen, freie Plätze zu besetzen. Geplant sind bessere Berufsorientierung, gezielte Ansprache und mehr Förderprogramme. Doch viele Betriebe sehen deutliche Defizite. Es fehlt an grundlegenden Fähigkeiten wie Arbeitsverhalten, Sprache und Rechnen. Zudem scheitern viele Ausbildungen früh: 14 % der Betriebe, die bei der Industrie- und Handelskammer ohnehin schon über Besetzungsprobleme klagen, lösen Verträge in der Probezeit wieder auf.
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