Der Regen pladdert, durchnässt die Demonstranten – trotzdem versammeln sich über einhundert Mitarbeiter der Mediclin Müritz Kliniken in Waren zum Streik. Sie machen Krach, schwenken Fahnen und Banner und trillern mit ihren Pfeifen. Ihr Ziel ist klar: Tarifverträge für die Mitarbeiter, die keine Ärzte sind, aber dennoch täglich die Kliniken am Laufen halten. Mit Tarifverträgen soll eine 38,5-Stundenwoche möglich werden, mehr Urlaub, Lohn sowie Zulagen drin sein.
Hohe Streikbereitschaft trotz Notdienst und Regen
Unter den Demonstranten waren Mitarbeiter von Mediclin-Standorten in Waren, Röbel, Parchim und Neubrandenburg. „Die Leute wollen endlich einen Tarifvertrag und wir haben eine extrem hohe Mobilisierung und Streikbereitschaft in vielen Bereichen des Klinikums, obwohl wir überall Notdienste gewährleisten müssen. Nur grob ein Drittel des Klinikums kann überhaupt aktiv streiken“, sagte Friedrich Gottschewski von der Gewerkschaft ver.di dem Nordkurier. Eine Mediclin-Sprecherin bestätigte: „Die medizinische Notfallversorgung bleibt selbstverständlich jederzeit gewährleistet.“
Ziel der Aktion sei es, Aufmerksamkeit zu erzeugen. „Der Streik soll Druck auf den Arbeitgeber ausüben, wirtschaftlichen Druck. Das muss dem Arbeitgeber wehtun. Es ist ärgerlich und tut mir leid für die Patientinnen und Patienten, bei denen eine Operation mal einen oder zwei Tage verschoben werden muss. Das ist leider notwendig, um den Arbeitgeber an den Verhandlungstisch zu zwingen“, erklärte der Gewerkschafter. Die Geschäftsführung möchte seiner Aussage zufolge über keinen Tarifvertrag verhandeln, sondern interne Verträge vereinbaren.
„Wir verstehen, dass wir keinen Quantensprung in den Gehältern machen können, aber es kann so nicht weitergehen. Die Entgeltentwicklung der letzten Jahre war unterirdisch am Klinikum und die Arbeitsbedingungen sind weit unter dem, wie sie in anderen Kliniken üblich sind. Das kann man so nicht mehr dulden“, fuhr der Gewerkschafter fort. Ein Tarifvertrag wäre nötig, um für alle ein einheitliches Modell zu finden.
Längere Streiks sind laut Gewerkschaft möglich
Die Erfolgschancen schätzte Friedrich Gottschewski besonders aus einem Grund gut ein: „Durch die hohe Streikbereitschaft gehen wir davon aus, dass wir auch länger Streiks durchhalten, wenn der Arbeitgeber immer noch nicht versteht, an den Verhandlungstisch zu kommen.“
Anlass für die Demonstration war der Internationale Hebammentag am 5. Mai. Unter den Demonstranten war auch Marika Weber, die seit zwei Jahren in Waren als Hebamme arbeitet und an der Tarifkommission beteiligt ist. „Ich liebe es, Frauen bei der Geburt zu begleiten. Das macht mir Freude“, sagte sie dem Nordkurier. Allerdings sei das Team auf ihrer Station, die dauerhaft besetzt sein muss, ihrer Ansicht nach zu klein. Dem Team drohe die Überlastung.
Hebamme: In der Ausbildung gab es mehr Urlaubstage
Zudem würden die Gehälter ihrer Kolleginnen schwanken, sagt Weber. „Wir würden etwa zwischen 500 und 900 Euro mehr bekommen, mit einem Tarifvertrag.“ Außerdem stellt die 35-Jährige fest: „In meiner Ausbildung hatte ich mehr Urlaubstage als jetzt. Das kann nicht sein.“ Aktuell habe sie 28 Urlaubstage, bis zu zehn mehr wären mit einem angepassten Vertrag möglich. Dazu kämen Zulagen, die auch mehr Lohn bedeuten.
Gleichzeitig betonte sie: „Wir wollen die Klinik nicht in den Bankrott treiben. Ich fände es schade, wenn die Klinik schließen müsste. Das hätte für viele Mütter schwerwiegende Konsequenzen, denn es gibt nur wenige Kinderkliniken in der Gegend. Viele kommen daher nach Waren.“
So reagiert die Geschäftsführung auf den Streik
Wie geht die Geschäftsführung mit den Forderungen um? Auf Nachfrage hieß es von Mediclin: „Wir halten eine Betriebsvereinbarung für den geeigneteren Weg. Sie ermöglicht es uns, schneller und differenzierter auf Veränderungen – insbesondere die anstehenden Auswirkungen der Krankenhausreform – zu reagieren. ver.di verfolgt demgegenüber das Ziel eines Tarifvertrages. Diese Differenz ist sachlich und legitim und wir nehmen sie als solche ernst.“
In der Vergangenheit habe man gute Erfahrungen mit Gesprächen zwischen der gewählten Arbeitnehmervertretung und der Betriebsleitung gemacht. „Dabei legen wir seit vielen Jahren Wert darauf, in einem konstruktiven Dialog die Arbeitsbedingungen und die Vergütungsstruktur in unserer Klinik kontinuierlich weiterzuentwickeln. Wir sind davon überzeugt, dass es uns in dieser Konstellation am besten gelingt, die geeigneten Rahmenbedingungen für ein – für alle Seiten – zufriedenstellendes Arbeiten im Mediclin Müritz-Klinikum zu schaffen“, hieß es weiter.
Zwischen ver.di und der Geschäftsführung bestehe eine offene Kommunikation. Ziel bleibe es, gemeinsam mit der nicht-ärztlichen Belegschaft eine einvernehmliche Lösung zu finden, die sowohl die Arbeitsbedingungen der Beschäftigten verbessert als auch die wirtschaftlichen Voraussetzungen der Klinik berücksichtigt.
Der Streik dauerte nach Angaben der Gewerkschaft ver.di von der frühesten Frühschicht bis zur spätesten Spätschicht. Es handelte sich um den zweiten Streik des nicht ärztlichen Personals. Die Ärzte des Müritz-Klinikums haben hingegen bereits seit Juli 2025 einen konzernweiten Tarifvertrag der Ärztegewerkschaft Marburger Bund errungen.



