Wolfgang Kubicki über FDP-Zukunft: „Klingbeil kann Ukulele spielen“
Kubicki: Klingbeil kann Ukulele, aber keine Finanzpolitik

Wolfgang Kubicki, der ehemalige Bundestagsvizepräsident, hat in einem Interview mit BILD seine Ambitionen auf den FDP-Vorsitz bekräftigt und dabei deutliche Kritik an der aktuellen Bundesregierung geübt. Der 74-Jährige, der die liberale Partei nach dem Absturz aus dem Bundestag wieder führen will, nahm vor allem Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) und Kanzler Friedrich Merz (CDU) ins Visier.

Kubicki: „Ich kann nicht zusehen, wie die FDP zugrunde geht“

Auf die Frage, warum er nach seiner Aussage von Februar 2025, er sei nicht die Zukunft der Partei, nun doch für den Vorsitz kandidiere, antwortete Kubicki: „Ich habe festgestellt, dass meine Partei noch eine Zukunft braucht. Wir sind jetzt ein Jahr nicht mehr im Deutschen Bundestag vertreten und unterhalb der Wahrnehmbarkeitsschwelle geraten. Ich war immer wieder emotional berührt, dass wir in den Umfragen nicht mal mehr ausgewiesen werden. Und ich bin jetzt 56 Jahre in dieser Partei – ich kann einfach nicht zugucken, dass sie zugrunde geht.“

Unterschiede zur Lindner-FDP

Kubicki betonte, dass es keine „Kubicki-FDP“ geben werde. „Die Überlegung, wir haben dann einen Mann und der reißt es, ist falsch. Wir haben ein politisches Angebot, das in der jetzigen Zeit wieder aktuell wird. Denn alle Parteien reden davon, den Wohlstand zu erhalten, machen aber eine Politik, den Wohlstand zu vernichten. Da haben die Freien Demokraten ein unglaublich gutes Angebot. Sie brauchen nur ein Gesicht, das es transportieren kann.“

Breites Pickt-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App für Telegram

Kritik an der Regierung: Wohlstandsverlust und Vertrauensverlust

Kubicki nannte den Wohlstandsverlust als drängendstes Problem: „Wir verlieren jährlich zwischen 120.000 und 150.000 Industriearbeitsplätze. Wir haben die höchste Insolvenzwelle seit Langem. Wir erhöhen überall die Steuern – und es wird nicht gespart. Sondervermögen sind eigentlich Schulden, und Sparmaßnahmen sind Steuererhöhungen.“ Er kritisierte auch die angekündigte Zuckerabgabe: „Die Union beschließt, keine Zuckerabgabe zu wollen, und acht Wochen später macht der Kanzler genau das. Was soll man noch glauben?“

Angriff auf Klingbeil und Merz

Besonders scharf attackierte Kubicki Finanzminister Lars Klingbeil: „Der hat in seinem Leben noch nie Finanzpolitik gemacht, jetzt ist er Finanzminister. Problemlösungskompetenz? Null. Lars Klingbeil ist ein witziger Typ, kann gute Reden halten und Ukulele spielen. Ich habe das erlebt, könnte ihn dafür herzen. Aber jemanden, der noch nie Finanzpolitik gemacht hat, zum größten aller Finanzminister auszurufen, ist eine Tort.“

Zu Kanzler Friedrich Merz sagte Kubicki: „Ich kenne ihn lange und gut. Und ich dachte es wirklich. Mittlerweile beschleicht mich das Gefühl, dass alles nur vorgetäuscht ist. Er hält wunderbare Reden bei Verbänden, aber die praktische Politik am nächsten Tag ist das Gegenteil. Das macht Menschen irre.“

Brandmauer und Umgang mit der AfD

Kubicki äußerte sich auch zur sogenannten Brandmauer zur AfD: „Ich kenne nur eine Brandmauer in Gebäuden. Sonst steht weder eine in der Verfassung noch in einer gesetzgeberischen Initiative. Das ist erfunden worden, um die AfD auszugrenzen. Ich bin für Abgrenzung, nicht für Ausgrenzung. Es nützt eher der AfD, als dass es ihr schadet.“

Ziele für die Bundestagswahl

Auf die Frage nach dem nächsten Wahltermin und den FDP-Chancen antwortete Kubicki: „Ich vermute, dass Union und SPD zusammenhalten müssen, weil keiner vor die Wähler treten und sagen kann: Wir haben erfolgreiche Politik betrieben. Dieses Gewürge werden wir noch einige Zeit erleben. Mein Ziel ist, die FDP wieder zweistellig zu machen.“ Er verwies auf die Ergebnisse von 2017 (10,7 Prozent) und 2021 (11,4 Prozent): „Weniger zu wollen, ist unterambitioniert.“

Pickt After-Article-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App mit Familien-Illustration