Wenn die Werkstatt-Rechnung zu teuer wird, kommen Autofahrer zu Rudi. 24 Stunden Zugang, eigene Bühne, volle Freiheit: Rudi Graf hat in Schwerin eine Mietwerkstatt aufgebaut, die mehr ist als nur ein Ort für Autoschrauber – sie ist ein Herzensprojekt.
Vom Hobbyschrauber zum Unternehmer
Rudi Graf ist 25 Jahre alt, Vater einer kleinen Tochter und jemand, der Stillstand nicht kennt. Hauptberuflich arbeitet er in der Pflege, lange sogar in leitender Position. Nebenbei stemmt er gemeinsam mit seinem Vater Danny Graf seit September 2025 die Mietwerkstatt. „Graf und Partner klingt besser als Graf und Graf“, sagt er und grinst. Sein Vater kümmert sich vor allem um die Finanzen und bringt Erfahrung aus dem Maschinenbau mit, während Rudi derjenige ist, der vor Ort alles zusammenhält.
Autos begleiten ihn schon seit der Jugend. Schrauben hat er sich selbst beigebracht – erst an Familienautos, später am eigenen Wagen. Heute gibt er genau diese Möglichkeit weiter: einen Ort, an dem andere selbst Hand anlegen und sich ausprobieren können.
Die Idee: Freiheit statt Werkstattstress
Was als eigene Schrauberhalle gedacht war, wurde schnell größer. „So groß ist mein eigener Bedarf gar nicht, dass ich das nur für mich alleine brauche“, erzählt Graf. Also entstand die Idee der Mietwerkstatt: Kunden buchen online, bekommen einen Zugangscode aufs Handy und können unabhängig arbeiten – egal ob morgens um sechs oder nachts um drei.
„Ich hatte hier schon Kunden, die waren bis vier Uhr morgens da“, sagt er. „Die machen danach sauber, schließen ab und gehen. Das funktioniert.“ Das Konzept ist einfach: 25 Euro pro Stunde oder 160 Euro am Tag – inklusive Hebebühne, Werkzeug, Maschinen und allem, was man braucht, inkl. WLAN und Kaffee. Keine Wartezeiten, kein Zeitdruck, kein Meister, der auf die Uhr schaut und direkt abrechnen will.
Mehr als nur Schrauben
Die Werkstatt ist längst mehr als ein Ort zum Reparieren. Sie ist Treffpunkt, Netzwerk und Rückzugsort zugleich. Hier sitzen manchmal mehrere Freunde zusammen, schrauben an Autos, grillen draußen, hören Musik. „Die haben den ganzen Tag bezahlt – sollen sie machen“, sagt Graf. Und genau das ist es, was viele schätzen: Ruhe, Platz und die Freiheit, ihr Projekt in eigenem Tempo umzusetzen. Gleichzeitig wächst mit jedem Kunden auch das Netzwerk. Tipps, Ideen und Fachwissen kommen oft direkt von den Nutzern selbst. „Das ist enorm, was man dadurch an Kontakten bekommt“, sagt Graf.
Doch einfach ist das alles nicht. Neben Schichtdienst, Familie und der Verantwortung für die Werkstatt bleibt kaum Zeit zum Durchatmen. „Mein Kalender ist voll“, sagt er offen. Trotzdem treibt ihn der Wunsch an, etwas Eigenes aufzubauen. Die Einnahmen fließen aktuell komplett zurück ins Projekt. Die Wände sollen noch verkleidet, die Decke angehoben, die Halle weiter modernisiert werden. Schritt für Schritt. „Wir sind sehr dankbar für alle Kunden, die uns eine Chance gegeben haben und immer wieder kommen“, so der 25-jährige Familienvater und Unternehmer.



