Flächendeckende Warnstreiks legen öffentlichen Nahverkehr in Sachsen lahm
Die Gewerkschaft Verdi hat mit bundesweiten Warnstreiks im öffentlichen Personennahverkehr am Freitag für massive Einschränkungen in Sachsens größten Städten gesorgt. In Leipzig, Dresden, Chemnitz, Zwickau und Plauen standen Busse und Straßenbahnen nahezu flächendeckend still. Lediglich vereinzelte Linien, die von Subunternehmen betrieben werden, waren von den Arbeitsniederlegungen nicht betroffen.
Leipziger Streik bis Sonntag ausgeweitet
Besonders betroffen ist die Messestadt Leipzig, wo der ursprünglich für Freitag und Samstag geplante Streikaufruf nun auf den Sonntag ausgeweitet wurde. Laut Verdi-Gewerkschaftssekretär Lou Hauser endet der Arbeitskampf damit erst nach Dienstende der Nachtschicht am frühen Montagmorgen. „Ziel ist zusätzlicher Druck auf die Arbeitgeber, insbesondere die Leipziger Verkehrsbetriebe“, erklärte Hauser gegenüber der Deutschen Presse-Agentur.
In Leipzig rechnet die Gewerkschaft damit, dass sich bis zum Streikende mindestens 400 Beschäftigte an den Arbeitsniederlegungen beteiligen werden. In Chemnitz lag die Streikbeteiligung am Freitagnachmittag nach Gewerkschaftsangaben bei rund 200 Beschäftigten.
Verkehrsbetriebe kritisieren Streikverlängerung
Die Leipziger Verkehrsbetriebe (LVB) reagierten mit scharfer Kritik auf die Streikverlängerung. Ulf Middeberg, Sprecher der Geschäftsführung, bezeichnete die Maßnahme als unnötig und verwies auf die schwierige wirtschaftliche Lage des öffentlichen Nahverkehrs. „Alle kennen die Kostenbelastungen im ÖPNV in Deutschland. Dennoch zahlen wir als LVB 30 bis 40 Prozent mehr Gehalt als noch vor drei Jahren“, so Middeberg.
Die LVB gehen davon aus, dass die Fahrzeuge im morgendlichen Berufsverkehr am Montag wieder ungehindert nach Fahrplan unterwegs sein können. Regionalzüge, S-Bahnen und der Fernverkehr der Deutschen Bahn waren von den Streiks nicht betroffen, ebenso wenig die City-Bahn Chemnitz.
Hintergrund des Tarifkonflikts
Hintergrund der Arbeitsniederlegungen sind die bisher ergebnislosen Verhandlungen zum Tarifvertrag Nahverkehr Sachsen. Die Gewerkschaft Verdi fordert:
- Entlastungen bei den Arbeitszeiten
- Längere Ruhezeiten
- Bessere Zuschläge für Nacht- und Wochenendarbeit
Verdi-Verhandlungsführer Paul Schmidt kritisierte die bisherigen Verhandlungen: „Hinter uns liegen bereits zwei ergebnislose Verhandlungen, mit dreisten Gegenforderungen der Arbeitgeber nach Verschlechterungen der Arbeitsbedingungen“. Die Gewerkschaft hofft, dass das Signal des Ausstands die Arbeitgeber nun zum Einlenken bewegt.
Die Arbeitgeberseite verweist hingegen auf bereits vereinbarte Entgelterhöhungen und sieht die finanziellen Spielräume als ausgeschöpft an. Zwar wurden nach dem ersten Warnstreik am 2. Februar Teile der Gegenforderungen der Arbeitgeberseite wieder vom Tisch genommen, doch die Gewerkschaft wirft den Arbeitgebern vor, beim Thema Arbeitszeitverkürzung weiter keinerlei Verhandlungsbereitschaft zu zeigen.
Nächste Verhandlungsrunde im März geplant
Die nächste Tarifverhandlungsrunde ist für den 9. März geplant. Bis dahin bleibt die Situation angespannt, zumal die Gewerkschaft zusätzliche Verschlechterungen durch die Arbeitgeberseite kritisiert. So sollen laut Verdi-Angaben Urlaub gekürzt und der Zuschuss zum Krankengeld reduziert werden.
Dies ist bereits der zweite größere Warnstreik im sächsischen Nahverkehr in diesem Jahr. Bereits am 2. Februar hatte ein Arbeitskampf etliche Busse und Bahnen in Sachsen ausgebremst. Die Auswirkungen auf Pendler und den öffentlichen Verkehr in den betroffenen Städten sind erheblich.



