Tarifkonflikt bei AWO NRW spitzt sich zu: Verdi kündigt weitere Warnstreiks an
Bei der Arbeiterwohlfahrt (AWO) in Nordrhein-Westfalen droht eine Verschärfung des Tarifkonflikts. Die Gewerkschaft Verdi hat für die kommenden Wochen neue Warnstreiks in AWO-Einrichtungen wie Kindertagesstätten und Offenen Ganztagsschulen (OGS) angekündigt. "Ab nächster Woche geht es weiter", erklärte Verdi-Verhandlungsführerin Susanne Hille gegenüber der Deutschen Presse-Agentur.
Eskalation des Arbeitskampfes
Wie bereits in den vergangenen Wochen plant Verdi zunächst regionale Warnstreikaufrufe in verschiedenen Teilen Nordrhein-Westfalens. Darüber hinaus ist ein landesweiter Warnstreik bei der AWO NRW vor der dritten Verhandlungsrunde am 4. März vorgesehen. Die genauen Termine für die kommenden Arbeitsniederlegungen will die Gewerkschaft noch bekanntgeben.
Die zweite Verhandlungsrunde am Dienstag blieb laut Gewerkschaftsangaben ergebnislos. Die Fronten zwischen Arbeitgebern und Gewerkschaft sind weiterhin verhärtet, sodass eine schnelle Einigung nicht in Sicht ist.
Mögliche Auswirkungen auf Betreuungsangebote
Susanne Hille von Verdi erläuterte die möglichen Konsequenzen der angekündigten Arbeitsniederlegungen: In betroffenen Kitas könnte es zu Gruppenzusammenlegungen oder sogar zeitweisen Schließungen kommen. Gleiches gelte für die Ganztags- und Betreuungsangebote an Grundschulen in der Trägerschaft der AWO.
In den Pflegeeinrichtungen der Arbeiterwohlfahrt werde während der Streiks ein Notdienst eingerichtet, um die Versorgung der Pflegebedürftigen sicherzustellen. Für die zahlreichen Bildungseinrichtungen der AWO in NRW – aktuell 519 OGS und 840 Kitas – bedeutet der anhaltende Konflikt jedoch erhebliche Unsicherheiten.
Empfehlungen für betroffene Eltern
Das nordrhein-westfälische Familienministerium rät Eltern, Mitteilungen ihrer Kindertageseinrichtungen aufmerksam zu verfolgen, um zu erfahren, ob das Kita-Angebot ihres Kindes von angekündigten Streiks betroffen ist. Die Träger informieren in der Regel auch über das Angebot von Notgruppen, die für Kinder eingerichtet werden, deren Eltern zwingend auf Betreuung angewiesen sind.
Das Schulministerium empfiehlt Eltern, die aktuellen Informationen der jeweiligen Offenen Ganztagsschule zu beachten. "Für die Beschäftigten der Träger der außerunterrichtlichen Angebote, etwa in der OGS, sind die jeweiligen Träger vor Ort verantwortlich", heißt es aus dem Ministerium. In vielen Betreuungsverträgen finden sich Regelungen zu unvorhergesehenen Ausfällen, die auch Notbetreuungen umfassen können.
Die zentralen Forderungen im Tarifkonflikt
Im Mittelpunkt des Auseinandersetzungen stehen folgende Gewerkschaftsforderungen:
- 500 Euro brutto mehr monatlich für alle Beschäftigten der AWO NRW
- 300 Euro brutto mehr für Auszubildende
- Drei zusätzliche freie Tage für Verdi-Mitglieder in der AWO NRW
Die Arbeitgeberseite hatte diese Forderungen nach Verhandlungsbeginn als "völlig überzogen" kritisiert. Im Durchschnitt entsprechen die gewünschten Verbesserungen einer Lohnsteigerung von rund 13 Prozent – eine Größenordnung, die aus Sicht der AWO nicht tragbar sei.
Mit den angekündigten Warnstreiks erhöht Verdi nun den Druck auf die Arbeitgeber, während Eltern und Kinder sich auf mögliche Betreuungsengpässe einstellen müssen. Die dritte Verhandlungsrunde am 4. März wird zeigen, ob eine Einigung in diesem für viele Familien wichtigen Sozialbereich möglich ist.



